Erlebnisse in Wilhelmsthal

„Ich hab` mein Herz in Wilhelmsthal verloren…“

Ergänzend zu dem Beitrag von J. Zlotowicz möchte ich meine Eindrücke vom Ferienlager „Maxim Gorki“ der Eisenacher Motorenwerke schildern.
Vom Schlossgelände steigt ein breiter Weg nach oben, links am Weg ist der schöne Brunnen mit einer Nixenfigur und ganz oben kam die Ferienanlage „Maxim Gorki.“ Der BGL-Vorsitzende des Eisenacher Automobilwerkes, Herr Rist, lies es sich nicht nehmen, jährlich beim großen Indianerfest dabei zu sein. Schon die tollen, richtig gut genähten Kostüme waren eine Pracht. Am Abend saßen dann alle am Lagerfeuer und rauchten Friedenspfeife, sangen Lieder und erzählten sich gegenseitig was oder es wurde vorgelesen. Über Rists eigene Tochter Jutta und Cousine Marianne aus Braunschweig war ich als Gast eingeladen und herzlich willkommen (Ich war als Christin kein Pionier). Hier erfuhr ich viel über das Leben der Prärieindianer Nordamerikas, wovon heute noch mein Kindertagebuch kündet. Es wurden Ausschnitte aus James Fenimore Coopers Buch „Die Prärie“ gelesen. Später rannte ich in die Kinderbibo, um das Buch komplett zu lesen. Von da an kam ich von den Indianern nicht mehr los. Ich malte und schrieb Texte für die Wandzeitung.
Alle waren sehr traurig, als Herr Rist in noch relativ jungen Jahren an Hirntumor verstarb. Nach Wilhelmsthal kam ich erst wieder Ende der sechziger Jahre. Während der Zeit des Vietnamkrieges waren hier verwundete Frontsoldaten zur Genesung untergebracht. Wegen meiner Englischkenntnisse war ich von meiner Arbeitsstelle im Konsum für die Betreuung der Soldaten freigestellt. Die Mischung Prinzenhaus in Wilhelmsthal und fremde, asiatische Kultur hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck. Die Soldaten waren halb verhungert und nun wurde aufgetafelt. Anschließend waren die Männer krank. Wir mussten auch erst mal lernen, was wirklich hilfreich ist. Zum Abschluss war ich dann mit meiner Gruppe auf der Wartburg. Auf dem Turm stehend, fragte Ngyen, ob er das andere Deutschland sehen kann. In Vietnam wusste man also auch Bescheid! Räucherstäbchen angezündet und wie einst am Lagerfeuer davor gesessen und geträumt. Ich denke gern an die schöne Zeit.
Seit über 40 Jahren war ich nicht mehr dort. Erst zum letzten Denkmalstag ging ich in Wilhelmsthal „mein Herz suchen.“
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