Handglockenchor Gotha bezaubert mit ungewöhnlicher Musik

 

Eine Glocke kann so vieles: läuten und tönen, scheppern und dröhnen, gongen und gellen, hallen und schallen, eine zeitlang nachklingen oder einfach nur bimmeln. Kommt sie aber einmal anders als gewohnt daher, vermag sie vor allem eines: zu überraschen. Zumindest, wenn sie zum Handglockenchor Gotha gehört.

Es ist erstaunlich, wie das geformte Metall einen solch zarten, reinen Klang hervorbringt. „In der Tat, unsere Glocken klingen sehr sanft und weich, haben eine reine Stimme“, gerät Matthias Eichhorn ins Schwärmen. Der studierte Musiker leitet den zur Augustinergemeinde gehörenden Handglockenchor Gotha, seit fast zehn Jahren schon.


Schon der Name verrät, wie diese Glocken betätigt werden. Jede einzelne hat einen Griff. Durch das Bewegen der Glocke bewegt sich auch der Klöppel und erzeugt den Ton. Eine spezielle Vorrichtung im Inneren verhindert das Zurückschwingen des Klöppels zur anderen Seite, der gegenüber liegenden Glockenwand. Damit gibt es nicht wie bei aufgehängten Glocken den Kling-Klang-Effekt. Um einen Ton zu erzeugen, bedienen sich die Glockenspieler verschiedener Anschlagtechniken. Beim Musizieren tragen sie Handschuhe, damit die Glocken nicht beschlagen.

Die Gothaer und Amerika



Matthias Eichhorn, der noch einige andere Musikinstrumente beherrscht, kennt sich bei den Handglocken besonders gut aus. Schließlich war es seine Mutter Elke, die 1987 als Kantorin der Augustinergemeinde den Handglockenchor begründete und 18 Jahre lang leitete. Ein gespendeter Handglockensatz von Pfarrer Larry Hoffsis aus Dayton im US-Bundesstaat Ohio hatte dies möglich gemacht. Den Pfarrer gibt es heute noch, er freut sich schon darauf, dass seine deutschen Freunde ihn bald besuchen werden, derzeit sind die Handglockenspieler in Amerika, um dort zwei Wochen lang auf Gleichgesinnte zu treffen und Musik zu machen. In den USA sind Handglockenchöre wesentlich bekannter als hierzulande. Während es dort etwa 80.000 gibt, kommt Deutschland gerade mal auf 25. Den Gothaer Chor gibt es bald schon 30 Jahre. Sein Leiter ist schon seit seiner Kindheit mit ihm verbunden. Matthias lernte mit acht Jahren, wie man den Glocken ihre schönste Klangseite entlockt. Die Mutter hat ihre Leidenschaft an den Sohn weitergegeben, inzwischen leitet er nicht nur das ungewöhnliche Orchester, sondern komponiert sogar Musikstücke dafür.


Heute besteht der Handglockenchor aus vier Gruppen. Die Konzertgruppe ist die mit dem größten Können und immer wieder einmal zu Auftritten zu hören. Esind auch jene, die sich bald auf die große Reise begeben. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielen Stücke, die extra für Handglocken geschrieben wurden sowie Bearbeitungen bekannter Werke und folkloristischer Melodien. Dreizehn Spieler betätigen dafür die insgesamt 61, aus einer Bronzelegierung gegossenen Glocken, jede von ihnen ist nur einmal vorhanden und erzeugt einen anderen Klang. „Wir bedienen so fünf Oktaven inklusive aller Halbtöne“, skizziert Matthias Eichhorn die tönerne Vielfalt. Nur selten einmal ist den Handglocken-Künstlern in ihrem Spiel ein Lächeln zu entlocken, zu sehr müssen sie sich konzentrieren. Darauf, wann ihr Einsatz gefragt ist. Jeder spielt dabei mehrere Glocken. „Das lässt sich nicht allein zu Hause üben“, weiß der Chorleiter, dass nur alle gemeinsam für das ungewöhnliche Hör-Erlebnis sorgen können.


Wenn es dann ernst wird, bei einem Auftritt, gelingt es ihnen mühelos, ein Staunen in die Gesichter ihrer Zuhörer zu bannen. Und ein zauberhaftes Lächeln, das genau so aussieht, wie die Glocken klingen.


Wissenswertes:



Aktuell spielt der Handglockenchor Gotha mit vier Gruppen: Einer (Jugend-) Konzertgruppe, zwei Nachwuchsgruppen und einer Erwachsenengruppe.


In der Konzertgruppe spielen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 27 Jahren. Diese Gruppe spielt auf hohem musikalischem Niveau amerikanische Originalkompositionen für Handglocken sowie Arrangements internationaler klassischer wie auch populärer Musik.


Zur Nachwuchsgruppe gehören 7-12-jährige Spieler, die in der Chimesgruppe erste Erfahrungen mit dem Musizieren in einer Gruppe gesammelt haben und sich jetzt auf das anspruchsvollere Spiel in der Konzertgruppe vorbereiten.


In der Chimesgruppe lernen Vor- und Grundschulkinder mit den Chimes erste rhythmische und melodische Grundlagen. Dabei spielen die Jüngsten auf sogenannten Chimes, das sind den Glocken in der Spielweise ähnliche Tonstäbe aus Leichtmetall. Chimes sind leichter zu handhaben und unempfindlicher als Glocken.


Das jüngste Ensemble des Handglockenchors ist das mit den ältesten Mitgliedern: Seit Anfang 2012 probt die Erwachsenengruppe mittlerweile im zweiwöchentlichen Rhythmus.


Weitere Informationen: www.handglockenchor-gotha.de
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