Halloween oder Dr. Martin Luther?

"Aus Heiden werden Christen", titelte 2009 ein Beitrag in einer Tageszeitung. Mit den Franken seien im 6. Jahrhundert das Christentum und die Anfänge der abendländischen Kultur nach Thüringen gekommen.
Aber die historischen Fakten sprechen eine ganz andere Sprache. Amalaberga, die Gattin des letzten Thüringer Königs, war eine Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich und sie brachte das Christentum mit nach Thüringen. Sie war Arianerin, das heißt, für sie gab es nur einen Gott. Später wurde durch die Athanasianer die "Trinität" eingeführt; der Glaube an die Einheit von Gottvater, Sohn und Heiligem Geist.

532 u. Z. überfielen die Franken im Bündnis mit den Sachsen das Thüringer Reich, das nach einer vernichtenden Niederlage zerschlagen wurde. Ein Chronist berichtete, dass sich in der Furt an der Unstrut die Leichen der Thüringer so hoch stapelten, dass die fränkischen Krieger mit ihren Beutetransportern bequem darüber hinwegfahren konnten.
Die damals 12-jährige Thüringer Prinzessin Radegunde und ihr 10-jähriger Bruder wurden als Kriegsbeute ins Frankenland verschleppt. Der kleine Bruder wurde ermordet, weil er einen Anspruch auf die Thüringer Herrschaft gehabt hätte.
Ob wohl die üerlebenden Thüringer damals "Hurra" riefen, weil sie nun als Christen leben sollten? Richtig ist, dass Herrscher und Machtträger den christlichen Glauben aus politischen Gründen annahmen. Das Volk ließ sich taufen oder wurde zwangsgetauft. Doch unter den Menschen blieb der Glauben an die germanischen Götter erhalten und er wirkt bis heute nach.

Im Thüringer Raum lebten die Stämme der Chatten, Hermunduren und Doringer. Letztere waren die späteren Namensgeber des Landes.
"Krach machen und Verkleiden" - Dieser Brauch sollte damals die bösen Geister vertreiben und war zugleich ein von den Kelten übernommener Ritus, der zu Zeiten der Winter- und Sommersonnenwende betrieben wurde.
Man sieht solche Fratzen auch an alten Fachwerkhäusern; ebenfalls als Schutz vor bösen Geistern.
Die beliebte germanische Göttin Freya (Frau Holle), die Gattin Odins, war zuständig für Fruchtbarkeit und für die Brunnen mit dem Wasser des Lebens. Sie fuhr zweimal im Jahr mit ihrem Goldenen Wagen durch Thüringen. Wer nicht rechtschaffen gelebt hatte, dem hetzte sie die Meute der bösen Kläuse und wilden Hunde auf den Hals. Die Guten bekamen von ihrem Diener "Knecht Ruprecht" goldene Tannenzapfen geschenkt.
Wichtig war auch der Respekt vor den germanischen Festtagen. Es durfte an diesen Tagen nicht gearbeitet werden. Noch heute heißt es, wer Wäsche in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar wäscht und auf eine Leine hängt, der lebt das neue Jahr nicht aus.

Die Kelten hatten vier Feste im Jahr:
Samain stand am Beginn des Winters (1.11.). Es ist dem keltischen Helden Cuchullaninn gewidmet (einst Sieger im Kampf gegen die Götter). Damit begann das neue Jahr . Es wurde mit Reinigungsfeuern, Krach und Masken gefeiert. Im Grunde ähnlich dem, was wir heute zu Silvester veranstalten. Es ist auch ein Totenkult, dazu gehören die geschnitzten Kürbisse.
Heute ist dieses Fest als Halloween bekannt. Alle keltischen Feste wurden astronomisch bestimmt. Zu Samain steht der rote Antares im Sternbild Skorpion am Himmel.
Imbolc wird am 2.2. gefeiert. Es ist das Fest der Segnung der Herden. In dieser Zeit leuchtet der Stern Capella im Sternzeichen Fuhrmann. Das Fest ist der Lichtgöttin Brigid geweiht. Im Christentum wurde sie zur Hl. Brigitte. Die Germanen hatten auch einen Lichtgott, das war das „Baby“ Baldur, Kind von Freya/Frau Holle. Baltain ist ein Frühlingsfest (1.5.), ein Fruchtbarkeitsfest.
In dieser Zeit steht der Aldeberan im Sternbild Stier am Himmel. Lugnasad ist dem keltischen Hauptgott Lug zugeordnet und dem Feuergott Belenos (15.8.).
In dieser Zeit fand die Stammesversammlung und Gericht statt. Lugnasad begann mit dem Leuchten des Sirius im Sternbild Hund (Hundstage).

