Des Andracks Lust

Manuel Andrack wandert gerne, schreibt darüber und versucht mit Multivisionsshows, die Wandermuffel zu bekehren. Am 19. kommt der Wandermissionar nach Erfurt.
Erfurt: DasDie Live | 13 Jahre lang war Manuel Andrack (48) Redaktionsleiter und Handlanger von Late-Night-Show-König Harald Schmidt. Jetzt kommt er als Autor und neuer deutscher Wanderguru nach Erfurt.

Zunächst einmal möchte ich Sie von meiner Schwiegermutter grüßen. Die ist 75 Jahre alt, Mitglied im Wanderverein und großer Fan ihrer Kolumne. Ist das die Zielgruppe Ihrer Wander-Multivisionsshows? Oder anders gefragt: Wie alt muss man denn werden, um das Wandern für sich zu entdecken?
Gute Frage. Ich sage immer: Wandermuffel kann ich nämlich heilen während meiner Multivisionsshow. Ich habe eine Wanderhypnose und mache Wandermuffel zu Wanderbegeisterten. Insgesamt weiß ich nicht, wer meine Zielgruppe ist. Das wird sich zeigen. Alle, die sich angesprochen fühlen. Ich habe aber von allen Altersgruppen, die das gesehen haben, positive Rückmeldungen gehabt. Man kann Wandern auch mit 25 super finden.

Am 19. Oktober kommen Sie mit Ihrer Wandershow nach Thüringen ins Erfurter Dasdie Live. Da möchte ich mal testen, ob Sie denn auch gut vorbereitet sind. Was sagen Ihnen folgende Liedzeilen: "Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder"?
Das ist die Mareile, das Rennsteiglied. Ich finde es großartig. Es ist meines Wissens nach der einzige Wanderweg, der eine eigene Hymne hat. Als ich zwei Wochen auf dem Rennsteig unterwegs war vor ein paar Jahren, ist mir tatsächlich eine Wandergruppe entgegengekommen, die das gesungen hat. Das war noch das Allerbeste.

Verirren sich auch Wandermuffel in Ihre Vorstellung?
Ich weiß es nicht. Ein paar sind immer dabei. Ich frage das nicht mehr ab. Das habe ich bei den Vorpremieren gemacht, aber das ist auch peinlich für die Wandermuffel, sich dann outen zu müssen. Ich hoffe, es werden viele davon angesprochen, weil es geht ja irgendwie darum, einen schönen Abend zu haben, viel zu lachen. Und man muss nicht ein Wanderinsider sein, um den ganzen Text zu verstehen, sondern man lacht über den peinlichen Andrack, wie er sich zum Beispiel an der Watzwand-Ostwand überfordert.

Was ist Ihnen da passiert?
Mein Kumpel Alfons, der Franzose mit dem Puschel, der hat das ganz schön auf den Punkt gebracht (französischer Dialekt): „Isch liebä es, zu ören, wenn Andrack in där Scheißä sitzt.“ Ein Redakteur von "Geo Special" kam auf die Idee: Jetzt schicken wir mal den Andrack in dieses hochalpine Abenteuer. Das beschreibe ich sehr ausführlich mit einigen Bildern. Es war nicht ungefährlich und nicht so erfolgreich. Aber ich habe es irgendwann geschafft, da irgendwie hochzukommen, aber mit vielen Blessuren.

Sie wollen ja die Frage beantworten: Was ist in der Kindheit von so vielen Menschen schief gelaufen, dass sie das Wandern hassen? Als Bewegungsmuffel frage ich jetzt einmal anders herum: Was ist denn in Ihrer Kindheit schief gelaufen, dass Sie das Wandern so lieben?
Weiß ich nicht. Ich bin verhaltensgestört gewesen und musste auch zum Kinderpsychologen. Ich bin schon immer gerne gewandert. Ich war anders als die anderen Kinder.

Ihre Argumente sind die eines jeden "Draußis": Wandern hält schlank, hat etwas Spirituelles - Sie beschreiben es als Ersatzreligion - und ist so stressfrei, dass Sie von einer ganzen Wellnessbewegung sprechen. Außerdem soll Wandern glücklich machen. Ist das die Art Grundoptimismus, die man als Fußballfan des 1. FC Köln mitbringen muss?
Im Moment läuft doch alles beim 1. FC Köln. Ne, die meisten, die es auf meine Empfehlung hin ausprobiert haben, die empfinden das auch so. Wenn der Weg schön ist: Diese Bewegung macht Laune. Die Ausblicke und draußen in der Natur zu sein, dann ist man glücklicher als die, die zuhause bleiben.

