Jetzt forschen wir mal

Als echte Oma habe ich natürlich Enkelkinder. Genauer gesagt: Es sind drei.
Diese Jungmenschen sind sehr unterschiedlich. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich an Clarissa (12) meine Gene weitergegeben habe.
Das ist auch gut so. Eine Erklärung dafür habe ich im Beitrag "Welcher Typ bin ich?" in der AA vom Sonntag, den 10.07.2011, nachgelesen. Es steht fest: Wir sind der intellektuelle Typ mit dem sozialen Herzen.
Einst hat die Familie immer behauptet, ich sei hundertprozentig nach meiner Uroma Elise (Eve-Elisabethe) geraten. Sie war Jahrgang 1855, heiratete mit 39 Jahren, bekam mit 49 Jahren ihren Sohn Otto und gründete das Frauen-Schnuzen-Komitee (Schnauze) in Eisenach. Hier konnten Frauen ihren Ärger über die Männerwelt ablassen und noch ein kleines bisschen mehr.
Dieser Uroma Elise verdanken wir all die schönen Fotos aus grauer Vorzeit, denn sie liebte die Fotografie sehr. Unter anderem gibt es ein wunderschönes Foto von ihrer Tochter, meiner Oma Lene (Marie-Magdalena) zur Konfirmation, im Jahr 1905.
Meine Uroma liebte auch Bücher. So ist der ganze Jahrgang 1885 der "Gartenlaube" auf mich gekommen. Ihr gehörte die Welt, obwohl sie aus armen Verhältnissen stammte. Es war ihre unglaubliche Energie, die sie befähigte, das Leben zu meistern.
Ich habe schon früh begonnen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ich liebe die Geschichte und Geschichten.

Jetzt sind Ferien. Clarissa und ich wollen uns weitere Ziele setzen. Angefangen hat es mit der Serie das Haus "Anubis" auf Nickelodeon. Der Direktor in dieser Serie redet viel in Latein. Es wäre nicht Clarissa, wenn sie nicht wissen wollte, was er sagt. So habe ich ein Latein-Wörterbuch gekauft. Mit dem Buch in der Hand können wir uns jetzt viele Schriften an alten Gebäuden und Kirchen erklären.
Es gibt nicht nur die Pyramiden, auch bei uns geht es oft erstaunlich zu. Clarissa wollte wissen, wie die Hexen in den Harz kamen. Keine Ahnung! Wo sollen wir da anfangen?

In Bad Harzburg kamen wir auf eine Spur. Wohin man dort auch kommt, "Krodo" ist schon da. Straßen, Bäder und ein großes Spielzentrum sind nach ihm benannt. Auf der Rückseite der Speisekarte im Spieleland-Restaurant stand, "Krodo" sei einst eine sehr beliebte Gottheit gewesen. Es gab ein Standbild von ihm auf der Harzburg. Im Zuge der Christianisierung soll der Frankenkönig Karl der Große dieses Standbild eigenhändig zerschlagen haben.
Aber Krodo war dadurch nicht einfach weg! Ihm war ein Tempel unterhalb der Blankenburg geweiht, in dem seine Dienerinnen den Gott verehrten.
Doch was Karl der Große anfing, das machte er gründlich. Natürlich wurde auch diese Weihestätte zerstört. Den Dienerinnen des gestürzten Gottes legte man nahe, in ein Kloster zu gehen. Da sich die kundigen Kräuterfrauen weigerten, wurden sie zu Hexen erklärt und spuken seitdem im Harz herum.
Aber in den Augustnächten, um Mitternacht, wenn es aus den Plejaden Sternschnuppen regnet, kann man sich eine Nacht mit Krodo wünschen. Er kommt bestimmt und bringt auch Wein und Fröhlichkeit mit. Ein bisschen ähnelt er dem römischen Gott Bacchus.
In dem Spieleland gibt es auch so eine Art Thing-Stätte. Da sitzen auf langen Stangen zwei Raben.
"Omi, was soll das denn heißen?" erkundigte sich Clarissa.
"Das sind Hugin und Munin, die heiligen Raben des obersten Germanengottes Odin."
Und das Pferd, fragt Clarissa. Das ist Steipnir, es gehört der Göttin Freya, Gattin von Odin, die in Thüringen Frau Holle heißt.
Doch das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Aber der Harz ist und bleibt geheimnisvoll. Wir haben in der Nähe von Bad Grund eine Höhle besucht. Hier lebte in der Bronzezeit eine Familie, von der man die Skelette fand. Mutter, Vater und ein etwa 12 Jahre altes Mädchen. Clarissa ist ebenfalls 12 Jahre alt, deshalb was es für sie besonders interessant. Anhand der gefundenen Skelette hat man diese Menschen nachgebildet, sodass man ihnen direkt in die Augen sehen kann. Das ist schon sehr persönlich.

Während sich Clarissa in der Höhle umschaute, habe ich mir die Texttafeln durchgesehen. Da hatte jemand diese Höhlenmenschen zum Gegenstand seiner Doktorarbeit gemacht. Er ließ in einem sehr großzügigen Umfeld von Bad Grund DNA-Tests in der Bevölkerung machen, wie man es sonst nur bei schweren Verbrechen an Menschen tut.
Aber es kam dabei heraus, dass zwei heute hier lebende Menschen direkte Nachfahren der Familie aus der Bronzezeit sind. Die Herren stehen auf Wunsch zu Gesprächen bereit.
Bekanntermaßen führt eine abgeschlossene Entdeckung gleich zur nächsten. In diesem Fall war es die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra. Es wird vermutet, dass sie für eine große Zahl von Bronzezeit-Menschen in einem weiten Gebiet wichtig war.
Tatsächlich befindet sich im Umfeld von Nebra uralter, geschichtsträchtiger Boden. Im nahen Memleben in der ehemaligen Kaiserpfalz soll das Herz von Kaiser Otto beerdigt worden sein.
Nach langem Nachdenken meinte Clarissa: "Die Geschichten hängen alle an einem roten Faden, der uns weiter und weiter führt." Ja, so ist es.

In diesem Jahr wollen wir uns mal der Flora und Fauna zuwenden. In Bad Langensalza gibt es u.a. einen Garten mit zahlreichen historischen Bäumen.
Schöne Ferien für alle - und dann forscht mal los!
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