Getrommelt und gepfiffen! Der Erfurter Stefan Räsch ist Musiker aus Leidenschaft

Nicht ohne mein Schlagzeug: Vollblutmusiker Stefan Räsch aus Erfurt.
Erfurt: ... |

Das Musikverständnis eines Menschen beginnt im 6. Schwangerschaftsmonat der Mutter, sagt Stefan Räsch (28) aus Erfurt. In dieser Phase werde die musikalische Bildung aufgebaut, die kognitive Eigenschaften und Sozialverhalten des Menschen beeinflusst. Der Erziehungswissenschaftler und Musikpädagoge macht seit seinem 6. Lebensjahr Musik. Mit 18 unterrichtete er die Trommler des Erfurter Fanfarenorchesters. 2013 gründete er sein Trommelinstitut "Schlagwerk". Jetzt übernahm er das "Musikwerk" von Verena Fränzel. AA-Autorin Jana Scheiding führte mit dem schlagkräftigen jungen Mann das besondere Interview.

Man müsste Klavier spielen können... Würden Sie als Schlagzeuger das unterschreiben?
Absolut. Klavier ist ein vielseitiges Instrument, mit dem man allein spielen oder jemanden begleiten kann. Im Übrigen sind alle Tasteninstrumente gut geeignet, Musiktheorie zu verinnerlichen.

Sollte man allen Musikern zu Beginn ihrer Laufbahn die Flötentöne beibringen?
Ich musste als Kind noch Flöte lernen. Heute ist das nicht mehr Bedingung für ein anderes Instrument.

Wein, Weib und Gesang - wie stehen Sie dazu?
Sowohl Wein als auch Weib gegenüber bin ich nicht abgeneigt. Gesang - nur wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Aber es heißt doch, "singe, wem Gesang gegeben".
Eben. Aber im Ernst: Ich bin kein Freund von Talentbegriffen. Manchen Menschen fällt es leichter, bestimmte Dinge umzusetzen. Außerdem ist singen eine Frage der rhythmischen Erfahrung in den ersten Lebensjahren. Jeder Mensch kann jederzeit seine Stimme zum Klingen bringen, sie ist ein Instrument wie jedes andere auch. Entscheidend sind Freude und Lust, aber auch Ziel und Anspruch.

Musik ist also bei Ihnen Trumpf?
Unbedingt. Ich habe als ABC-Schütze damit angefangen und bin nie wieder davon losgekommen.

Egal, was sie spielen - ich tanze Walzer. Wie bekommt man ein Gefühl für Rhythmen?
Musik nimmt der Mensch bereits drei Monate vor seiner Geburt wahr. Deshalb haben musikalische Eltern meist musikalische Kinder. Es ist also wichtig, Kinder frühzeitig für Musik und Rhythmen zu sensibilisieren und diese Phase möglichst nicht zu unterbrechen.

Was ist Musik in Ihren Ohren?
Ich höre aus verschiedenen Dingen Musik. Zum Beispiel, indem ich Vögel beim Musizieren belausche. Musik in meinen Ohren ist aber auch der Presslufthammer im Straßenbau. Da meldet sich dann sofort der Trommler in mir.

Bei Ihnen machen also nur laute Töne die Musik?
Nein. Ich bin ein sehr umgänglicher Mensch.

Dann vergreifen Sie sich wohl nur selten im Ton?
Das passiert nur, wenn ich wirklich mal singe.

Mit wem blasen Sie ins gleiche Horn?
Beruflich mit meinem Team, privat mit meiner Familie.

Hat Ihnen schon mal jemand etwas gepfiffen?
Das tun meine Schüler regelmäßig.

Stimmen Sie dann ein Klagelied an?
Ich bin ein Mensch der selten klagt. Selbst schwierigen Situationen kann ich etwas Positives abgewinnen.

Ihr Himmel hängt also meistens voller Geigen?
Bei mir hängt er ja eher voller Trommeln. Voller Geigen hing er, als ich meine Frau kennenlernte und als meine Tochter geboren wurde.

Wem würden Sie gern einmal den Marsch blasen?
Entscheidungsträgern, die eigenständige kulturelle Entwicklung behindern.


www.musik-fraenzel.de
www.schlaghaus.de
facebook.com/schlaghaus
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 18.09.2014 | 19:22  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.09.2014 | 20:07  
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