Kampfansage an den Pleitegeier

Vier der Erfinderkinder aus dem Jugendhaus Maxi
Erfurt: Jugendhaus Maxi | Was bringt wohl mehr Punkte? Das ausrangierte Spielzeug auf dem Flohmarkt zu verkaufen? Oder durch eine Schwarzfahrt das Geld für die Straßenbahn zu sparen? Sich für einen Freund einzusetzen, der gemobbt wird? Oder ein Skateboard anzuschaffen...?

Den Kindern sieht man es förmlich an, wie sie überlegen und abwägen. Treffen sie die richtigen Entscheidungen, werden sie belohnt. Mit Spielgeld, Spaß- oder Freundschaftspunkten. Geht das Ganze immer wieder schief, dann wartet schon der Pleitegeier auf sie. Und der ist äußerst gefräßig... So wie im normalen Leben auch.

Bislang kennen nur sieben Erfurter Kinder das Spiel „Sparschwein oder Pleitegeier?“. Sie nennen sich Erfinderkinder und haben das Gesellschaftsspiel gemeinsam mit den Verantwortlichen im Jugendhaus Maxi in den vergangenen Monaten in einer echten Fleißarbeit entwickelt.

Die Projektidee des Trägervereins Perspektiv e.V. hatte sich zuvor als eine der wenigen bei der Telekom-geförderten Initiative „Ich kann was!“ durchgesetzt. Es sollte darum gehen, Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit Geld nahezubringen. Alles gekoppelt mit jeder Menge Spaß und so einigen Herausforderungen. Und immer ganz nah dran am Alltag. „Unser Jugendhaus befindet sich mitten in einem sozialen Brennpunkt“, weiß Anja Bachmann vom Verein. In den Familien vieler Besucherkinder spielt Geld eine große Rolle. Besser gesagt, Geld, das zu wenig ist. Es geht um Geborgtes und um nicht-sparen-können, darum, dass es irgendwie nie reicht und dass Wünsche oft nichts mit der Realität gemein haben.

Die sieben Erfinderkinder also befassten sich in den vergangenen sechs Monaten auf ihre eigene, ganz intensive Weise mit dem Thema Geld. Sie waren als Preisdetektive in den verschiedensten Geschäften unterwegs, veranstalteten Workshops und Rollenspiele und fragten den Mitarbeitern einer großen Bank und einer Schuldenberaterin beinahe Löcher in den Bauch. Jetzt, so sagen sie alle, verstehen sie alles viel besser.

Doch nicht nur Geld spielt eine große Rolle im Leben. Und in ihrem Spiel. Denn das ist längst nicht alles, worauf es ankommt. Mindestens ebenso wichtig ist es, ein anständiger Mensch zu sein, Freunde zu haben und für sie da zu sein. Natürlich darf man sich auch einmal etwas gönnen, das ist klar. Deshalb gibt es nicht nur das selbstentworfene Spielgeld, sondern auch Spaßpunkte und Freundschaftspunkte. Wer auf die Wissensfragen gut antwortet und seine Entscheidungen wohl überlegt , kann eine Menge von ihnen sammeln. Am Ende wird er ganz sicher kein Pleitegeier sein.

Ab sofort ist es Geschichte, dass nur sieben Erfurter Kinder das Spiel kennen. Es wurde diese Woche präsentiert. Andere Jugendhäuser und Einrichtungen dürfen das Spiel gern ausleihen.
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