Das Christentum hat die heidnischen Volksbräuche mit dem eigenen Glauben überdeckt. So wurde Christi Geburt auf den 24. Dezember gelegt, den Zeitpunkt für das Fest der keltischen und germanischen Wintersonnenwende.
Die keltischen Feste erhielten christlichen Charakter. Aus Samain wurde das Allerheiligen-Fest (1.11.); aus Beltain das Maifest (1.5.). Lugnasad wurde "Mariae Himmelfahrt" (15.8.) und Imbolc wurde zu "Mariae Lichtmess" (2.2.).

Auswanderer aus Irland brachten den heimischen Brauch, den "All Hallows Eve", den Allerheiligen-Abend, zu feiern, nach Amerika. Von dort kam der Brauch vor ca. 20 Jahren zurück nach Deutschland. Jedoch nicht als "Import" sondern als Rückkehr einer alten Tradition.
Wobei moderne Halloween-Partys auf „ihren Sinn“ zu hinterfragen wären.
An jedem 31. Oktober wird von Protestanten auch das Reformationsfest gefeiert. Am 1. November ist "Allerheiligen" und am 2. November das Allerseelen-Fest der Katholiken.
Das Reformationsfest erinnert an Martin Luther, der am 31. Oktober seine 95 Thesen an die Tür der Kirche zu Wittenberg geschlagen hatte. Er löste damit den Protestantismus aus und gründete die Evangelisch-lutherische Kirche in Thüringen. Als Kind hatte Luther in Eisenach an einer Lateinschule gelernt und bei der reichen Frau Cotta gewohnt.
Andere Reformatoren in Deutschland und der Schweiz, z. B. die Calvinisten Zwingli und Buggenhagen, schufen ebenfalls eigenständige evangelische Kirchen.

In Thüringen waren am 31. Oktober festliche Umzüge mit Laternen üblich. In meiner Kindheit zogen wir in Eisenach als "Märzemännchen" verkleidet los und sagten merkwürdige Sprüche auf, wie:
„Ich bin Dr. Martin Luther,
hab´ Hosen ohne Futter
und ein böses Weib dazu,
das lässt mir Tag und Nacht keine Ruh.
Nun rück´ was raus,
sonst ist´s mein Garaus."
Oder:
„Ich bin ein armer Sünder,
hab` 99 Kinder,
und eine böse Frau dazu,
das lässt mir Tag und Nacht keine Ruh.
Nun rück´ was raus,
sonst ist´s mein Garaus."

Diese Laternenumzüge finden inzwischen zu Martini statt und würdigen auch den katholischen Heiligen Martin.

Tja, nun steht ja die Frage: Wie wird diese Zeit richtig gefeiert?
Einst hatte ein jüdischer Vater, der drei Söhne besaß, einen wertvollen Ring zu vererben. Aber welcher war der würdigste Sohn? Aus Liebe ließ der Alte zwei Ringe nacharbeiten und als er die Ringe verteilte, wähnte sich jeder Sohn als Würdigster. Es herrschte Frieden und Freude.
Warum soll es eine Gegnerschaft zwischen christlichen Festen und Volksbräuchen geben? Feiern wir doch die Feste, wie sie fallen!

Wenn es nach der CDU ginge, die kürzlich eine Vorlage in den Bundestag eingebracht hat, dürfen künftig nur noch diejenigen christliche Feste feiern (samt Freistellung von der Arbeit), die Kirchensteuer zahlen. Aber man wird den "Neo-Heiden" nicht verbieten können, die alten Volksbräuche zu feiern.
Quo vadis, Deutschland?
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