Ein Tänzer an der Staffelei. Der Saalfelder Andreas Düpetell hat sein Debüt in Erfurt

Stillleben sind Andreas Düpetells beruflicher Schwerpunkt und Teil der bis Ende Juli in der Commerzbank Erfurt zu sehenden Ausstellung.
 
Glücklich: Andreas Düpetell, gebürtiger Saalfelder und Wahlberliner, hat sein Debüt in Erfurt. "Der Akrobat" gehört zu seinen jüngsten Schöpfungen.
Erfurt: ... |

Sein Markenzeichen sind Seerosen auf einem Teich, doch ein Kunstmäzen aus Berlin kaufte alle weg. Nun muss sich der Maler Andreas Düpetell neuen Herausforderungen stellen.

Andreas Düpetell, Jahrgang 1963, war noch sehr jung, als er von zu Hause fortging. In Leipzig ließ er sich zum Tänzer ausbilden. Später zog es den gebürtigen Saalfelder nach Berlin, wo er unter anderem im Friedrichstadtpalast und im Fernsehballett tanzte. Ein Bühnenunfall veränderte sein Leben – sein erlernter Beruf als Schrift- und Grafikmaler bildete nun eine gute Voraussetzung für die dritte Karriere als Maler. Am liebsten malt der mit Kater Anton in Berlin-Treptow lebende Düpetell Stillleben in Öl, in jüngster Zeit auch Porträts.
Weil der Thüringer von seiner Heimat nicht lassen kann, stellt er gern hier aus. Bis Ende Juli sind 21 seiner realistischen Bilder in der Commerzbank Erfurt zu sehen. AA-Autorin Jana Scheiding hat den Künstler dort getroffen.

Wie lange träumten Sie davon, in Erfurt auszustellen?
Seit ich 2008 in einem anderen Geldinstitut in Arnstadt meine Bilder zeigte. Ich besuchte nach vielen Jahren mal wieder Erfurt und sofort war mir klar: hier musst du eine Ausstellung hinbekommen. Ich habe es geschafft und bin überglücklich.

Sie stellen vorzugsweise in Banken aus. Erhoffen Sie sich wohlhabende Mäzeen?
(lacht). Nein. Die Verantwortlichen bei den Banken sind unkomplizierter als die meisten Galeristen. Sie schauen sich meine Bilder an und geben ihr Okay für mindestens zwei Monate. Das ist bedeutend länger als in Galerien. Dort passe ich oftmals nicht ins Programm.

Inwiefern?
Ich glaube, meine Kunst ist nicht abstrakt genug. Aber ich habe mich nun einmal dem Realismus verschrieben.

Was hat Sie bei Ihrem Besuch in Erfurt am meisten beeindruckt?
Das Domensemble. Dort über der Sitzgruppe hängt es. Ich habe es extra für die Erfurter Ausstellung gemalt.

Wie lange steht solch ein Ölbild auf Ihrer Staffelei?
Für das Domensemble habe ich sechs Wochen gebraucht.

Wie gelingt es Ihnen, Tiefe und Perspektive so realistisch darzustellen?
In diesem speziellen Fall habe ich es von einer Fotografie abgemalt. Ich druckte sie im Format 20x30, ließ sie auf 60x90 vergrößern und malte sie anschließend im Verhältnis 1:1 ab.

Zwischen Fotografien und Bildern bestehen aber schon Unterschiede?
Natürlich. Ein wichtiges Kriterium ist die Farbe. Ich darf den Himmel nicht zu blau, die Sonne nicht zu gelb und die Dächer nicht zu rot malen. Mit ein wenig Ocker lassen sich die Farben entkräften. Wenn ich das zinnoberrote Dach nicht aufhelle, ihm nicht die Schärfe entziehe, würden die Betrachter des Bildes nur auf das Dach schauen.

Schmerzt es Sie, wenn Sie ein Bild verkaufen?
Bei bestimmten Bildern schmerzt es mich. Wenn ich während des Malens eine intensive Beziehung zu dem Bild entwickelt habe. Meine Seerosen zum Beispiel waren mein Markenzeichen, mein Lebenswerk, wenn Sie so wollen. Aber ein Berliner Kunstmäzen hat sie alle gekauft. Ich weiß, dass ich die Seerosen nie wieder so hinbekomme. Aber letztendlich ist es mein Beruf, Bilder zu verkaufen. Ich lebe davon.

Sie malen jetzt auch Porträts, wie diese Bilder mit den Tänzern und dem Akrobat. Ist Ihnen Ästhetik wichtig?
Absolut, ja. Sie muss in Form und Ausstrahlung des Bildes liegen und den Anspruch von Schönheit und Harmonie erfüllen. Erst dann bin ich zufrieden.

Trotzdem werden Sie von vielen Galeristen abgewiesen. Welche Lebensphilosophie baut Sie wieder auf?
Niemals aufgeben und immer an das eigene Talent glauben. Man muss von dem, was man tut, überzeugt sein, sich nicht unnötig beeinflussen lassen. Van Gogh tat das auch – oftmals gegen den Rest der Welt.


Hintergrund:
„Im Rausch der Farben“ heißt die 21. Ausstellung des aus Saalfeld stammenden Malers Andreas Düpetell. Sie ist bis 28. Juli 2016 in der ersten Etage der Hauptstelle der Commerzbank in Erfurt, Juri-Gagarin-Ring 86, zu sehen.
Düpetell gilt als innovativer Maler des Neuen Deutschen Realismus mit den Schwerpunkten Stillleben, Landschaften und kubistische Kompositionen.
Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt seines Schaffens, wobei der Künstler erstmals Tanz-Bilder zeigt und damit einen Bogen zu seiner Karriere als Tänzer spannt.
Düpetell lebt seit 1988 in Berlin und arbeitet seit 2003 als freischaffender Künstler.
Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag 9 bis 16 Uhr; Dienstag und Donnerstag 9 bis 18 Uhr.
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Renate Jung aus Erfurt | 26.05.2016 | 13:49  
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