Der Erfurter Märchenwald hat jetzt auch fünf riesige Märchenbücher

Wann? 26.12.2015 11:00 Uhr

Wo? Weihnachtsmarkt, Domplatz, Erfurt DE
Thomas Lindner (links) und Andreas vom Rothenbarth.
 
Eins der Märchenbücher
Erfurt: Weihnachtsmarkt | Über eine - nein fünf - Neuigkeiten dürfen sich die Besucher des Märchenwaldes auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt freuen: Fünf überdimensional große Märchenbücher, gemeinsam von Andreas vom Rothenbarth und Thomas Lindner verwirklicht.

Der Frosch trägt die goldene Kugel im Maul, eigenartigerweise hat der glitschige Geselle dabei eine Krone auf dem Kopf. Nebenan schwingt ein zwergenhaftes Wesen mit riesiger Nase selbstvergessen den Kochlöffel, während die Prinzessin nach dem Schlafen über blaue Flecken klagt. Böse Erbse. Auf den ersten Blick ist nicht auszumachen, wessen Augen bei diesen puppenhaften Szenen größer scheinen – die der kleinen oder doch die der großen Märchenwald-Besucher?


Andreas vom Rothenbarth, der in Schwerstedt zu Hause ist, kennt diesen Effekt, erlebt er ihn doch beinahe täglich. „Märchen sind einfach unverzichtbar“, weiß der leidenschaftliche Märchenerzähler, der sich im Märchenwald auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt beinahe wie zu Hause fühlt. Seit 21 Jahren kommt er immer wieder hierher, um die alten Weisen zu erzählen. Nun ist noch mehr Grund zur Freude, hat die bezaubernde Szenerie doch märchenhafte Bereicherung erfahren: Überdimensional große, extra gestaltete Märchenbücher. Andreas vom Rothenbarth und der Erfurter Künstler Thomas Lindner haben sich um die praktische Umsetzung gekümmert. Die Idee dafür existiert schon länger, das Geld für das Projekt spendeten die Händler des Weihnachtsmarktes. Ihnen ist gemeinsam mit der Kulturdirektion daran gelegen, den Markt noch attraktiver zu machen, dafür greifen sie seit Jahren gern in die Taschen. Nun also für die Bücher.

Die ersten fünf Bücher sind da


Zum Auftakt in diesem Jahr sind es fünf Bücher, die nächsten beiden Projektphasen sehen später weitere Bücher und eine interaktive Nutzung für nicht-deutschsprachige Märchenhörer vor. Viele Stunden lang haben der Künstler und der Märchenerzähler an dem Vorhaben getüftelt, Schriftart und Schriftgröße ausgewählt, sich dafür entschieden, die neue Rechtschreibung einfließen zu lassen und die Märchen komplett aufzuschreiben. „Da sind wir ganz eigen, Märchen sind so, wie sie sind, da wird nichts am Inhalt verändert“, erklärt Andreas vom Rothenbarth. Meist genügen dafür zwei der riesigen Buchseiten, eine Erkenntnis, die zumindest Thomas Lindner überraschte. Märchenexperte vom Rothenbarth weiß natürlich aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass die meisten in vier bis acht Minuten erzählt sind. Nur mit Kinderohren gehört erscheinen sie endlos lang.


Thomas Lindner, der vor allem für seine Metallskulpturen bekannt ist, übernahm den praktischen Teil. „Das hat mächtig viel Arbeit gemacht, viele einzelne Schritte waren nötig“, erinnert er sich an unzählige Stunden Arbeit. Schließlich muss das Ganze nicht nur sehenswert, sondern ebenso stabil und wetterbeständig sein. Die Symbiose aus mit Polyesterharz überzogenem Metall, Holz, Edelstahlblech und laminiertem Druck auf Folie ergibt die perfekte Illusion eines echten Buches. Sogar die Seiten sind angedeutet. „So mancher versucht, im Buch zu blättern“, beobachtet der Künstler bei jedem seiner Märchenwaldbesuche. Vor allem an den Wochenenden gibt es dort mitunter dichtes Gedränge, da werden allein hier pro Tag 10.000 bis 15.000 Besucher gezählt. Inzwischen bleiben sie nicht nur vor den Märchenszenen, sondern auch bei den Büchern stehen, lesen laut oder leise, lassen die Geschichten auf sich wirken. Vor allem Großeltern und Kinder sind begeistert. Eltern scheinen eher etwas Abstand zu Märchen zu haben, ereilt Andreas vom Rothenbarth immer mal wieder eine erstaunliche Erkenntnis. Aber das wird schon wieder.


Egal, ob Märchen erzählt oder vorgelesen werden: Sie sind unsterblich. Oder, wie es der Märchenonkel sagt: „Sie sind die konzentrierte Erfahrung vergangener Generationen.“ Thomas Lindner, selbst seit seiner Kindheit Märchenliebhaber, kann da nur zustimmen. „Märchen sind so etwas wie Lebenserfahrung und gleichzeitig Orientierung, die Möglichkeit, in eine heile Welt zu fliehen.“ Denn eines steht unverrückbar fest – die meisten Märchen gehen nun mal gut aus.


Termin:


Der Märchenwald ist auch nach Beendigung des Erfurter Weihnachtsmarktes noch für ein paar Tage zu sehen. Geöffnet ist bis zum 22.12. zu folgenden Zeiten: Sonntag bis Mittwoch 10 bis 20 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr, Freitag und Samstag 10 bis 22 Uhr.

Am 23.12. bleibt der Märchenwald geschlossen.

Vom 24. bis 27.12. hat er von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Am zweiten Weihnachtsfeiertag (26.12.) findet um 11 Uhr in der Ököbackstube neben dem Märchenwald eine Märchen-Matinee mit Andreas vom Rothenbarth statt. Der Märchenerzähler erwartet im Märchenwald die Kinder zu folgenden Zeiten: Samstag und Sonntag 13.30 bis 15.30 Uhr sowie Dienstag und Mittwoch 10 bis 11 Uhr.


Andreas vom Rothenbarth erzählt das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse:
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