Improvisationstheater Buntwäsche 60 Grad: "Das Publikum will dich leiden sehen"

Buntwäsche 60 Grad: Improvisationstheater aus Erfurt. Foto: A.Heyder
Improvisationstheater Buntwäsche 60 Grad – Wer ein As aus dem Ärmel schütteln will, muss vorher erst was reintun

Je schräger der Begriff, desto leichter lässt sich damit arbeiten. „Buntwäsche 60 Grad“ ist Theater. Improvisationstheater. Wohl die einzige Spielart, bei der das Publikum das Programm vollständig bestimmt.
Und das geht so: Auf Zuruf müssen die Akteure nach einem Begriff aus dem Publikum eine Geschichte erzählen, improvisieren. Dabei sind sich die Erfurter Laien-Schauspieler einig: Je verrückter die Vorgabe, desto leichter lässt sich etwas daraus machen. Ins Stocken kommt das Waschprogramm nur dann, wenn die Vokabeln langweilig sind. „Das Publikum will dich ja leiden sehen – und auch, wie du diese Herausforderung meisterst“, erklärt Buntwäscher Detlef Fengler.

Inzwischen hat keiner mehr Angst vor dem spontanen Klobesuch, vorm Schwul sein oder dem Saunabesuch. Das wird oft gewünscht. Die Akteure machen das inzwischen fast mit Links. „Bei uns entsteht jedes Mal aufs Neue ein Stehgreif-Theaterstück. Absolut einmalig und nur für diesen Abend. Immer spontan und frei aus den Vorgaben“, so Fengler.
Er erklärt, was passiert, in den Sekunden nachdem der Begriff gefallen ist: „Zunächst ist mein Kopf leer, das Publikum wirft mir Ideen zu, meine Mitspieler auf der Bühne geben ein weiteres Stichwort, meine Körperhaltung vermittelt mir eine Emotion, meine Synapsen schließen sich, der Vorhang öffnet sich und schon bin ich ein kleiner Junge. Ein Hausmeister, eine Diva, ein Kobold oder auch Cinderella…“.

Dabei nehmen Fengler und seine Mitstreiter Einflüsse auf, die just in diesem Moment auf sie einstürzen, bauen sie in die Handlung ein. Dazu wird ein Passage aus dem eigenen Leben gemixt oder etwas aus einem Märchen.Fast jedes der Hindernisse ist zu meistern. „Spontanität zu proben klingt blöd. Aber man kann lernen, seiner Intuition zu vertrauen. Aus der allerklein­sten Vorgabe ein ganzes Drama zu entwickeln. Sich auf Ideen der Mitspieler einzulassen bzw. darauf zu vertrauen, dass eine andere Spielerin dir bei einer ‚verkackten‘ Szene aus der Patsche hilft.“ Und natürlich müsse man immer wieder neue Spiele, ­Dar­stellungsformen und ­Genres probieren.
Denn wenn man ein As aus dem Ärmel schütteln will, muss man vorher was reinpacken.

Nächster Waschgang:
Freitag 4. Mai 20:30Uhr im Cafe Duck Dich in der Engelsburg Erfurt.
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