Goetheforscher auf der Spur der Steine

  „Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen! Der Ew‘ge regt sich fort in allen, am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: denn Gesetze bewahren die lebend‘gen Schätze, aus welchem sich das All‘ geschmückt.“ Diese Zeilen Goethes kommen Volkmar Birkholz beinahe jedes Mal in den Sinn, wenn er die Grabstätten auf dem kleinen Friedhof in Bisch­leben-Stedten betrachtet.

Seit seiner Jugend befasst sich der Erfurter intensiv mit dem größten deutschen Dichter, er gehört seit 1975 der ­Goethegesellschaft an und hat mehrere Schriften zu seinem Lieblingsthema verfasst. Sein 1999 erschienenes Buch „Ja es sind die bunten Mohne“ beleuchtet Goethe und dessen Beziehungen zu Erfurt. Und es brachte Volkmar Birkholz die erste Begegnung mit der Familie von Keller. Diese hatte einst das Schloss Stedten bewohnt.

Christoph Dietrich von Keller war es, der das Schloss, das es heute nicht mehr gibt, 1737 erbauen ließ. Er und seine Nachfahren haben später große Leistungen in den verschiedensten Bereichen erbracht. In den ersten Tagen des Jahres 1776 empfing Juli(an)e, Tochter Christoph Dietrichs und eine enthusiastische Verehrerin der eben aufkommenden klassischen Literatur, im Schloss Stedten illustre Gäste: Wieland und Goethe. „Es ist nicht bewiesen, aber ernsthafte Wissenschaftler gehen davon aus, dass Goethe bei dieser Begegnung seinen Urfaust vorgetragen hat“, ist sich Volkmar Birkholz ziemlich sicher. Fest steht auf jeden Fall, dass diesem einen Zusammentreffen ein jahrzehntelanger Briefwechsel zwischen Goethe und Julie folgte.

„Die Personen, die einst das Schloss bewohnten, sind mir sehr interessant“, gibt der Goetheforscher zu. Wohl deshalb zieht es ihn immer wieder auf den kleinen, historischen Friedhof an der St.-Elisabeth-Kirche in Stedten, der einige Grabstätten der Familie von Keller beherbergt.

Als er im vergangenen Jahr einen Nachfahren dieses alten Adelsgeschlechts kennen lernte, war dies der Auslöser, sich mit diesem Friedhof und der Familiengeschichte näher zu befassen. „Ein kleiner Spaziergang über den historischen Friedhof ist wie das Blättern in den geschicht­lichen Ereignissen. Diesen einprägsamen übersichtlichen Ort umgibt eine eigenartige Faszination.“, schreibt er in seinem kleinen Taschenführer, der im März erscheinen wird. Der friedvolle Ort ist mit schlichten Grabsteinen und gusseisernen Grabkreuzen gestaltet, den Besucher erwarten hier keine auffällig gestalteten Gräber. Äußerste Bescheidenheit prägt dieses Ensemble. Und es sollte unbedingt erhalten werden.

Information:
Der Taschenführer „Der historische Friedhof in Stedten“ erscheint im März und wird in der Buchhandlung Peterknecht erhältlich sein.

„Wir haben hier nicht so viele Dinge aus dieser Zeit“, weiß Volkmar Birkholz. Inzwischen kümmert sich ein Initiativkreis um die denkmalgeschützte Stätte, der Goetheforscher hofft darauf, dass die Grabmale bald schon konserviert und restauriert werden. So kann diese historische Begräbnisstätte ein Ort bleiben, an welchem der Besucher Zwiesprache mit dem Leben und der Geschichte halten kann.
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