Gesichter in Totholz: Roni Adelmeyer macht Kunst mit der Kettensäge

Roni Adelmeyer, Kunst mit der Kettensäge. Foto: Heyder
Erfurt: Krämerbrücke |

Erfurter Holzkünstler arbeitet mit Baumstämmen und macht Totholz wieder lebendig

Es ist ein Wettlauf mit dem Borkenkäfer: Wer arbeitet schneller? Hat Roni Adelmeyer die besseren Karten? Zwei unnachgiebige Holzarbeiter. Sie nutzen die gleiche Rohware, produzieren dabei eine Menge Späne. Aus Totholz. Während sich der kleine Holzschädling in umgestürzten Bäumen Zentimeter für Zentimeter seine kleinen Labyrinthe frisst, versucht der Erfurt Holzkünstler Roni Adelmeyer etwas anderes. Es formt Körper und Gesichter aus dem Totholz, macht es irgendwie wieder lebendig. Mit seiner Kettensäge. „Ich nutze ausschließlich Stämme, die umgestürzt sind und schon länger liegen. Nur so bekommt auch vergleichsweise langweiliges Holz wie Fichte oder Buche richtig schöne Flammen, ein tolle Färbung. Charakter“. Allzu morsch darf es nicht sein. Auch sein Mitbewerber, der Käfer, sollte günstigstenfalls gar nicht erst eingezogen sein.

Inzwischen werde ich manisch, wenn ich das richtige Stück Holz sehe

Vor vier oder fünf Jahren, so genau weiß es Adelmeyer nicht, hat es angefangen. „Es sollte ein Geburtstagsgeschenk werden“. Einfach mal etwas sägen. „Inzwischen werde ich manisch, wenn ich das richtige Stück Holz sehe.“ Adelmeyer ist fasziniert von dem Werkstoff. „Im Stamm lässt sich in groben Zügen schon erahnen, wie die Holzskulptur mal aussehen wird. Die Feinheiten ergeben sich erst durch die Maserung. An der arbeitete ich mich entlang. Auch Äste beeinflussen die spätere Form. Meine Skulpturen sind alle aus einem Stück. Da wird nichts verschraubt, nur weil das Holz für eine Arm fehlt. Die Natur gibt die Grenzen vor.“

Einerseits reizt es den 45-Jährigen, die Anatomie bei seinen Torsi so genau wie möglich nachzubilden. Dann kommen nach den groben Arbeiten auch feine Schleifwerkzeuge zum Einsatz. Dann wieder formt er zu hohe, zu breite, verzerrte und surreale Körper in seinem Freiluftatelier in der Nähe von Hohenfelden. Dort sägt er zusammen mit Kumpel Klaus Müller von Baczko. Regelmäßig fahren die beiden raus und modellieren mit ihren Spezialkettensägen die Torsi aus dem Holz. Im September, zur Eröffnung der Denkmalwoche, hatten die beiden 111 Wächter-Figuren hinter der Krämerbrücke aufgestellt. Nur einen Tag lang. Ein Teil des Erlöses ging an die Stiftung Krämerbrücke. Mit Aktionen wie diesen wollen sie auch in Zukunft von sich reden machen.

Für den Borkenkäfer wird es derweil eng, wenn Adelmeyer und Müller von Baczko in dem Tempo weiter sägen. Dann muss er sich beeilen, um noch ein paar leckere Brocken zu erwischen.
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