Eine Taube bewegt eine Stadt

Goldene Taube zum Empfang beim OB A. Bausewein
Ein Hobby ist es nicht; es ist ein Ehrenamt, das mich seit 22 Jahren bewegt und mit dem ich andere bewege. Weil ich Frieden will, wirke ich mit am inneren Frieden Erfurts.
Da werden Sie mich fragen: Wie funktioniert das denn?“
Am anschaulichen Beispiel der „Goldenen Künstler-Friedenstaube“ möchte ich das zeigen.
Der Landshuter Richard Hillinger hat zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der UNO, am 10.12.2008, dreißig goldfarbene Tauben in Lebensgröße geschaffen. Jede einzelne Taube steht für einen Artikel der UN-Menschenrechte und für eine herausragende Friedenspersönlichkeit.
Dieses Projekt hat der Alt-Bundespräsident Roman Herzog gefördert und unterstützt.
Im November 2011 erhielt ich das Angebot, Tauben-Patin zu werden und Erfurter Bürger für die Menschenrechte zu sensibilisieren.
Ich habe die Taube gewählt, die den Artikel 1 vertritt:
„Alle Menschen sind frei und
gleich an Würde und Rechten geboren.
Sie sind mit Vernunft und Gewissen
begabt und sollen einander
im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Außerdem trägt die Taube den Namen des Frére Rogers. Er gründete 1940 die Ökumenische Bruderschaft in Taizé. Taizé lag damals an der Grenze zu dem von Nazideutschland besetzten Teil Frankreichs. Dort in Taizé wurden jüdische Flüchtlinge aufgenommen.
Heute ist Taizé ein Ort, in dem sich Tausende von Jugendlichen treffen und versöhnt leben wollen.
Taizé liegt 10 km entfernt von Kloster Cluny. Von hier ging ab 910 die religiöse Cluniazensische Reformbewegung aus, die auch das Erfurter Benediktinerkloster
St. Peter und Paul auf dem Petersberg erfasste.
Die sächsische adlige Paulina hielt sich als Witwe ab 1102 in Thüringen auf und setzte sich dafür ein, dass das Erfurter Kloster ein Träger der europaweiten Cluniazensischen Bewegung wurde. Paulina gründete auch das Kloster Paulinzella. Dort lebte sie und verstarb 1107.

Dies war unser Ausgangspunkt. Am 02.11.2011 kam die Taube aus Mühlhausen in das Erfurter Frauenzentrum, wo sie von vielen Frauen herzlich empfangen wurde. Die Leiterin, Frau Hennemann, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Frau Adamek, und ich schufen den festlichen Rahmen dieser Gesprächs- und Begegnungsrunde.
Einen Tag später „flog“ die Taube in das Nierendialysezentrum am Thomaseck in Erfurt. Sie wurde dort von der CDU-Bundestagsabgeordneten Antje Tillmann und dem Leiter des Dialysezentrums, Dr. med. André Schip, empfangen.
Dr. Schip informierte in seinem Vortrag über die Geschichte der Dialyse in Erfurt. So gab es 1960 im Klinikum für 23 Patienten eine Dialysemöglichkeit. Die in der DDR produzierten Geräte hießen „Aue 301“, „Aue 302“ und „KN 401“.


1988 begann Dr. A. Schip seine Dialysearbeit. Laut Statistik gab es 2009 in Thüringen bereits 40 Dialysezentren mit modernster Technik in 29 Städten.
Da ich selbst vom 01.11.2010 bis zum 18.02.2011 an der Dialyse war, fand ich die Ausführungen sehr interessant.

