Hausbesetzung! - Start in ein neues Kulturkonzept

  Statt Albrecht Dürers Grafiken hängen die Werke 40 Erfurter Künstler im Angermuseum

Auch wenn der Erfurter Haushalt diverse Ausstellungen, so die geplante Abrecht-Dürer-Schau im Angermuseum, auf die Streichliste setzte, ist Professor Dr. Kai Uwe Schierz derzeit euphorisch. So sehr, als habe er gerade den Jackpot geknackt.

Seit November gibt es in der Kulturdirektion neue Strukturen. Es wurde, wie derzeit vielerorts in Mode, zentralisiert. Nur noch einen Direktor für verschiedene Häuser gibt es. Bislang war Schierz Direktor der Kunsthalle am Fischmarkt, ein Spezialist für zeitgenössische Kunst. Nun hat er das Sagen auch über die anderen Kunstmuseen der Stadt. Schierz will künftig das Profil der einzelnen Häuser schärfen, sie so lebendig wie möglich machen. Soziokultur und Stadtgeschichte werden die beiden anderen Beine des neuen dreibeiningen Kulturkonzeptes heißen.

Professor Schierz freut sich auf eine neue, noch umfassendere Aufgabe und beginnt seine Dienstzeit mit einer spektakulären Ausstellung: „Hausbesetzung“. Sie versammelt im Angermuseum viele, die in und um die Stadt Rang und Namen besitzen. Ohne Lückenbüßer für die Dürer-Grafiken zu sein, zeigen 40 Künstler ihre Werke im zweiten Obergeschoss des sanierten Hauses.

„Schön, dass kurzfristig so viele zugesagt haben. Finanzielle Interessen verbergen sich nicht dahinter. Wie so oft handelt es sich um ‚Selbstausbeutung‘. Zwar ist es für alle eine Ehre, in ebendiesem Haus auszustellen – auf Dauer kann es jedoch nicht sein, dass die Künstler die Kosten für Ausstellungen selbst tragen“. Deswegen hofft Schierz, dass sich dafür Lösungen finden werden. Ein festes Honorar für die Künstler könnte er sich vorstellen. Das bedürfe einer einheitlichen Regelung, am besten bundesweit. „Viele Künstler leben in prekären Situationen, der Tatsache geschuldet, dass sie oft nur bei den Materialkosten für die Ausstellungen unterstützt werden.“

Zwei Tage hat die junge Erfurter Künstlerin Rosmarie Weinlich an ihrer Installation gearbeitet. „Ich brauche immer etwas länger, bevor alles so ist, wie ich mir das vorstelle“, sagt sie. Geld dafür bekommt sie keines. Aber Künstler müssen von irgendetwas leben. Sind es Installationen, so können sich die Künstler zwar gut damit präsentieren, verkaufen lassen sich diese aber nur selten. So, wie die lebenden Kulturen in den Glühlampen. Etwa ein Jahr halten sie, dann müssten sie getauscht werden. Wunderschön, aber nahezu unverkäuflich. So ist das mit mancher Kunst.

Ob Kai Uwe Schierz an dieser Situation etwas verändern kann, wird sich zeigen. Einen großen Schritt in Richtung neuer und mutiger Konzepte ist er mit der „Hausbesetzung“ des Angermuseums schon gegangen. Statt leerer Wände ohne Dürer ist Leben eingezogen, ganz wie bei einer richtigen Hausbesetzung. Ob die Erfurter das Konzept für diese Ausstellung mitgehen, mal sehen. Denn der Ruf des Hauses ist ein anderer. Natürlich werden die Häuser, da beruhigt Schierz die Gemüter, ihren Charakter behalten. Keinesfalls sei geplant, das Angermuseum nun dauerhaft mit zeitgenössischer Kunst zu fluten. Aber, die eine oder andere Symbiose von alten Meistern und der Kunst der Gegenwart wird es wohl geben.

Für die Ad-hoc-Ausstellung Hausbesetzung war wenig Zeit, Künstler wie Karsten I. W. Kunert malten bis buchstäblich nur Stunden vor der Präsentation: Als der erste Rundgang vonstatten ging, war das Bild Muse noch nicht einmal trocken.
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