DomStufen-Festpiele: Über diese "Tosca" würde Puccini staunen - meint Andrey Maslakov

Wann? 11.08.2016 20:00 Uhr bis 28.08.2016 23:00 Uhr

Wo? Domplatz, Domplatz, 99084 Erfurt DE
Verschnaufpause zwischen zwei Proben für die DomStufen-Festspiele. Der gebürtige Ukrainer Andrey Maslakov gab hier schon vor einem Jahr sein Erfurt-Debüt und ist glücklich, auch bei "Tosca" dabei zu sein. Er ist in der Rolle des Baron Scarpia zu sehen.
 
Andrey Maslakov auf den für die Festspiele hergerichteten Domstufen.
Erfurt: Domplatz | Bei den diesjährigen Erfurter DomStufen-Festspielen übernimmt Andrey Maslakov in der Inszenierung von "Tosca" die Partie des Barons Scarpia. Der ukrainische Bariton ist ein großer Fan des Erfurter Theaters und seiner Arbeit:


Gäbe es Zeitreisen, würde er sie Giacomo Puccini gönnen. Für einen Abend nur. Um zu sehen, wie sie dort, in Erfurt, seine "Tosca" auf die Domstufen-Bühne bringen. Puccini würde staunen, ist sich Andrey Maslakov sicher. Der ukrainische Bariton ist mittendrin, singt in der Inszenierung die Partie des Barons Scarpia. Natürlich, seit im Jahr 1900 Puccinis Oper um Liebe und Verrat, Staat und Kirche, Mord und Selbstmord zum ersten Mal aufgeführt wurde, ist Zeit vergangen, können Sänger auf viel höherem Niveau ihr Können zeigen.


Doch in Erfurt sei es zudem anders. Die Domstufen versprühen Charme, die aufwendig gestaltete Bühne mit historischer Dom-Kulisse vereine als Spielort Kleines, Intimes mit Gewaltigem - Stoffen und Inszenierungen, die sich in Inhalt und Ausstattung abheben. "Ich fand schon die Aufführung vom Freischütz legendär", ist Andrey Maslakov voller Lob. Vor einem Jahr gab er dort sein Erfurt-Debüt in der Rolle des Caspar. "Es ist ein reines Vergnügen, hier zu arbeiten. Hier ist alles so professionell", schwärmt er, der mit seinen weltweiten Engagements von Japan bis Kuba durchaus Vergleiche anstellen kann und dem Theater-Erfurt Augenhöhe mit großen Opernstädten attestiert.

Freiheit für die Künstler


Intendant Guy Montavon inszenierte im vergangenen Jahr, diesmal ist es Jakob Peters-Messer, gemeinsam mit ihm. "Sie lassen den Künstlern Freiheit, geben natürlich die Chorografie vor, die sie in- und auswendig kennen, führen dich und verschaffen dir die Möglichkeit dich auszudrücken." Einen großen Regisseur nennt Andrey Maslakov Montavon, einen, der ein Glück für das Erfurter Theater ist, der ein Händchen für Stoffe und Besetzungen hat und Könner um sich schart. "Wenn er ruft, bin ich sofort da", verspricht er.

Andrey Maslakov genießt die Arbeit in Erfurt. Puccini war sowieso ein ganz Großer, Wagners Nachfolger in Italien, sagt er. "Seine Musik in Tosca ist genial. Bei ihm werden Worte zu Musik, Musik wird zu Sprache." Er male sozusagen mit seinen Klängen. Ganze Bilder, Töne, die auch zeigen, wie es im Inneren einer jeden Figur aussehe. Braucht die Rolle des Scarpias da nur dunkle Töne? "Er ist kein schlechter Mensch, ich möchte ihn nicht als Bösewicht darstellen", spricht der Darsteller über den mächtigen, urgewaltigen, geradeaus stapfenden Mann. "Gehe ich auf die Bühne, bin ich ganz Scarpia. Ich setze sozusagen seine Maske auf, denke darüber nach, was er jetzt wohl tun würde." So hält er es mit jeder seiner Rollen. Scarpia sei einfach nur ein Mensch, einer, der viel erlebt hat, seine Meinung hat, sich selbst nicht für schlecht befindet, seine Arbeit gut machen will. "Diese Gestalt reizt mich sehr", freut sich der Kiewer auf die Herausforderung.

