Hartingers kleine Heldin

René Hartinger wirft einen neuen, behutsamen Blick auf die Geschichte.
Die dreizehnjährige Alicja wird langsam erwachsen - und das mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. Nachdem Panzer ihre polnische Heimat überrollt haben, kommt das sensible Mädchen als Kriegsgefangene in ein Dorf in Thüringen. Dort begegnet es nicht nur einem finsteren Nazi und fürsorglichen Bauern, sondern auch der ersten Liebe...

Ein wenig aufgeregt hält René Hartinger das Buch in seinen Händen. Es ist sein erstes, nachdem er sich in den Jahren zuvor in seiner freien Zeit im Schreiben von kritischen Gedichten geübt hat. Nun taucht er ein in eine Zeit lange vor seiner Geburt. Für einen 36-Jährigen eine eher ungewohnte Reise. „Für diese Zeit habe ich mich schon immer sehr interessiert. Es gibt da noch so viele ungelöste Fragen“, sagt er und gibt zu, sämtliche Bücher und Dokumentationen zum Thema nahezu zu verschlingen.
Am schönsten aber war es, wenn die Großmutter von früher erzählte. Sie, die in einem kleinen Dorf in Thüringen zu Hause war. Ein Dorf, wie es so ähnlich auch im „Bernsteintropfen“ vorkommt, wie der schreibende Enkel seinen Roman genannt hat.

Das Mädchen Alicja entspringt allein Hartingers Phantasie. Ihresgleichen hat es allerdings viele gegeben. Und einiges von dem, was im Buch geschieht, ist wirklich fast so passiert. Oder hat den Autoren inspiriert.
Mit behutsam gesetzter Feder vermag sich René Hartinger in seine kleine, tapfere Heldin hineinzuversetzen. Beim Lesen fühlt man sich ihr sehr nah. Plötzlich ist die längst vergangene Zeit lebendig. Sie lebt durch ihre Menschen, die Hartinger so treffend zeichnet, denen er nicht nur ein Gesicht, sondern Gedanken und intensive Gefühle gibt. Es geht um Heimatverlust und Sprachlosigkeit, um Abhängigkeit von Fremden, existentielle Verunsicherung, die durch einen Krieg ausgelöst wurde. Doch nie nimmt Hartinger den Holzhammer zur Hand.

Richtet sich der Roman in erster Linie an den jugendlichen Leser, so ist er auch für die dem Jugendalter länger schon Entwachsenen eine empfehlenswerte Lektüre.

Regt er nach dem Lesen dazu an, mehr wissen zu wollen über jene Zeit, dann ist das des Autors schönster Lohn. Und wie es aussieht, schlummern noch viele ungeschriebene Dinge mehr in Hartingers Phantasie. Nicht alle Geschichten aus dem Buch sind schon zu Ende erzählt. „Es fängt gerade erst an“, lächelt der 36- Jährige und macht weiter neugierig.
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