DomStufen-Festspiele in Erfurt: Samuel Bächli und der "Freischütz"

Samuel Bächli auf den Domstufen
Erfurt: Domplatz |

Samuel Bächli, dem musikalischen Leiter der DomStufen-Festpiele in Erfurt, liegt der "Freischütz" sehr am Herzen.



“Das Wichtigste ist die Sehnsucht.“ Dass sie bestehen bleibt, nie erlischt, fügt Samuel Bächli hinzu, nach dem befragt, was ihn in diesen Tagen so sehr beschäftigt. Beruflich. Er spricht vom „Freischütz“, einem der populärsten Werke der deutschen Opernliteratur, das Carl Maria von Weber schrieb und das nach der Fassung des französischen Komponisten Hector Berlioz nun die Bühne der Erfurter DomStufen-Festspiele erobert. Sehnsucht, fügt er erklärend hinzu, das ist in diesem Fall Agathe. Die Arien erzählen davon, werden zur großen Sehnsuchtsmelodie. Selbst, wenn Max und Agathe sich finden, wird sie bestehen bleiben, vermutet Bächli. Genau wie die tiefe Depression von Max.


“Es ist ein Stück, das ich immer machen wollte, ich freue mich sehr darüber“, sagt der musikalische Leiter, der „seltsamerweise“, wie er es ausdrückt, gerade dieses Werk in seiner Karriere erst einmal dirigieren durfte. Es habe einfach so starke Farben, sei sehr intensiv, eine wunderbare Herausforderung. Vor allem Berlioz' Fassung fordere von der Musik alles. „Die hier enthaltenen Rezitative sind sehr schwierig, bieten in jedem Takt Überraschungen“, verlangt das Stück von Dirgent und Musikern höchstes Können und Konzentration. (Rezitative sind ein dem Sprechen angenäherter, vom Orchester unterstützter Gesang.) Auch die Wolfsschlucht-Szene hat es in sich: „Hier kracht alles zusammen, was zusammenkrachen kann“, formuliert es der Musikexperte volkstümlich. Dabei habe sich Carl Maria von Weber an etwas herangewagt, das weder Mozart noch Beethoven je versucht hatten. „Eine ganz neue Form, bei der das Orchester eine eigenständige Rolle spielt, es ist eine Szene, die vollkommen dem Verlauf des Textes folgt“, bewundert Samuel Bächli den Komponisten.


Er findet es nicht verwunderlich, dass es diese Oper noch immer mühelos auf internationale Bühnen schafft. Es sind ja auch die Figuren, die das Ganze so lebendig machen. Vor allem die bösen. „Sie sind einfach viel interessanter zu erzählen, und im Freischütz gibt es viele davon“, sympathisiert Samuel Bächli mit den Nicht-Guten. Obwohl er eigentlich keine einzige der Figuren im Stück als normal bezeichnen möchte. „Selbst Ännchen übertreibt es mit ihrer guten Laune.“ Der Freischütz ist für ihn ein extremes Stück.


Nur auf der Bühne. Das Wetter darf sich gern vollkommen unextrem zeigen, wenn es nach Bächli und allen Festpiel-Beteiligten geht. „Das hier ist eine völlig andere Art als sonst, Musik zu machen“, zollt der Dirigent den örtlichen Gegebenheiten Tribut. Keinen einzigen Sänger bekommen er und das in einem Zelt musizierende Orchester zu Gesicht, alles funktioniert über Monitore und Verstärker. „Aber wir sind aufeinander eingespielt, ich sehe dem Ganze entspannt entgegen“, zeigt sich Samuel Bächli professionell gelassen. Er ist sich ziemlich sicher, schon wenn er an das Bühnenbild denkt, abgesehen von der wunderschönen Musik: „Dass es in diesem Jahr besonders eindrucksvoll wird!“



Wissenswertes:



Der Freischütz:


Gut und Böse treffen in Webers romantischer Schaueroper aufeinander. Der junge Jäger Max kann nur durch einen Sieg beim Probeschießen die Hand seiner Geliebten Agathe gewinnen. Er setzt alles auf eine Karte und lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Jäger Kaspar ein, der mit dem Teufel im Bunde steht. Dieser überredet ihn, Freikugeln zu gießen, „wovon sechs unfehlbar treffen, darüber die siebente dem Teufel gehört.“ Geblendet von der Aussicht auf einen leichten Sieg schlägt Max alle Warnungen in den Wind, lässt sich auch von Agathe nicht beirren und begibt sich des Nachts mit Kaspar auf den Weg in die Wolfsschlucht.


Ein neuer Tonfall:


Unabhängig von späteren Stilisierungen zum musikalischen „Nationalheiligtum“ führt Carl Maria von Weber mit dem 1821 in Berlin uraufgeführten „Freischütz“ einen neuen Tonfall in die Musik ein. Das dem Geist der literarischen Schauerromantik entsprungene Textbuch Friedrich Kinds kam Webers Intentionen bei der Kompostition besonders entgegen, indem er so jeder einzelnen Szene ihr ganz unverwechselbares Kolorit geben konnte, wobei „die Bilder des Unheimlichen bei weitem vorherrschend sind.“ (Weber)


Die Erfurter Inszenierung:


Der Neuinszenierung durch den Erfurter Generalintendanten Guy Montavon liegt die Fassung des französischen Komponisten Hector Berlioz zugrunde, der die gesprochenen Dialoge durch neue Rezitative ersetzte und das Werk dadurch zu einer „Großen Oper“ machte. Montavons Inszenierung des französischen „Freischütz“ war zuletzt 2013 in Nizza vom Publikum begeistert angenommen worden. Von dort wurden für die DomStufen-Aufführung auch einige Kostüme sowie ein Teil des von Peter Sykora geschaffenen Bühnenbildes übernommen. Die deutsche Übersetzung für Erfurt stammt von Monatvons Bonner Intendantenkollegen Bernhard Helmich.
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