Gedenken an einen der ältesten Vereine Thüringens

Vor 22 Jahren, am 18.01.1990, gründete sich der Aktionskreis für Frieden e. V. aus dem Neuen Forum, AG "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung", heraus zu einem eigenständigen, gemeinnützigen Verein.
Das erste Vereinsjahr wurde unterstützt von Pfarrerin Dorothea Höck von der Evangelischen Akademie, der damaligen Grünen Angelika Link und von Mathias Ladstätter, der später für die SPD-Fraktion Stadtrat wurde. Bis 1996 wirkte der Sozialpädagoge Veit Voigt ehrenamtlich im Verein mit. Langjährig ehrenamtlich tätig bis vor zwei Jahren war auch Pfr. i. R. Karl Metzner. Wir sind ihm auch weiterhin für seine guten Ratschläge dankbar.
Die Geschichte des Vereins ist eng verbunden mit den ehrenamtlichen Einsätzen von Ute Hinkeldein. Sie gab der friedens-, frauenpolitischen und sozio-kulturellen Arbeit des Vereins Ziel und Richtung. Insgesamt hat sie vier Projekte gegründet und organisiert sie bis heute.

Es begann 1992, also vor 20 Jahren, mit dem Projekt "Friedensstammtisch", der jetzt "Dem Frieden das Wort" heißt. Es ist ein Projekt zur politischen Bildung von Frauen und Mädchen, sowie das Präventiv-Projekt für Schüler "Wir wollen gewaltfrei leben". Hier kommen Zeitzeugengespräche, Führungen durch die Ausstellungen des Vereins und eine individuell entwickelte Stadtführung "Erfurt, Stadt des Friedens" zum Einsatz.

Vor 15 Jahren, im Jahr 1997, begann das Projekt "Literaturcafé", ein Projekt zur Literatur- und Leseförderung für sozial schwache Familien. Außerdem gründete Ute das Projekt "Esthers Chance" für russisch-jüdische Migranten. Diese Projektgruppe wird sich 2012 an dem Erfurter Gesamtprojekt „Musik baut Brücken" beteiligen. Wir haben das Motto erweitert: „Musik baut Brücken für den Frieden“. In diesem Zusammenhang bedanken wir uns bei Regina Goldstein und Harald Heyn, unseren aktuellen Ehrenamtlern. Natürlich ist das nur ein kleiner Ausschnitt aus der ehrenamtlichen Tätigkeit von Ute Hinkeldein. Denn der Verein beteiligt sich auch an Aufrufen, Themenwochen und Veranstaltungen des Jugend- und Kulturamtes sowie der Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragten der Stadtverwaltung Erfurt.

Frau Hinkeldein hat maßgeblichen Anteil daran, dass Erfurt den Titel "Stadt des Friedens" trägt, dass auf dem Petersberg eine "Friedenslinde" gepflanzt wurde und dass die Oberbürgermeister Ruge und Bausewein der Initiative "Mayors of Peace", die von Hiroshima ausging, beigetreten sind.
Friedensarbeit bedeutet aber auch Aufklärung über die Mechanismen der heutigen Kriege, der Gewalt und über die Wirkungsweise moderner Waffen, z. B. mit Uran angereicherte panzerbrechende Waffen U38, Streubomben und die neuentwickelten Cyberwaffen.
Aber auch über die Euro-Krise möchten viele Interessenten Näheres wissen.

Wie heißt es so schön: "Frieden braucht Menschen und Visionen." Genau das trifft auf die Menschen im Aktionskreis und in der Thüringer Friedenskoordination zu. Ute Hinkeldein hat diese Thüringer Koordination am 24.03.1999 als Netzwerk gegründet, zeitgleich mit dem Beginn des Krieges in Ex-Jugoslawien, um Thüringer Friedensgruppen und -initiativen zu helfen. Aktive Mitstreiter sind bis heute z. B. Sigurd Hoppe aus Eisenach, Volker Pöschel 1) und Christine Brand aus Gotha, Karin Schrappe aus Weimar, Elisabeth Pfestorf aus Suhl und Hanne Adams und Ursel Kachel aus Erfurt, um nur einige zu nennen. Die Thüringer Friedenskoordination ist eingebunden in die deutschlandweite Friedensarbeit.

Der 31. Januar ist für Frau Hinkeldein ein besonderer Tag: Sie wurde an diesem Tag geboren. Schwere Kriegsereignisse einerseits, andererseits aber auch die Hoffnung auf Frieden kennzeichneten das Gesicht dieses Tages.

Ein für viele Flüchtlinge einschneidendes Ereignis war am 31.01.1945 der Untergang des KDF-Kreuzfahrtschiffes "Wilhelm Gustloff" nahe Gotenhafen. Zu diesem Zeitpunkt war es als Lazarettschiff mit geschätzten 4000 Menschen an Bord hoffnungslos überfüllt. Nach dem Angriff sowjetischer Torpedos erfolgte ein schneller Untergang; nur ca. 150 Menschen sollen überlebt haben.
Nun zum hoffnungsvollen zukunftsweisenden Teil.
Ute Hinkeldeins Entbindung im Hilfslazarett "Haus Tannenberg" in Tambach-Dietharz war für sie persönlich ein gutes Zeichen. Ab 1905 war dieses Haus Sanatorium der Inneren Mission. 1919 trug hier der Schweizer Pfarrer Karl Barth aus Basel seine theologischen Ansätze zur bekennenden Kirche vor.
Am Fuße des Tannenberges steht die "Friedenskirche" (ev.-methodistisch). So wurde der Frieden unserer Kollegin gewissermaßen in die Wiege gelegt. Aber der eigentliche Entschluss, ihr Leben der Gestaltung einer friedlichen Gesellschaft zu widmen, war der Untergang des "Prager Frühlings", den sie miterlebte. Ihr war klar, Panzer können keinen Frieden bringen.
Aus Anlass dieses Gedenkens wurde ein Erfurter Stadtrundgang zu den Orten des Friedens und Nachdenkens entwickelt. Interessenten können sich unter der Tel. 0361-732481 melden.

Team AKF

1) Leider ist an dieser Stelle eine Anmerkung nötig. Volker Pöschel verstarb am 21.01.12 völlig unerwartet mit 57 Jahren an Herzversagen in seiner Wohnung. Wir werden ihn sehr vermissen.
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