Erfurts Schatzkästchen: Die "Mikwe" wird übergeben

Erfurt: Krämerbrücke | „Das war wirklich ein echter Glücksfall“ erinnert sich Ingo Mlejnek daran, wie vor vier Jahren bei Arbeiten an der Grünfläche hinter der Krämerbrücke die mittelalterliche Mikwe entdeckt wurde. Dabei hatte man eigentlich gar nicht mehr daran geglaubt, sie wirklich zu finden, weiß der Beigeordnete für Bau und Verkehr.

Archäologen vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie identifizierten die gefundenen steinernen Reste eindeutig als Mikwe, ein mittelalterliches jüdisches Tauchbad. Ein solches diente der rituellen Reinigung, es hatte für eine jüdische Gemeinde eine große Bedeutung. Das Bad befand sich einst im Keller eines Gebäudes, über letzteres gibt es allerdings keinerlei Aufzeichnungen.
„Deshalb haben wir uns dafür entschieden, die Mikwe so zu belassen, wie sie ist. Auf keinen Fall wollten wir etwas hinzu erfinden oder gar ein Haus darüber setzen“, erklärt Ingo Mlejnek die im Jahr 2008 begonnene Planung, um die Mikwe herum einen Schutzbau zu errichten.

Dabei standen die Planer vor einer erneuten Entscheidung: Sollte das Tauchbad in einer Art von außen einsehbaren Vitrine zu neuen Ehren gelangen oder eher wie ein Schatz hinter Mauern wohlbehütet werden? „Wir haben die ‚Schatzkiste‘ favorisiert“, führt der Bau-Beigeordnete aus und ist stolz auf die ansprechende Lösung, die hier gefunden wurde.
Der Schutzbau ist aus grobstrukturiertem Beton gebaut, er passt sich der Umgebung gut an und nimmt sich angenehm zurück. Der Spagat zwischen Zeigen und Verbergen ist gelungen. Auf dem Dach des Baus befindet sich eine Stele mit einem Fenster, durch dieses kann man jederzeit von außen einen Blick auf das Wasserbecken des Ritualbades werfen. Wer das Innere in Augenschein nehmen möchte, kann dies nur im Rahmen einer öffentlichen oder gebuchten Führung tun.

Am 4. September nun wird das Bauwerk mit seinem wertvollen Inhalt als museale Präsentation der Öffentlichkeit übergeben. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr dürfen Interessierte die Mikwe besichtigen.
Mit der Übergabe am Sonntag wird dem Netzwerk „Jüdisches Leben in Erfurt“ ein neues, wichtiges Teil hinzugefügt. Mit der Mikwe, der Alten Synagoge und dem Gotteshaus der jüdischen Gemeinde möchte sich die Stadt Erfurt demnächst um den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ bewerben.
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5 Kommentare
Helke Floeckner aus Erfurt | 02.09.2011 | 10:45  
13.092
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 03.09.2011 | 14:00  
Helke Floeckner aus Erfurt | 07.09.2011 | 08:56  
13.092
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 07.09.2011 | 16:31  
Helke Floeckner aus Erfurt | 08.09.2011 | 10:06  
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