in memoriam Walter Schilling (1930-2013) - Menschrechtspreisträger der Stadt Weimar verstorben

Walter Schilling – ein Theologe nah an den Menschen

Erhart und Hildigund Neubert schreiben dazu:

" Am 29. Januar verstarb der Thüringer evangelische Pfarrer Walter Schilling im 83. Lebensjahr. Wie kaum jemand verkörperte er eine Kirche, die für andere lebt und wirkt, die Gottesliebe und Nächstenliebe in konkrete Handlungen umzusetzen versteht. Er war ein Gesicht der Kirche, die der Wahrheit verpflichtet ist, wenn um sie herum oder gar in ihr selbst die duckmäuserische Lüge wabert. Walter Schilling galt seit den 1970er Jahren als Vater der „Offenen Arbeit“ der Kirchen, die sich für Menschen öffnete, die in der Staatsgesellschaft der DDR keinen Platz finden konnten. Das waren sehr viele, die heute um ihn trauern.
Schilling unterstützte junge Menschen, die als Außenseiter humpelten, statt in der marschierenden Staatsjugend Befehle auszuführen. Er lebte mit ihnen eine eigenständige Subkultur, statt in der Unkultur des sozialistischen Gleichschrittes ihre Individualität zu verleugnen. Er stand Menschen bei, die die Staatssicherheit im Visier hatte. Er kümmerte sich um Inhaftierte, Wehrdienstverweigerer, Verfolgte und Ausgegrenzte. Er setzte sich für die Freiheits- und Menschenrechte ein, als viele andere solche Rechte überhaupt verleugneten.
Walter Schilling sammelte hunderte junge Leute in seinem Heim in Braunsdorf bei Rudolstadt, das für viele eine geistige Heimat und eine Zufluchtstelle wurde. Er reiste mit seinem Trabbi unermüdlich durch die DDR, scharte Jugendarbeiter um sich, entwarf Konzepte für die Emanzipation in einer Knechtsgesellschaft. Er arbeitete einige Zeit in Berlin, um die dortige Jugendarbeit zu unterstützen. Er beteiligte sich in der friedlichen Revolution 1989. Das alles machte ihn zum Oppositionellen, der andere befähigte, Freiheit zu leben, statt sich feige zu unterwerfen. So hat er hat unzählige Menschen geprägt, die später zum Kern der Bürgerbewegung werden sollten.
Sein Lebensweg zeigt eine Karriere der Menschlichkeit. Schon sein Vater, nach dem Krieg Superintendent in Oberlind bei Sonneberg, war ein gottesfürchtiger konservativer Theologe, der zur widerständigen Bekennenden Kirche im Nationalsozialismus gehörte. Walter arbeitete als junger Mann im Bergwerk. Seine Empathie für geschundene Menschen verlor er auch nicht als Vikar und Pfarrer. In der Zuwendung zu den Bedrängten lebte er einen unkonventionellen Lebensstil. Walter Schilling war im wahren Sinne des Wortes ein Heiliger, einer der Seelen heilte, dessen Ausstrahlung und Charisma die Brücke war, auf der Menschen das Ufer eines selbstbewussten und verantwortungsvollen Lebens erreichten."



Die Trauerfeier findet am Samstag, den 2. Februar um 14 Uhr in der Kirche in Braunsdorf (bei Saalfeld) statt.
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16 Kommentare
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Johannes Haak aus Ilmenau | 31.01.2013 | 06:32  
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Claudia Kühn aus Erfurt | 01.02.2013 | 14:42  
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André Mueller aus Saalfeld | 03.02.2013 | 13:12  
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Claudia Kühn aus Erfurt | 03.02.2013 | 19:03  
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Johannes Haak aus Ilmenau | 04.02.2013 | 14:13  
Wolfgang Rewicki aus Eisenach | 05.02.2013 | 08:44  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 05.02.2013 | 10:28  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 05.02.2013 | 17:03  
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Michael Kleim aus Gera | 05.02.2013 | 17:39  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 05.02.2013 | 19:36  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 06.02.2013 | 07:27  
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Michael Kleim aus Gera | 06.02.2013 | 11:57  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.02.2013 | 12:39  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 09.02.2013 | 10:25  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 09.02.2013 | 11:02  
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Johannes Haak aus Ilmenau | 09.02.2013 | 16:39  
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