"Ihr seid ja wie wir" - Wie Rapmusik Jugendliche zusammenbringt

"Musik kann Brücken bauen", ist sich Anita Merten, Sozialarbeiterin im Jugendclub „Berliner“, sicher und erlebt das gerade dort in den Rap-Musik-Workshops.
 
Erste Rap-Versuche am Mikrofon. Am Ende wird aus der Zusammenarbeit aller sogar ein ganzer Song. (Foto: Anita Merten)
Rappen schafft Nähe - das beweist ein cooles Musikprojekt: Im Erfurter Jugendclub "Berliner" produzieren junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund eigene Songtexte und Beats.


Es ist schwierig, miteinander zu reden. Die Neuen werden von denen, die schon länger da sind, misstrauisch beschnuppert. Das ist immer so, hier im Club. Sprechen die Neuen außerdem eine fremde Sprache, fällt es noch schwerer, sich anzunähern. Zum Glück haben sie ja die Musik. Da müssen die Jungs und Mädchen bei der Aufwärmrunde erst einmal nicht viel sagen. Nur fühlen, den Rhythmus spüren, dazu klatschen, ein bisschen mit den Füßen trampeln, immer schön im Takt. Das macht Spaß, zaubert jedem in der Runde ein Lachen ins Gesicht. Jetzt sind sie doch irgendwie gleich, sie wollen dasselbe. Rappen, einen Song schreiben.


Mit seinen Rap-Musik-Workshops bringt der Erfurter Johanniter-Jugendclub "Berliner" deutsche Jugendliche und junge Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, zusammen. Gemeinsam feilen sie an Songtexten und dem passenden Rap, bekommen dabei Unterstützung von den Musikern Maximilian Debuch und Michael Blanco Perez und von einem Dolmetscher. "Musik verbindet. Sie kann eine Brücke zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen schlagen und helfen, Differenzen zu überwinden", weiß Anita Merten, Sozialarbeiterin im "Berliner". Nach den ersten drei Workshops ist der erste Song der jungen Kreativen im Kasten, den nächsten wollen die Nachwuchs-Rapper aus Deutschland, Syrien und Afghanistan noch in dieser Woche fertigstellen. Das Thema Flucht haben sie sich für ihr Erstlingswerk ausgesucht, da waren sich alle schnell einig. Im zweiten Lied geht es um Liebe und Freundschaft, das, was sie alle bewegt.

Vorurteile beiseite schieben


Der Jüngste von ihnen ist neun, die Älteren um die 20 Jahre alt. Anita Merten freut sich, dass die Workshop-Teilnehmer so sehr bei der Sache sind, über Texte nachdenken, die Beats zusammenstellen, den Rhythmus suchen. Sie haben Spaß dabei, vergessen für diese kostbaren Momente ihre Angst vor dem Fremden, Unbekannten, rücken ein Stück näher. Vorurteile, für viele der Jugendlichen ein täglicher Begleiter, haben Pause. Vielleicht werden sie ja sogar ein wenig kleiner. Die Sozialarbeiterin spricht von Berührungsängsten, davon, dass viele Menschen in dem Wohngebiet rund um den Jugendclub unsicher und unzufrieden sind, ihre Bedenken natürlich auch in Gegenwart der Kinder aussprechen. Die Kleinen tun es den Großen gleich. "Das ist bei uns im Club schon sehr spürbar, wir versuchen, dem intensiv entgegenzuwirken", erklärt Anita Merten. Auch mit dem Rap-Projekt.


"Wir können natürlich die Welt nicht neu erfinden, nicht plötzlich alle Vorurteile abbauen", weiß die Sozialarbeiterin. Aber schon kleine Schritte können Veränderungen bewirken. Mit der Musik, der gemeinsamen Aufgabe entsteht Nähe. Und die Erkenntnis, dass die anderen gar nicht so anders sind. "Ganz normale Menschen, so wie wir auch!"


Eines Tages, so wünscht es sich die engagierte junge Frau, hofft sie, dass im Jugendclub deutsche und andere Besucher ganz normal miteinander umgehen. Dass einer den anderen akzeptiert, ihn nicht als Projektionsfläche benutzt. Dass die, die flüchten mussten, hier ganz angekommen sind. Bei den Musik-Workshops funktioniert das schon ganz gut.




Kontakt:


Bis September finden weitere Workshops statt. Wer sich ausprobieren möchte im Rappen, Singen, Texte schreiben, Beatboxen oder Instrumente spielen, kann jederzeit einsteigen. Kontakt: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Jugendclub "Berliner" in der Berliner Straße 26 in Erfurt, Telefon 0361/6554141.

Unterstützung fürs Projekt



Das Musikprojekt im Rahmen des Programms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das "Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit" und die Landeshauptstadt Erfurt.
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