Gips im Gelenk - Schnupperstunde Yoga

Der Lotussitz erfordert Übung.
Weil alle hingehen, muss etwas dran sein am Yoga, denkt sich AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt und wagt einen ersten Versuch:

Da sitze ich nun im Schneidersitz, mühe mich nach Kräften, doch die Knie verweigern den Bodenkontakt. Noch 30 Zentimeter bis zur Matte - und nichts geht mehr. Wo, zum dreifachen Om, ist die Schwerkraft, wenn man sie braucht? Ein perfekter Yogi-Sitz sieht anders aus.

"Wir Europäer kommen nun einmal nicht kreuzbeinig auf die Welt", beruhigt Yogalehrerin Renate Weidemann mich und die anderen im Anfängerkurs. Sechs Frauen und ein Mann wollen das uralte Übungssystem aus Indien für sich entdecken. Wichtigste Regel dabei: entspannen und nicht verkrampfen. "Mit der Zeit werdet ihr beweglicher", macht Renate Mut. Im Yoga ist man per Du.

Das Ambiente in ihrem Erfurter Studio ist angenehm: warmes gedämpftes Licht, Kerzen, Sandelholz- Duft. Sehr beruhigend und friedlich. Ich liege mit geschlossenen Augen, atme in den Bauch, dass er sich hebt und senkt, hebt und senkt. An nichts denken, alles fühlen. Doch bevor ich ganz in die Traumwelt entrücke, geht es los. "Schiefe Ebene", "Baum", "Heuschrecke", "Drehsitz", "Dreieck" - die Körperstellungen, so genannte Asanas, erfordern Muskelkraft und Balance.

Bei der "Kobra" beschleicht mich das Gefühl, jemand hätte Gips in meine Gelenke gegossen. Der Oberkörper lässt sich aus der Bauchlage kaum anheben. Als ich mit gestreckten Beinen im Sitzen zur Vorwärtsbeuge ansetze, ist es genau umgekehrt. Jetzt will der Oberkörper nicht nach unten. Bis meine Nase mit den Knien kuscheln kann, braucht es noch viel Geduld und Übung. "Fühl dich in den Körper hinein, bei jedem Ausatmen kommst du ein Stück tiefer".

Renate praktiziert Hatha-Yoga seit neun Jahren. Sie hat gut reden. Von ihrem Yogameister erhielt sie den Namen Narayani ("Die das Gute im Menschen sieht"). Sehen würde ich jetzt auch gerne - vor allem, ob sich meine Mitstreiter geschickter anstellen. Doch Yoga ist kein Wettbewerb. "Was der Nachbar macht, ist egal", flüstert Renate. Ich halte die Augen geschlossen und folge ihrem Rat. Und den positiven Gedanken, die sie am Ende auf einer Traumreise vermittelt.

Das Fazit: Sicher ist Yoga nichts für Menschen, die sich sportlich abreagieren wollen. Die Kombination aus Körperund Atemübungen sowie Meditation wirkt auf sanfte Art, doch effektiv. Schon ein paar Stunden später habe ich den Kopfstand geschafft. Mit etwas Hilfe, aber immerhin! (Oktober 2010)

Kontakt: 03 61 / 2 62 09 02, http://www.yoga-in-harmonie.de/
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