Der Zauber des Anfangs: Schüler nutzen den "Zauberlehrling" für eine Szenencollage

Die Klasse 7b aus der Friedrich-Ebert-Schule gestaltet auf der Basis von Goethes „Zauberlehrling“ eine kunstvolle Szenencollage. Das Bild zeigt die Tänzer gemeinsam mit Tanzpädagogin Grit Grenzdörfer (vorn links).
„Walle, walle, manche Strecke, dass, zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße“, verwandelt sich die Passage von Goethes „Zauberlehrling“ plötzlich in einen Song. Da bewegen sich die Beine fast von selbst. Die anderen Tänzer, die in dieser Szene nicht dran sind, wippen dazu im Takt, manche singen sogar leise mit.

Grit Grenzdörfers Augen leuchten. Doch es hält sie nicht lange am unbeteiligten Zuschauerrrand, sie bewegt sich synchron mit, gibt ihren Eleven mit Blicken, Gesten, dem einen oder anderen Wort liebevoll Schützenhilfe. Ja, so klappt das. Die Tanzpädagogin ist zuversichtlich, das wird eine runde Sache. „Dabei hatten wir noch vor Tagen überhaupt keine Ahnung, ob wir überhaupt zu einem Ergebnis kommen, das sich zeigen lässt“, erinnert sie sich an den Start des ungewöhnlichen Projektes im Erfurter Theater.

„Wir“ – das ist eine Handvoll engagierter Leute, die in jungen Menschen Kreativität wecken möchten. Allen voran Kulturagentin Uta Schunk, die dafür antritt, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst und Kultur zu begeistern und dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. In diesem konkreten Projekt wirken neben ihr und Grit Grenzdörfer auch Cornelia Schönherr (Konzertpädagogin am Theater Erfurt), Andreas Ittner (Theaterpädagoge im Theater „Die Schotte“) und Lehrerin Antje Mascher mit. Letztere kommt von der Friedrich-Ebert-Schule und stellt sich mit ihrer Klasse 7b der Herausforderung. Die knifflige Aufgabe für eine ganze Woche: auf der Grundlage von Goethes „Zauberlehrling“ kreativ zu werden.

„Wir haben uns entschlossen, eine Szenencollage, ein zusammenhängendes Stück, auf die Beine zu stellen. Eins, in das sich die Zwölf- bis Vierzehnjährigen schöpferisch und eigenverantwortlich einbringen sollen. Und müssen“, erklärt Grit Grenzdörfer.

Würde das Ganze funktionieren? Immerhin, so haben die Erwachsenen festgestellt, ist jedes Kind sehr individuell. Aber auch sehr kreativ. Manchmal, sagt die Tanz­pädagogin lächelnd, wüssten sie gar nicht, wohin mit ihrer großen, überschäumenden Kreativität. Die gilt es, in die richtigen Bahnen zu lenken.

Nie zuvor haben sich die Siebtklässler derart intensive Gedanken über den Zauberlehrling gemacht wie hier im Probenraum. Vor allem ihre Gefühle waren es, über die sie nachdenken und auch sprechen sollten. Wie fühlt es sich an, wenn man schlimme Angst hat? Wie sieht Freude aus? Wie zeigt man Schmerzen oder Erschöpfung, im Leben und auf der Bühne?
Und würde das als Grund­lage genügen? Spätestens nach ein paar Tagen wussten es alle Beteiligten: Wir schaffen es, gemeinsam ein Stück auf die Bühne zu bringen. Die Kinder werden zu Akteuren, sie singen und tanzen, spielen Theater und musizieren. Nun ist das Stück fertig. „In allem Anfang wohnt ein Zauber inne“, haben sie es genannt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige