Heinz Erhardt lebt: Hans-Joachim Heist schlüpft in die Rolle des kultigen Wortverdrehers

Wann? 17.04.2016 20:00 Uhr

Wo? Dasdie Brettl, Lange Brücke 29, Erfurt DE
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Hans-Joachim Heist als Heinz Erhardt: „Heinz Erhardt ist mittlerweile Kult. Ich glaube, dass die heutigen Comedy-Stars nie Kult werden.“ (Foto: Agentur)
 
„Am Anfang war ich etwas irritiert. Wenn man Gemurmel aus dem Zuschauerraum hört. Bis ich bemerkt habe, dass sie die Gedichte mitsprechen. Und dann hat es mich nicht mehr gestört.“ (Foto: Agentur)
 
„Der Humor heute ist viel schnelllebiger und viel öfter unter der Gürtellinie, was Heinz Erhardt ja nie war.“ (Foto: Agentur)
Erfurt: Dasdie Brettl |

Heinz Erhardt gilt als einer der beliebtesten deutschen Komiker. Seine Gedichte und Lieder sind unsterblich. Hans-Joachim Heist bringt sie jetzt auf die Thüringer Bühnen.


Wer Sie als cholerisch schimpfenden Gernot Hassknecht aus der „heute-Show“
im ZDF kennt, könnte Probleme damit haben, Sie sich als Heinz Erhardt vorzustellen. Wie schlüpfen Sie in die deutlich ruhigere Rolle?

Es ist eigentlich ganz einfach. Ich schlüpfe ja auch nur in die Rolle des Gernot Hassknecht. Im Laufe meines Schauspielerlebens habe ich schon viele wunderschöne Rollen gespielt - zum Beispiel den Kontrabassisten im Kontrabass von Süskind. Da lernt man, dass man authentisch in eine Rolle schlüpfen kann. Das mit Heinz Erhardt habe ich natürlich auch ein bisschen geübt. Das heißt: Ich habe mir alles von Heinz Erhardt angeguckt, was es an Filmen gibt. Ich habe auch seine ganzen Bücher gelesen, seine Gedichte und auch alle seine CDs gehört. Ich habe diesen Mann also studiert. Und das habe ich schon sehr früh gemacht, weil er mir schon immer gut gefallen hat. Ich habe als Kind, neun Jahre war ich da alt, das große Heinz-Erhardt-Buch im Bücherschrank meiner Eltern gefunden und habe damals schon kleine Vierzeiler daraus in der Schule von mir gegeben.

Sie stellen auch andere Berühmtheiten wie Heinz Rühmann, Bernhard Grzimek, Hans Moser oder Theo Lingen dar. Ist Erhardt schwerer oder leichter?
Das habe ich früher gemacht. Da hatte ich ein richtiges Parodieprogramm mit den Leuten. Das mache ich schon seit ein paar Jahren nicht mehr, denn an diese Leute erinnern sich nur noch die Älteren. Heinz Erhardt ist hingegen noch gefragt. Ich habe ganz langsam begonnen mit einem 20-Minuten-Galaprogramm, dann war es eine Stunde und irgendwann ein komplettes Abendprogramm mit seinen Liedern, Conférencen und seinen schönsten Gedichten.

„Die heutigen Comedy-Stars werden nie Kult.“


Heinz Erhardt ist nun schon vor fast 37 Jahren von uns gegangen. Sie sind selbst Komiker. Was glauben Sie: Gibt es jemanden aus der aktuellen Riege, der noch in 40 Jahren auf der Bühne dargestellt wird?
Heinz Erhardt ist mittlerweile Kult. Ich glaube, dass die heutigen „Comedy-Stars“ nie Kult werden.

