Die Sinne schärfen - Senioren werden kreativ

Auch Monika Gießmann entdeckt das Malen für sich. Das Bild zeigt ihre künstlerische Interpretation des Erfurter Doms.
 
Kunsttherapeut Rainer Probst (links ) gibt die nötige Unterstützung und sorgt für Anregungen.
Behutsam taucht sie den Pinsel in die Farbe. Nur ein klein wenig braucht sie davon. Sie trägt den roten Tupfen auf, verteilt ihn liebevoll auf dem Blatt vor ihr auf der Staffelei. Zwei Schritte zurück, ein Auge kurz zugekniffen, ein abschätzender Blick. Ja, es ist gut so, scheint ihr Nicken zu sagen. Zufrieden lächelt die alte Dame.

Kunsttherapeut Rainer Probst stimmt in das Lachen mit ein. Auch er ist zufrieden. Und wieder einmal stellt er fest: „Wer sich mit Kunst beschäftigt, geht einfach wacher durchs Leben“. Bei „seinen“ Senioren scheint dieses Ansinnen gelungen. Gemeinsam mit Kollegin Regina Franke hat er an einigen Nachmittagen Senioren den Umgang mit Pinsel und Farben nahegebracht.
Der Malkurs ist Bestandteil der Kampagne „Das Haus für die reifen Sinne“ im Erfurter Helios Klinikum, die auf die Bedeutung der fünf Sinne und deren Veränderungen im Alltag aufmerksam macht. „Im Alter verändern sich die Sinne“, weiß Rainer Probst und fügt hinzu: „Wenn man diese jedoch rechtzeitig trainiert, lässt sich das herauszögern.“.

Man könne eigentlich nicht früh genug damit beginnen, sagen die Kunsttherapeuten. Vor allem im Seniorenalter sollte man an jedem Tag ein wenig für sich selbst tun. Dabei ist es ganz egal, ob sich jemand ein neues Hobby sucht, regelmäßig kocht, Kreuzworträtsel löst, im Garten werkelt oder eben zum Pinsel greift
In Erfurt gibt es für Senioren zahlreiche Angebote, sich zu betätigen und damit die Sinne zu schärfen. So ist man immer ein bißchen mittendrin, bleibt offen für neue Eindrücke. „Und dafür ist die Kunst gut“, macht Rainer Probst jedesmal aufs neue die Erfahrung. Dabei müsse man gar nicht alles perfekt können: „Hauptsache, man hat Freude daran, zum Beispiel beim Malen“. Im jüngsten Senioren-Malkurs konnten Regina Franke und Rainer Probst erleben, wie sehr diese Kunst andere zu faszinieren und begeistern vermag. Ein wunderbares Angebot an die Sinne, nicht nur an den Sehsinn. Nur ganz am Anfang haben die Kunsttherapeuten die Neu-Maler mehr an die Hand nehmen müssen, von Mal zu Mal wurden die Versuche mutiger, die Ergebnisse sehenswerter.

Von den Könnern liebevoll begleitet, haben die malenden Senioren mittlerweile kleine Kunstwerke geschaffen. Auf die sind sie mächtig stolz. „Erstaunlich ist es zu sehen, wie sich in der kurzen Zeit nicht nur das Selbstvertrauen der Teilnehmer ändert, sondern auch die Sichtweise“, resümiert Rainer Probst. So mancher, der an einem Bild gemalt hat, hatte eine Woche später dazu schon wieder eine ganz andere Idee. Auch, wenn sie mitunter etwas verwegen klingt. Ein wenig Experimentierfreude darf sein. Manchmal ist es sogar noch viel mehr. Man merkt, wie es in den Köpfen der Pinselschwinger arbeitet, nach der Malstunde drehen sich die Gedanken lange noch um das entstehende Bild.

„Bei so viel Begeisterung geht einem wirklich das Herz auf“, sind sich die Kursleiter einig und wünschen sich, dass der eine oder andere den Pinsel auch zu Hause nicht zur Seite legt. Selbst, wenn man vorher nicht genau weiß, was am Ende dabei herauskommt. Auf jeden Fall tut es rundum gut.
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3 Kommentare
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 21.10.2012 | 21:31  
Helke Floeckner aus Erfurt | 23.10.2012 | 10:48  
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Hannelore Grünler aus Artern | 27.10.2012 | 08:21  
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