Katie Melua: 9 Millionen Fahrräder

Katie Melua, auf jeder Art von Bühne zu Hause. Foto: Axel Heyder
  Erfurt: Messe | Katie Melua liebt die Abwechslung. Sie scheint immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderungen zu sein. Ob Bohrinsel, kleiner Klub, iTunes-Festival oder die gigantische o2-Arena in London, ob Jazzfestival oder wie derzeit bei der Night of The Proms am 17. Dezember in Erfurt. Melua kann überall spielen, weil schöne Songs überall ankommen. AA-Redakteur Axel Heyder traf die Sängerin, bevor sie nach Erfurt kommt.

„Nine Million Bicycles “, ein schöner Song, steckt da eine Geschichte dahinter?

Als ich den Song das erste Mal hörte, hätte ich nie gedacht, dass es so ein großer Hit werden könnte. Es war der erste Titel, den mein Produzent Maik Batt ausschließlich für mich schrieb. Und nur für dieses Album. Zuvor haben wir Lieder eingespielt, die Mike bereits geschrieben hatte, oder haben Songalben gewälzt und nach guten Songs gesucht.

Woher stammt der Titel?

Das ist eine lustige Geschichte. Zu einer Promotion-Tour in China waren wir an einem freien Tag unterwegs. Die Dolmetscherin erwähnte ganz nebenbei, als wir eine kleine Stadttour mit ihr machten, es gäbe immerhin 9 Millionen Fahrräder in Peking. Mike sagte sofort: 'Songtitel, das ist ein Songtitel'. Einen Monat später hat er angefangen, ihn zu schreiben. Als er fertig war dachte ich, 'cool, da haben wir einen Titel über unsere Reise'. Niemals hätte ich vermutet, das er derart groß werden würde. Prinzipiell ist es schwer, soetwas vorauszusagen. Das können vielleicht nur eine Handvoll Leute auf dieser Welt, weil es von so vielen Komponenten abhängt.

Während Ihrer Karriere haben Sie immer wieder ungewöhnliche Dinge gemacht, wie ein Konzert auf der Ölplattform Sea Troll in der Nordsee. Brauchen Sie diesen Nervenkitzel?
Ich glaube schon. Es ging damals um einen Rekord für das Guinessbuch 2007, mit einem Konzert am tiefsten Punkt, an dem je gespielt wurde. Das war aber nicht so einfach. Ein langes und verrücktes Training mussten wir dafür absolvieren. Der Helikopterflug war das Gefährlichste dabei. Da gibt es regelmäßig Unfälle. Wir übten, wie wir die Plattform erreichen. Man hat uns darauf vorbereitet, falls der Helikopter ins Wasser stürzen würde. Allein das war ein Nervenkitzel. In einem Pool haben wir das Aussteigen trainiert, hatten orangefarbene Sicherheitsanzüge an und mussten das Fensterglas zerschlagen, um aus dem Helikopter und an die Oberfläche zu kommen. Auch das Erreichen und die Fahrt in einem Rettungsboot, das einem U-Boot ganz ähnlich war, war dabei.

Und das Konzert selbst, konnte man da überhaupt normal singen? Hat man da nicht zu viel Druck auf den Ohren?
Nein, das mit dem Druck war in Ordnung. Ich glaube die nehmen die Luft einfach mit nach unten. Aber allein die Tatsache, dass das ein Gebilde mitten auf dem Ozean ist und Du mit dem Fahrstuhl 300 Meter in die Tiefe fährst, das ist sehr aufregend. Die Fahrt in einem hölzernen Fahrkorb, der sehr langsam fährt, dauert allein zehn Minuten. Alles rattert, es fühlte sich an wie in einer alten Mine. So unwirklich ist das Ganze. Ich, als großer Fan des Films Alien, fühlte mich an die Isolation dort erinnert. Als ich auf die Plattform raus ging, dachte ich, das sieht aus, wie irgendein großes, futuristisches Gebilde.

Auch Ihr allererstes Konzert war sicher aufregend. Es fand gleich in einer großen Halle vor 2000 Menschen statt, nur mit einem kleinen Streichorchester im Rücken?
Ja, das war 2003 im Sheperds Bush Empire in London. Ich habe das einfach durchgezogen. Ohne eine Ahnung davon zu haben, ob das Musikmachen für mich andauern wird. Ich habe es in vollen Zügen genossen. Und jetzt, elf Jahr später, fühle ich mich glücklich, dass ich immer noch dabei bin.

… was ist heute anders?
Zu Beginn ist alles ´nur unglaublich, es ist verrückt und gleichzeitig schön. Aber, wie gesagt, man fragt sich, wie lange können diese Momente anhalten. Nach so vielen Jahren, die ich unterwegs bin, mit Orchestern, mit vielen Reisen und den Konzerte, mit der Arbeit an den Alben, da hat man sich einerseits mit all dem Trubel arrangiert, es macht einem nichts mehr aus. Andererseits, so scheint es mir, wird es mit zunehmendem Alter auch härter.

Haben Sie noch Lampenfieber?
Das ist sehr wechselhaft. Manchmal, beispielsweise als ich mit den Stranglers auf der Bühne stand und es eigentlich haben sollte, da kam es nicht. Und dann wieder kommt es völlig überraschend.

2009 haben sie eine USA-Konzertreise mit Kleinstkonzerten gemacht, wie kam das?
Zuvor hatte ich die Show in der o2-Arena in London, dort passen 16.000 Leute rein. Ich wollte wieder etwas anderes machen, ich spielte in kleinen Clubs und Bars, eine der schönsten Konzerttouren, die ich je gemacht habe. Es war nicht so schnelllebig, so hektisch wie hier in Europa. Zurück zu den Anfängen, nur ich und meine Gitarre. Aber um ehrlich zu sein: Würde ich nur soetwas machen, würde ich wohl von den großen Arenen träumen. Wenn du wiederum nur dort spielst, sehnst Du Dich nach den kleinen Läden. Die Mischung ist das Beste.

www.katimelua.de und www.katiemelua.com; Termin: 17. Dezember, Erfurt, Messehalle


Nine Million Bicycles
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2 Kommentare
Axel Heyder aus Erfurt | 14.12.2014 | 20:20  
6
Hans von Wirth aus Erfurt | 15.12.2014 | 20:07  
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