Wo liegt das Besondere an Heinz Erhardt?
Das war eine andere Zeit, er hatte einen anderen Humor. Der Humor heute ist viel schnelllebiger und viel öfter unter der Gürtellinie, was Heinz Erhardt ja nie war. Er hat mit der deutschen Sprache gespielt, er hat Lieder gesungen, er hat Filme gedreht. Er hat einige Bücher geschrieben. Das schafft kaum einer der heutigen Comedians.

Ist Heinz Erhardt immer noch ein Vorbild für die heutige Komiker-Gilde? Oder passt der Humor nicht mehr in die Zeit?

Ich glaube, ja. Für Otto, habe ich mal gehört, war Heinz Erhardt immer ein Vorbild. Aber auch andere Comedians, die ich hin und wieder treffe, finden Heinz Erhardt großartig.

„Ich kenne 25-Jährige, die gründen Heinz-Erhardt-Fanclubs.“


Wer kommt zu Ihnen in die Shows? Sind es die Älteren, die Heinz Erhardt aus ihrer Jugend kennen und ihn vermissen? Oder gibt es eine neue Generation von Erhardt-Fans?
Natürlich die Älteren, ganz klar. Aber es gibt auch eine neue Generation, die Heinz Erhardt wieder entdeckt hat. Ich kenne 25-Jährige, die gründen Heinz-Erhardt-Fanclubs. Die jungen Leute finden diese Wortverdreher, er war ja ein Meister der Wortverdrehung, wieder cool.

Haben Sie ein Lieblingsgedicht?
Es gibt mehrere. „Die Made“ natürlich, die kennt ein jeder. Die spricht auch jeder mit im Publikum. „Das Gewitter“ ist auch ein großartiges Gedicht, eines meiner Lieblingsgedichte. Ganz aktuell - es ist ja das internationale Jahr der Hülsenfrüchte - da gibt es einen wunderschönen Vierzeiler: „Es gibt Gerüchte, dass Hülsenfrüchte in Mengen genommen nicht gut bekommen. Das macht doch nichts, ich finde es fein. Warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein?“

Ist es schwieriger als Darsteller, wenn die Leute die Gedichte schon kennen und mitsprechen?

Am Anfang war ich etwas irritiert. Wenn man Gemurmel aus dem Zuschauerraum hört, dann denkt man als Schauspieler oder Künstler immer: „Die unterhalten sich. Mache ich was falsch auf der Bühne?“ Bis ich bemerkt habe, dass sie die Gedichte mitsprechen. Und dann hat es mich nicht mehr gestört.

„Ich versuche ihn so authentisch rüberzubringen, wie es geht.“


Es gibt einige „Schmankerl“ in der Biografie von Heinz Erhardt: Zum Beispiel, dass er die Liebe seines Lebens im Fahrstuhl kennen gelernt hat oder dass er im Zweiten Weltkrieg als Nichtschwimmer zur Marine musste oder dass er vor dem Gericht mit seinem Hauswirt stritt. Ist sein Leben auch Teil Ihres Programms?
Ich präsentiere immer einen Teil seiner Vita. Ich erzähle, wann er geboren ist, wann er gestorben ist. Er hat auch eine kleine Oper geschrieben, das wissen ja die wenigsten. Er nannte sie die Zehn-Pfennig-Oper, weil er gesagt hat: Sie ist keine drei Groschen wert. Sie dauert auch nur eine Stunde. Und diese kleine Oper hat er in sehr jungen Jahren geschrieben und sie wurde nie aufgeführt. Erst, als er nach seinem Schlaganfall im Rollstuhl saß, wurde die kleine Oper fürs Fernsehen aufgezeichnet. Von seinem Sohn Gero, der Fernsehregisseur war.

Sind Sie als Heinz-Erhardt-Experte gefragt?
Ich war jetzt in einer NDR-Sendung über Heinz Erhardt mit dabei. Da wurde ich über ihn befragt - weil ich ihn interpretiere auf der Bühne. Ich spiele ihn zwei Stunden. Ich parodiere ihn nicht, ich spiele ihn.