Als schwerbehinderte Rollstuhlfahrerin ging es mir auch darum, Zentren des Gesundheitswesens mit der Friedenstaube zu besuchen und über die Arbeit der UNO zu informieren.
Am 04.11.2011 war ich bei dem mich betreuenden Pflegedienst, der Fa. Pembel, zu Gast.
In rascher Folge kam es dann zu einem riesigen Interessentenkreis. Ich konnte gar nicht so viele Termine einhalten, wie gewünscht wurden.
In der Woche gegen den Rechtsextremismus war die Taube in der Offenen Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises, bei Diakon W. Musigmann, zu Hause.
Der eingeladene Thüringer Justizminister, Herr Holger Poppenhäger, sprach zu diesem Anlass über Recht und Justiz im Nationalsozialismus.
Die Fa. Eichenbaum, ein Träger von Bildungsarbeit, hatte sich damals gerade in Erfurt etabliert und lud mich mit der Taube zu ihrer Eröffnungsfeier ein.
Frau Dr. Sylvia Weigelt stellte ihr Buch „Der Männer Lust und Freude sein – Frauen um Martin Luther“ in der Projektreihe „Literaturcafé“ im Café Paul, der Ev. Begegnungsstätte der Predigergemeinde, vor. Da durfte die goldene Taube nicht fehlen.

Vier Wochen lang bin ich täglich mit der Taube losgezogen um die Botschaft zu verkünden, dass Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft möglich sind. Ich kann hier gar nicht alle Treffen aufzählen, weil es zu viele sind.
Es gab mehrere Veranstaltungen im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade.
Erwähnen möchte ich auch das Friedensgebet der Nagelkreuzgemeinde am 11.11.2011 im Erfurter Augustinerkloster mit Altpropst Dr. Heino Falcke und Kurator Lothar Schmelz.
Diese Nagelkreuzbewegung ging von der im II. Weltkrieg durch deutsche Soldaten zerstörten Kirche von Coventry aus. Aus Nägeln, die in der Ruine gefunden wurden, entstand das Kreuz, das jetzt an Kirchen und Klöster in ganz Europa verliehen wird, die im Krieg ebenfalls zerstört wurden.
Dieser Gottesdienst war der feierlichste Moment in meiner Eigenschaft als Tauben-Patin. Die genannten Herren waren sehr gerührt, als sie symbolisch das goldene Federtier erhielten.

Natürlich suchte die Taube Gedenkstätten und die Kleine Synagoge in Erfurt auf. Hier gab es lebhafte Gespräche mit russisch-jüdischen Neubürgern der Stadt.
Mit gutem Dank erinnere ich mich an den Einsatz im Theater „Die Schotte“ am 24.11.2011. Die Stadtverwaltung, besonders die Volkshochschule, haben mich hier ganz stark unterstützt.
Kulturell umrahmt war die Veranstaltung vom Galli-Theater Weimar und von Regina Simona, die Lieder von Mireille Matthieu vortrug.
In diesem Zusammenhang erhielten 25 russische Neubürger ihre Zertifikate zum erfolgreichen Deutschkurs-Abschluss.
Die Mitarbeiterinnen der Volkshochschule haben sich große Mühe gegeben. Für das Anliegen des edlen Federviehs gestalteten sie das Foyer mit Texten und auf den Tischen standen goldene Mini-Tauben und breiteten ihre Flügel aus.


Zum Abschluss landete die Taube dann im Rathaus. Sie nahm an der von Birgit Adamek und ihren Damen organisierten Veranstaltung zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ teil. Anschließend erhielt der völlig überraschte Bürgermeister Andreas Bausewein symbolisch das Friedenstier.
Erfurt trägt den Titel „Stadt des Friedens“. Gemeinsam mit dem OB Andreas Bausewein habe ich vor fünf Jahren auf dem Erfurter Petersberg die „Friedenslinde“ gesetzt. Außerdem ist der Erfurter OB der Organisation der „Mayors of Peace“, der Bürgermeister für den Frieden, beigetreten. So eine ganz kleine Aktie habe ich an all diesen Dingen.

Und nun, im März 2012, wurde auch ich überrascht durch die Ernennung zur Erfurt-Botschafterin.
Ich liebe diese Stadt und möchte, so lange ich es kann, ihr zum Guten wirken.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 25.05.2012 | 06:40  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige