Geliebte Blechbüchse - Ilversgehofen gehört seit 100 Jahren zu Erfurt

Uta Fischer und der gesamte Bürgerbeirat tun eine Menge dafür, dass Ilversgehofen immer attraktiver wird. Das Image des Stadtteils hat sich längst zum Positiven gewandelt.
Erfurt: Magdeburger Allee | Es gibt Namen, die halten sich einfach hartnäckig. Irgendwann in den Zeiten des Kaiserreichs hatte der Erfurter Norden, allen voran die Gemeinde Ilversgehofen mit ihren Arbeitervierteln, seinen Namen weg: Blechbüchsenviertel. Den Menschen dort ging es damals nicht besonders gut, sie waren arm, die Lage prekär. Und der Name, der vom Volksmund für diese stiefkindliche Gegend auserkoren wurde, hatte nicht unbedingt einen positiven Beigeschmack.

Sagt heute jemand Blechbüchsenviertel, ist das nicht mehr so gemeint. „Obwohl wir uns anfangs schon ab und zu geärgert haben“, gibt Uta Fischer vom Bürgerbeirat Ilversgehofen zu. Doch inzwischen nimmt man es hier längst mit Humor und dreht den Spieß um. Da, wo die Blechbüchsen sind, ist es laut, es ist so einiges los. Selbst der Internet-Veranstaltungskalender fürs Viertel (www.blechbuechse.info.de) hat sich den Namen geborgt...

Jener ist in diesem Jahr besonders reich gefüllt. Schließlich gibt es etwas zu feiern: Am 20. April des Jahres 1911 endete die Zeit Ilversge-hofens als eigenständiges Dorf, fortan gehörte diese nördliche Gegend mit ihren damals 11.600 Bewohnern zur Stadt. Diese weinten ihrer Eigenständigkeit übrigens kaum eine Träne nach, außerdem wurde ihnen eine besondere Ehre zuteil: Mit der Eingemeindung wurde Erfurt schließlich zur Großstadt.

Heute sind im Stadtteil Ilversgehofen 10.700 Menschen zu Hause. Sie, und gern auch der Rest der Stadt, feiern, dass sie 100 Jahre dazugehören. Den Auftakt für das spannungsreiche Jubiläumsjahr macht an diesem Samstag eine Festveranstaltung (Kontaktaufnahme für Interessierte unter info@ilversgehofen.de)

Dieser folgt ein Reigen der unterschiedlichsten Geburtstagsfeiern mit einer Ausstellung in der Sparkassenfiliale mit historischen Funden zur Besiedlung Ilversgehofens vor 1000 Jahren (2.5. bis 30.6.), einem gemeinsamen Trödelmarkt mit den Soroptimisten (8.5.), einer Stadtteilrundfahrt für die älteren Bewohner sowie reger Beteiligung am Alleefest (beides im Mai), einem Fußball-Benefizturnier (25.6.), Sonderführungen in der Heiligen Mühle, einem Nachwuchsband-Wettbewerb (24.9.) und so einigem mehr. „Alles verraten wir natürlich noch nicht“, lächelt Uta Fischer und hat wie der übrige Bürgerbeirat in diesen Wochen alle Hände voll zu tun.

Längst ist dessen Büro mit dem großen Chamäleon in der Magdeburger Allee 93 zu einer festen Adresse für all jene geworden, die sich einbringen, die Fragen haben oder Ideen. Selbst auf der Straße werden die Engagierten immer wieder in Gespräche verwickelt. „Die Bewohner kennen uns inzwischen als Ansprechpartner und Netzwerkknüpfer“, weiß Uta Fischer. Und doch kommt der Beirat langsam an seine Grenzen. Es gibt so viel zu tun, dass jede Unterstützung von Herzen willkommen ist. Man muss dafür nicht extra Mitglied werden. Das Chamäleon freut sich auf Besuch.

Das gemalte Tier des Bürgerbeirats spricht für sich. Es hat den Rundumblick, einen starken Überlebenswillen natürlich und ist veränderlich, ganz wunderbar bunt. So, wie es der Stadtteil Ilversgehofen Stück für Stück werden möchte. Es ist ein weiter Weg bis dahin, dass hier rundum alles stimmt. Zu viele Brachflächen mildern die vielen guten Eindrücke immer wieder. Dass es den industriellen Norden der Stadt seit den Zeiten der Wende so nicht mehr gibt, ist noch heute zu spüren.

Doch der Weg ist schon ein gutes Stück beschritten, heute zeigt sich der Stadtteil von den Einwohnern her jünger als die Nachbarn. Es kommt Leben in den Norden, er wird bunter. Und nun gibt es hier erst einmal eine Menge zu feiern.
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4 Kommentare
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Thomas Twarog aus Erfurt | 30.03.2011 | 11:54  
Helke Floeckner aus Erfurt | 30.03.2011 | 11:57  
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Thomas Twarog aus Erfurt | 30.03.2011 | 12:01  
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Thomas Twarog aus Erfurt | 31.03.2011 | 10:35  
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