Fuchs, du hast die Gans gestohlen...

  Nein, so dramatisch wie im Kinderlied ging es auf der Fuchsfarm nicht zu. Es war ein Familiensonntag und auf dem Gelände wuselten ganz viele Leute, vor allem Kinder, herum.
Eine junge Frau vom Förderkreis erzählte etwas aus der Geschichte dieses Geländes. Bis Mitte der fünfziger Jahre war hier tatsächlich eine private Silberfuchsfarm. Aber dann kamen
Fuchskragen aus der Mode und die Besitzerin schenkte das Gelände der Stadt Erfurt.
Ein Naturschutz-Freundeskreis wurde tätig, aber bald dachte man darüber nach, wie dieses Gebiet den Erfurtern sinnvoller erschlossen werden kann.
Ab 1985 lagen erste Ideen vor, den Stadtmenschen das Leben im Wald spannend darzustellen. Hier hat sich vor allem der damalige Leiter des Erfurter Naturkundemuseums und spätere Amtsleiter des Naturschutzamtes, Dr. Hartmut Pontius, bleibende Verdienste erworben. Die Fuchsfarm ist ein eingetragener Verein, der von der Stadt Erfurt gefördert wird. Die Stadt trägt auch die Kosten für einen pädagogischen Mitarbeiter.
Zum Familiensonntag gab es wieder zahlreiche Angebote.
Im Fuchsfarmgebäude ging es um die Zubereitung gesunder Salate und Suppen. Wer wollte, konnte zusehen, wie der Honig geschleudert wird und kosten, wenn man zwei gesunde Beine hatte. Ich habe vor dem Haus in meinem Rolli gewartet. Ein Mädchen brachte dann den Honigtopf für mich zum Schlecken raus.
Bis zur Holzwerkstatt gibt es ein starkes Gefälle. Runter zu fahren war okay, aber zum Schluss hoch zu schieben war äußerst anstrengend und gefährlich. Trotz meiner Behinderung neige ich ja dazu, hin und wieder auf Abenteuerwegen zu wandeln. An dieser Stelle muss ich aber Rollifahrern jeden Alters dringend davon abraten, ohne Begleitung die Fuchsfarm besuchen zu wollen. Am besten ist, ihr guckt euch zwei starke Männer aus und bittet nett um Hilfe. Das klappt in den allermeisten Fällen und gibt Sicherheit.
In der Holzwerkstatt wurden Nistkästen für Insekten hergestellt. Sie sehen aus wie Vogel-Nistkästen, sind aber mit Röhren gefüllt, damit die Insekten darin wohnen können. Ich bin nicht mal ansatzweise an die Werkstatt herangekommen, so viele Interessenten belagerten das Holzhäuschen.
Ganz in der Nähe gab es Igelunterkünfte. Von da aus führte der Weg zum Gewächshaus. Das ganze Jahr über pflanzen und setzen hier Grundschulkinder Tomaten, Gurken, Bohnen, Kräuter und Blumen.
Die erste Erfurter Energiegenossenschaft warb für ihre Photo-Voltaikanlagen auf den Schuldächern der Schulen in der Bukarester-, der Vilniuser- und der Hallischen Straße.
Und dann ging es hinaus zur großen Wunderwiese mit Lehmbackofen, Baumschulenangeboten, Knüppelkuchen überm Feuer backen sowie Malen und Buttons gestalten.
Dicht umstellt von den drei- bis fünfjährigen Kindern war der große geschnitzte Holzfuchs, den der Förderkreis gespendet hat.
Auf den verschlungenen Wegen der Fuchsfarm gibt es viele Biotope, bewachsene Wegraine und zu Figuren aufgetürmte Steine zu bewundern. Infoschilder geben nützliche Informationen.
Mir waren die Infos zur Gentechnik wichtig. Der größte Gentechnik-Saatgut-Hersteller, die Fa. Monsato, verfügt über 90 % aller Gentechnik-Pflanzen. Sie schafft damit bei den Bauern Abhängigkeiten. Fast alle landwirtschaftlichen Güter Lateinamerikas sind von dieser Fa. abhängig. Kleinbauern wurden vom Land vertrieben und leben als Obdachlose in den großen Städten. Das heißt, Gentechnik ist nicht nur ein biologisches, sondern auch ein großes soziales Problem.
Auch Gentechnik-Versuchsfelder sind eine Gefahr, weil der Wind die Pollen auf natürliche Pflanzen überträgt und sie so verunreinigt. Gentechnik-Pflanzen werden in Monokultur angebaut, z. B. Gen-Soja. Gentechnik-Pflanzen enthalten Gifte, die dem Boden und dem Wasser schaden, außerdem kann der Bauer nur noch Genpflanzen anbauen, weil die natürlichen Pflanzen nicht so widerstandsfähig gegen das Gift sind.
In der EU sind nur zwei Gen-Pflanzen zugelassen: Mais Mon 810 und Amflora Kartoffel.
Es ist so ein schöner, heiterer Tag und doch muss wohl auch über ein so ernstes Thema informiert und diskutiert werden.
Eine freundliche, biologisch bewanderte Tagesmutter wirbt für ihre „Cobstädter Feldmäuse“, eine Art Waldkindergarten.
Überhaupt, an diesem Juni-Wochenende gab es viele Events, wie es so schön Neudeutsch heißt. So wurde für den „Langen Tag der Natur“ geworben, organisiert vom NABU Landesverband Thüringen und der Stiftung Naturschutz Thüringen. Wer konnte und wollte, durfte den Naturlehrpfad im ega-Park erwandern. Mir war die Erlebniswelt Fuchsfarm für einen Tag genug.
Huch, wer traut sich, seine Hand in ein unbekanntes, dunkles Loch zu stecken? Aber keine Angst, es waren keine wilden Tiere sondern Früchte des Waldes zu ertasten. Die Sensibilisierung aller unserer Sinne war das Ziel.
Die Fuchsfarm e. V. ist auf jeden Fall für sportliche Eltern und Großeltern, besonders aber für Grundschulkinder zu empfehlen. Ich hatte jedenfalls auch meinen Spaß.
Die Fuchsfarm liegt im Steigerwald, Nähe Waldhaus (ca. 800m) und ist nur zu Fuß ab Waldhaus zu erreichen.
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 22.08.2012 | 01:23  
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