Aber was ist denn mit dem ständigen Mistwetter? Mit Wadenschmerzen und Blasen an den Füßen? Mit den kargen Ferienhäuser auf der Strecke? Nicht zu vergessen: der Gestank durchgeschwitzter Wandersocken? Überhaupt die ganze Outdoor-Mode, die sich die Rentner unter den Nagel gerissen haben?
Wenn das die Schwiegermutter hört... Da gibt es wirklich hübsche Sachen zum Anziehen. Das muss man echt sagen. Nicht nur Karohemden und Kniebundhosen wie noch vor 20 Jahren. Mit den Blasen habe ich jahrelang zu kämpfen gehabt, aber jetzt wandere ich nur noch in Joggingschuhen und dann sind die auch weg. Um die Ferienhäuser geht es auch in der Show, wo man unterkommt und wo besser nicht. Das kann man natürlich umgehen, indem man eben Tagesordnungen macht. Man kann ja auch auf dem Rennsteig Etappen gehen und abends wieder nach Hause fahren. Das geht ja.
Das Wetter ist wirklich ein Problem. Ich hasse den Spruch, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung. Natürlich gibt es schlechtes Wetter. Was zurzeit durch Deutschland zieht, ist schlechtes Wetter. Da habe ich auch keine Lust zu wandern. Heute bleibe ich auch den ganzen Tag auf dem Hotelzimmer. Natürlich macht es mehr Spaß, bei Sonnenschein und trockenem Wetter zu Wandern. Und wenn man es sich aussuchen kann, sollte man es sich so hinbiegen, dass es bei gutem Wetter stattfindet. Wenn man darauf achtet, selbst wenn man den Winter mitnimmt, gibt es doch sehr, sehr viele trockene Tage in Deutschland. Mehr als man denken möchte.

Wandern Sie lieber alleine oder in der Gruppe?
Das Naturerlebnis bekommt man immer. Alleine zu wandern, hat eher den Vorteil, dass man bei sich und seinen Gedanken ist. Deswegen mag ich das schon sehr gerne. Aber ich wandere auch supergerne mit meinen Kumpels oder mit meiner Frau, auch mit einer großen Gruppe, denn die Gespräche sind immer anders, als wenn man sich abends in einem Restaurant zusammensetzen würde. Es kommt immer zu einem gewissen Punkt, an dem man dann auch über Gott und die Welt redet. Das ist sehr schön.

Trotzdem machen Sie lieber Rennsteig- als Türkeiurlaub?
Absolut. Das ist eben nicht vergleichbar. Aber der Rennsteig ist auch nicht mit der Watzmann-Ostwand zu vergleichen. Da gibt es keine 600 Meter tiefen Abgründe, keine ausgesetzte Pfade. Rennsteig ist ja Erholung pur dagegen.

Ich bin Bayern-München-Fan. Damit gehöre ich - so sagen Sie - neben den Rauchern und den Linkshändern zu den Wandermuffeln. Fehlt uns ein Gen?
Nö, das ist einfach Statistik. Es gibt 40 Millionen Wanderer und 19 Millionen Raucher, zwölf Millionen Linkshänder und neun Millionen Bayern-München-Fans. Das sind die anderen 40 Millionen. Man kann aber auch wechseln. Sie sind Bayern-München-Fan? Da kann man in Ausnahmefällen auch wandern.

Wenn Sie abends in Sachsen auftreten, wandern Sie tagsüber in der Sächsischen Schweiz. Halten Sie das auch an anderen Veranstaltungsorten so?
Den Thüringer Hainich kenne ich schon. Ich muss auch gucken, wie es zeitlich hinkommt. Aber es ist tatsächlich so, dass meine kleine Osttour endet mit Erfurt und dann werde ich am nächsten Tag nach Eisenach fahren und ein Stückchen auf dem Martin-Luther-Weg von Möhra aus wandern.


Hintergrund:
- Manuel Andrack (48) ist ein deutscher Redakteur, Moderator und Autor. Dem Fernsehpublikum wurde er durch seine 13 Jahre lange Zusammenarbeit mit Harald Schmidt als dessen Redaktionsleiter bekannt. Derzeit wandert er viel und schreibt auch darüber.
- Mareile war die Tochter des Försters vom Forsthaus Waidmannsheil. Die Gründer des Rennsteigvereins nannten das weiße "R", mit dem die Bäume am Rennsteig markiert werden, liebevoll "Mareile".
- Termin: Manuel Andrack, "Andracks Kleine Wandershow - Lachen Sie Sich Blasen!", 19. Oktober, 20 Uhr, Dasdie Live Erfurt
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.10.2013 | 07:10  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 17.10.2013 | 18:04  
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