Erfurt-Botschaftertreffen

  Auch in diesem Jahr lud uns Frau Dr. Carmen Hildebrandt, Leiterin der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, zu einem lockeren Event-Abend und interessanten Gesprächen ein.
Unser Weg führte uns zunächst in die Alte Synagoge. Mit diesem mittelalterlichen Schmuckstück ist Erfurt auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe, wie die UNESCO-Beauftragte, Frau Dr. Maria Stürzebecher, bei ihrer Führung betonte. Die älteste Bauphase der Alten Synagoge fällt etwa in die Zeit des Baus der Wartburg bei Eisenach. In der Reihe der mittelalterlichen Synagogen, z. B. in Prag oder Worms, kann sich die Erfurter Synagoge mit ihrer Größe und ihrem guten Erhaltungszustand durchaus sehen lassen. Die Jüdische Gemeinde muss in jener Zeit etwa 1000 Mitglieder umfasst haben.
Diese Gemeinde hat uns viele Sachzeugnisse hinterlassen; Grabsteine Thorarollen, eine 50 kg schwere hebräische Bibel und den inzwischen fast weltweit bekannten „Erfurter Schatz“.
Das wichtigste Stück darunter ist der goldene Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert. Er ist ein wichtiger Bestandteil der jüdischen Hochzeitszeremonie und sein Wert wurde vorher abgesprochen, denn er gehörte zum Besitz der Frau.
Im Museum stehen Figurinen, die Brautleute unter einem Baldachin, in Samt gekleidet, darstellen. Sie tragen Gürtel mit vielen kleinen, goldenen Schmuckteilen. Es sind sehr wertvolle Stücke. Das Paar wartet auf den Rabbiner, der sie trauen darf.
Für einen Moment, begünstigt durch das winklige, dunkle Kellergewölbe und das gedämpfte Licht, hatte ich den Eindruck, mitten unter den Hochzeitsgästen zu sein. „Brum, brum“ – da war jemand in die Lichtschranke getreten und ich war wieder hier.

Es gibt weitere Zeugnisse jüdischen Lebens in Erfurt, zum Beispiel die Kleine Synagoge. Es ist ein klassizistisches Gebäude, das knapp 40 Jahre, bis 1885, als Synagoge diente.
Für die gewachsene jüdische Gemeinde wurde eine große Synagoge im maurischen Stil am Kartäuser Ring (heute Juri-Gagarin-Ring) errichtet. Diese fiel in der Nazizeit dem Feuerbrand von 1938 zum Opfer.
Als ich von 1991 bis 1993 in der unteren Denkmalschutzbehörde gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Rosita Peterseim die Erfurter Altstadt unter Denkmalschutzbedingungen neu erfasste (ich habe fotografiert), war das Gebäude an der Stadtmünze ein heruntergekommenes Wohnhaus, von dem man wusste, dass es mal eine Essigfabrik war.
Wir öffneten die Tür und uns kam eine große Katzenfamilie entgegen. Innen herrschte Verwahrlosung und ein unbeschreiblicher Dreck. Im heutigen Betsaal war damals eine Decke eingezogen. Erst auf dem Dachboden waren die großen Fensterbögen zu erkennen. Das ließ ein sakrales Gebäude vermuten. Im Laufe der weiteren Entkernung kam der Thoraschrein mit seiner hebräischen Inschrift zum Vorschein und im Keller gab es eine Mikwe, die mit dem Wasser der Gera betrieben wurde.
An den Wänden waren Inschriften aus dem II.. Weltkrieg. Es handelte sich um Suchmeldungen. Diese befinden sich heute noch unter der neu aufgetragenen Weißung der Wände.
Unsere Entdeckung stand am Anfang vieler weiterer Funde des jüdischen Erbes, allen voran der Alten Synagoge. Als am 09.11.1998 die Kleine Synagoge festlich eingeweiht wurde, war unser Einsatz bei der Stadtverwaltung längst vergessen. Wir wurden nicht mal eingeladen.

Diesmal, am 17.10.2014, durften die Erfurt-Botschafter zusätzlich die mittelalterliche Mikwe besuchen. Es ist ein jüdisches Ritualbad. Frauen tauchten hier in das eiskalte Wasser ein, am Ende der Menstruation oder nach einer Entbindung. Erst danach durften sie wieder mit ihrem Ehemann das Bett teilen. Auch Männer badeten, aber sehr viel seltener.
Der Zufluss von der Gera funktioniert noch, aber der Wasserstand ist heute sehr niedrig. Über dem Bad ist ein großes Gewölbe. Dort waren an der Kopfwand in etwa 2 und 4 Meter Höhe rechts und links jeweils zwei Kragsteine. Ich dachte, sie seien für Konsolen, aber Frau Dr. Stürzebecher wusste Bescheid. In der Bauzeit wurden diese für die Einrüstung genutzt, weil wegen des Wasserstandes die sonst üblichen Maßnahmen nicht möglich waren. Manchmal braucht Geschichte auch Fantasie!

Nun ging es aber schnellen Schritts in den Kaisersaal. Im Raum Napoleon/Kochschule erwarteten uns Kaffee, erlesene Confiserie und kleine Kuchen mit weißen Erdbeeren oder Strawberrys dekoriert.
Im Goethe-Salon informierte Frau Dr. Hildebrandt über den Jahresbericht 2013. Zuvor gab es Grußworte von Herrn Kindervater, Chef des Kaisersaals, sowie von Udo Götz, Vertreter der Stadtverwaltung Erfurt.
 Ich möchte hier nur einen Punkt erwähnen, der mir sehr imponiert hat. Das waren die Vermessungen vieler Stadtobjekte der Stadt Erfurt für die Broschüre „Barrierefreies Erfurt“. Auch mein Rollstuhl wurde vermessen, damit ich überall gleichberechtigt teilnehmen konnte. An dieser Stelle möchte ich allen herzlich danken, angefangen von den Chefs bis hin zu den Auszubildenden, die sich alle so um mein Wohl bemüht haben.
 Ein Vertreter der Lukas-Bäcker-Erfurt-Leipzig GmbH stellte das Wirken seines Unternehmens zum Ende aller Ausführungen im Goethe-Salon vor.

Zum Sektempfang ging es in die in die Küche des Hauses, in das Reich der Sterne-Köchin Maria Groß. Sie wurde als neue Erfurt-Botschafterin begrüßt und ist schon jetzt sehr bekannt, nicht nur in Funk und Fernsehen. Mit ihren wunderbaren, genussvollen Produkten trägt sie den Namen „Erfurt“ in alle Lande.
Persönlich hatte ich eine Karotten-Ingwer-Suppe, sowie einen Spieß mit Skampi gewählt, der sich Feigen auf Ziegenkäse und Tiramisu mit Ei, Senfpüree sowie Gewürzen anschloss.
Ein besonderer Genuss war die „Musikkomödie“ von Felix Reuter aus Weimar. Die Töne, an denen Musiker zu erkennen sind, schlug er an. Ob Beethoven, Mozart, Liszt - sie alle waren Ausgangspunkte für moderne Musiker wie Richard Klaiderman oder Ray Charles. Ob die zärtliche Musik „für Luise“ oder das kraftvolle „Georgia“ - sie erreichten ganz sicher die Ohren der jeweiligen Damen. Wie heißt es doch in einer älteren Filmmusik: „Man müsste Klavier spielen können, wer Klavierspielen kann, hat Glück bei den Frau`n…“
Der Botschafter-Tag hat mich sehr inspiriert.
Liebe Carmen, liebe Nadine, ich könnte euch küssen!
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