Eine Stadt mit Atmosphäre


Bevor sich am Donnerstagabend zum ersten Mal der imaginäre Vorhang für "Tosca" auf den Domstufen hebt, genießt Andrey Maslakov zwischen den vielen Proben auch ein wenig die Atmosphäre in der Stadt. "Ich gehe hier so gern spazieren", fühlt er sich von Stadt und Umgebung immer wieder umarmt. Überhaupt liebt er es, in Deutschland zu sein, die Hälfte seiner Zeit verbringt er hier. "Ihr seid nicht nur das Land des Denkens und Dichtens, auch der Musiker, Maler...", resümiert er und findet es immer wieder erstaunlich, wie viel das Land für die Kunst tue. "Mein Respekt dafür, auch sonst für die Deutschen, die immer wieder aufstehen, es einfach anpacken!" Von allem, was auf der Welt in Sachen Oper passiere, finde bestimmt 60 Prozent in Deutschland statt, ist er überzeugt. So sehr viele Musiktheater finden sich hier. Eines davon ist für 15 Aufführungsabende auf den Erfurter Domstufen zu finden. "Der Abschied von hier wird mir schwerfallen", weiß Andrey Maslakov schon jetzt. Aber bis dahin ist ja noch viel Tosca-Zeit.


"Tosca" & mehr:


Premiere 11. August, 20 Uhr. Weitere Aufführungen. 12., 13,. 14., 16., 17., 18., 19. 20., 21., 24., 25., 26., 27. und 28. August jeweils 20 Uhr. Das diesjährige Kinderstück "An der Arche um Acht"hat am 13. August um 16.30 Uhr Premiere und ist auf drei Spielorte verteilt (Domstufen, erhöhte Altarinsel im Dom, Westportal des Doms.) Termine und Karten: www.domstufen.de, www.theater-erfurt.de.

Zur Person:


Der ukrainische Bariton Andrey Maslakov wurde 1976 in Kiew geboren und studierte an der Kiewer Universität. 2001 wechselte er an die Hochschule für Musik in Augsburg, wo er 2009 seine Diplomprüfung ablegte. Seit der Spielzeit 2010/11 ist er Mitglied der Ukrainischen Nationaloper Kiew. Sein Debüt in der Titelrolle von Wagners Fliegendem Holländer gab er 2013 am Nationaltheater Ljubljana (Slowenien), danach sang er die Partie auch am St. Petersburger Michailovsky-Theater und an der Oper in Havanna.

Als Konzertsänger trat er u.a. in der Philharmonie Kiew sowie im Leipziger Gewandhaus auf. Weitere Engagements führten ihn nach Berlin, Düsseldorf, Eisenach, Dessau, Augsburg, zu den Herbstlichen Musiktagen Bad Urach, den Festspielen Landsberg und den Festspielen auf Schloss Schleißheim.


Die Festspiele in Zahlen:


Verbaut wurden:

-120 Tonnen Gerüstmaterial

- 10 Kilometer Kabel

- 70 Lautsprecher

- 400 Meter Bauzaun

- 1500 Holzschrauben

- 4 mit LED-Leuchten bestückte Fluchtlichtmasten

- 2 LED-Wände links und rechts der Stufen, auf denen die deutschen Untertitel der in italienischer Sprache gezeigten Oper eingeblendet werden

- Ein innovatives Akustiksystem ergänzt die moderne Soundanlage.

- 70 Mitarbeiter, darunter Bühnentechniker, Werkstattmitarbeiter, Gerüstbauer, Tischler, Beleuchter und Mitarbeiter von Elektrofirmen, waren im Einsatz.
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