Faszination Zeppelin: Im Luftschiff übern Bodensee

Mit Leinen wird der Zeppelin NT am Boden gehalten.
 
Der Zeppelin als Kunstobjekt: Regelmäßig wechseln die Werbeaufdrucke.
Friedrichshafen: Zeppelin-Reederei | Zwar leitete das Hindenburg-Unglück von 1937 (jüngst im großen TV-Zweiteiler zu erleben) das Ende der Zeppelin-Ära ein. Doch kann man heute wieder im Luftschiff reisen. Der Zeppelin neuer Technologie (NT) bietet ab Friedrichshafen außergewöhnlichen Fluggenuss. Ich habe es ausprobiert.

Fliegen oder fahren - was ist denn nun korrekt? Kathrin Runge von der Deutschen Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen stellt klar: "Es muss sich niemand mehr berichtigen lassen, wenn er sagt, er sei mit dem Luftschiff geflogen." Die Erklärung klingt plausibel: "Der Zeppelin neuer Technologie, kurz NT genannt, ist schwerer als Luft. Im Gegensatz zum Heißluftballon braucht er Motorkraft, um zu starten und sich in der Luft zu halten. Ballone fahren, unsere Luftschiffe fliegen."

Majestätisch, fast lautlos schwebt der weiß glänzende Gigant heran. Mit 75 Meter Länge und 19,5 Meter maximaler Breite zieht er alle Blicke auf sich. Erinnerungen an so berühmte Zeppeline wie die "Hindenburg" oder "Graf Zeppelin" werden wach. Auch wenn diese mit 245 beziehungsweise 236 Metern noch ganz andere Ausmaße hatten.

Besessen von der Idee, die 1940 beendete Zeppelin-Ära an angestammten Platz wieder aufleben zu lassen, entwickelten die Friedrichshafener ihe High-tech-Luftschiff - mit schwenkbaren Propellern und modernster Flugsteuerung. Im September 1997 erhob sich der prototyp des NT erstmals in die Lüfte. Inzwischen sind weitere Exemplare aus Friedrichshafen in Japan, Afrika und Amerika im Einsatz.

"Im Gegensatz zu den Blimps, den so genannten Prall-Luftschiffen ohne festes Innengerippe, ist der NT ein halbstarres Luftschiff", verweist Kathrin Runge auf das entscheidende Konstruktionsmerkmal. Denn erst die Tragstruktur, in diesem Fall bestehend aus dreiecksförmigen Carbonfaserspanten und drei Aluminium-Längsträgern, definiert einen Zeppelin. Antriebe, Leitwerke und Kabine sind direkt an die Tragstruktur montiert. Für die Zigarrenform und und den Auftrieb des NT sorgt unbrennbares Helium in der reißfesten Hülle.

Was aber macht eine Luftschiff-Reise so einzigartig? Bei gutem Flugwetter kann ich es erleben - als einer von zwölf Passagieren, die in der Kabine Platz finden. Nach Check-in und Einweisung im Zeltterminal steigt die Spannung. Auf dem Landeplatz bedarf es keiner fünf Minuten für das Aus- und Einsteigen. Platzklarten gibt es nicht, dafür zwölf Fensterplätze. Schon steigen wir behutsam auf. Ohne Propellerlärm oder Vibrationen. Die drei 200 PS starken Triebwerke befinden sich weit weg von der Kabine.

In 300 Metern Höhe öffnet sich eine andere Welt. Die Hektik weicht der Ruhe und Gelassenheit. Zeit für den Genuss des Augenblicks. Das Ufer des Bodensees, Meersburg und Schloss Salem gleiten bei 70 km/h lautlos vorbei. Jeder kann sich frei in der Kabine g´bewegen, aus dem offenen Fenster fotografieren, den perfekten Moment genießen. "Jeder, der zurückkommt, hat ein Lächeln im gesicht", beobachtet Kathrin Runge. Die Faszination Zeppelin ist ungebrochen.

Informationen:
http://www.zeppelinflug.de/
Die neue Saison für Rundflüge startet am 25. März 2011. In der Werft wird außerdem der Bau eines Luftschiffes zu beobachten sein. Der Zeppelin mit Seriennummer zwei wird nach der Rückführung aus Japan wieder aufgebaut. Die Endmontage beginnt im Sommer 2011.

Hintergrund:
- Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelt ein lenkbares Luftschiff und zeigt 1900 mit dem Start des LZ1, dass es funktioniert.
- Zwischen 1900 und 1938 werden in Friedrichshafen 119 Zeppelin-Luftschiffe gebaut.
- Das Hindenburg-Unglück 1937 in Lakehurst leitet das Ende dieser Ära ein.
- In Friedrichshafen glaubt man an die Wiedergeburt der Luftschiffe. 1991 entsteht ein Versuchszeppelin.
- Am 18. September 1997 startet der Zeppelin NT 07 zum Jungfernflug.
- 2001 beginnt der Passagierbetrieb am Bodensee. Über 100.000 Fluggäste wurden bislang befördert.
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5 Kommentare
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Gerald Kohl aus Erfurt | 15.02.2011 | 21:17  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 17.02.2011 | 09:20  
Sibylle Klepzig aus Nordhausen | 01.03.2011 | 14:36  
Helke Floeckner aus Erfurt | 03.03.2011 | 13:03  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 03.03.2011 | 13:13  
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