Wo liegt der Unterschied?
Parodien sind überspitzt, übertrieben. Das mache ich nicht. Ich versuche ihn so authentisch rüberzubringen, wie es geht.

Heinz Erhardt hat im Grunde auch nur eine Rolle gespielt: die des etwas verwirrten und schüchternen Familienvaters oder Onkels, der gerne Unsinn erzählt. Sie spielen also quasi Erhardts Rolle.
Ja genau. Diese Idee hat er entdeckt im Kabarett der Komiker 1938. Er hat in Leipzig Musik studiert, hat Kompositionen studiert und auch Klavier. Er konnte recht gut Klavier spielen. Damals war Peter Igelhoff erkrankt und er musste für ihn einspringen. Er war eigentlich angestellt als Pianist und sehr schüchtern in dieser Lebensphase. Er hat das dann für sich umgedreht und ein bisschen linkisch den Pianisten gegeben. So fing das an, so hat er die Komik entdeckt.

„Wenn Heinz Erhardt gearbeitet hat , da mussten alle Ruhe halten.“


Das Publikum wollte ihn immer lustig sehen. Ein Krimi mit seiner eigenen Produktionsfirma war gefloppt.
Dabei hat er auch sehr ernste, sehr hintergründige Gedichte geschrieben. Und wenn er zu Hause war, ich habe kürzlich seine älteste Tochter getroffen, da musste alles still sein. Wenn Heinz Erhardt gearbeitet hat in seinem Zimmer, da mussten alles Ruhe halten.

Viele seiner Gedichte kreisen auf subtile Weise um die Themen Vergeblichkeit, Vergänglichkeit und Tod, sodass man sie dem Genre des Schwarzen Humors zurechnet. Mögen Sie diese andere Seite an Erhardt?

Es ist eine ganz andere Seite, die ich auch mag. Wenn man Heinz Erhardt mag, gehört diese Seite auch dazu. Ich habe sie aber in meinem Bühnenprogramm nicht dabei. Da ist in der Hauptsache die humorige, die komödiantische und die lustige Seite.

Sie sind ihm zu seinen Lebzeiten nie begegnet. Angenommen Sie hätten dennoch die Chance auf ein Interview mit ihm. Was würden Sie ihn fragen?
Mein Gott, da fällt mir jetzt gar nichts ein. Und ich glaube, wenn ich ihn treffen könnte, würde mir im ersten Moment auch nichts einfallen, was ich ihn fragen könnte. Ich würde wahrscheinlich nur vor ihm stehen und würde den Mund nicht mehr zubekommen, weil ich ihn wirklich persönlich kennenlernen könnte.

Die Zuschauer dürfen sich auf eine Hommage freuen?
Sie dürfen sich sehr freuen auf eine Hommage, auf einen wunderbaren humorvollen Abend. Sie werden herausgehen und sagen: „Wir haben schon lange nicht mehr so gelacht.“

Termine:

Erfurt, 17.04.2016 | 20:00 | | Dasdie Brettl | Der große Heinz-Erhardt-Abend: seine besten Gedichte, Conférencen und Lieder.

Apolda, 08.11.2016 | 19:30 | | Stadthalle | Der große Heinz-Erhardt-Abend: seine besten Gedichte, Conférencen und Lieder.

Hildburghausen, 09.11.2016 | 19:30 | | Theater | Der große Heinz-Erhardt-Abend: seine besten Gedichte, Conférencen und Lieder.

Heiligenstadt, 12.11.2016 | 19:30 | | Eichsfelder Kulturhaus | Der große Heinz-Erhardt-Abend: seine besten Gedichte, Conférencen und Lieder.

Waltershausen, 19.11.2016 | 20:00 | | Gleisdreieck | Der große Heinz-Erhardt-Abend: seine besten Gedichte, Conférencen und Lieder.

Mehr Infos:
www.hajoheist.de

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Renate Jung aus Erfurt | 12.03.2016 | 23:41  
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