Kein Angebernachschlagewerk: Die Stimme von BAP, Wolfgang Niedecken, im Interview

Erfurt: An der Thüringenhalle | Wolfgang Niedecken, Sänger der Band Kölsch-Rockband BAP, ist ein außergewöhnlicher Mensch. Seit März ist er 60 Jahre alt, seine Energie und seine Leidenschaft sprühen allerdings weiter, als habe er gerade erst angefangen mit all dem... Ob für die Musik, sein Buch und was ihm mindestens genauso wichtig ist – das Projekt zur Unterstützung ehemaliger Kindersoldaten in Uganda und im Kongo – er scheint nicht müde, immer wieder alles zu geben. Der Allgemeine Anzeiger hat mit Wolfgang Niedecken sprechen können während eines Kurzbesuches in Erfurt. Mit seiner Band BAP ist er derzeit auf der Klassiker-Tour 2011, am 21. November ist er in der Thüringenhalle zu erleben.

BAP pflegen seit je her einen engen Fankontakt, was ist ihnen dabei so wichtig?
Uns ist es wichtig zu erfahren, ob wir verstanden worden sind, mit dem jeweils letzten, was wir heraus gebracht haben. Außerdem lege ich wert auf eine kontinuierliche und konsequente Arbeit. Diese Hakenschlagerei, die einem im Showgeschäft immer wieder nahe gelegt wird, ist gar nichts für mich.

Und wie genau gehen Sie an Ihre Arbeit ran?
Wichtig ist es, die Augen in der Welt offen zu haben, seine Sinne einzusetzen und empathiefähig zu bleiben, also die Fähigkeit zu besitzen, sich in die Lage andere Menschen zu versetzten.

Und sich gegebenenfalls dann zu engagieren...
Ja wir das mit dem Kindersoldatenprojekt in Nord-Uganda getan, wo wir inzwischen drei so wunderbare Dinger hingekriegt haben. Aber wir haben da auch Schwein gehabt, weil die Friedensverhandlungen begonnen hatten und die kriegerischen Auseinandersetzungen beendet waren. Und im Ost-Kongo, wo wir im März angefangen haben, sieht die Situation wieder anders aus. Dort ist der Krieg zwar offiziell beendet, aber die Milizen sind weiter zu Gange.

Wie kamen Sie gerade auf dieses Projekt?
Ich bin 2004 eingeladen worden als Botschafter einer Dachorganistion die heißt gemeinsam für Afrika, wo über 30 Hilfsorganisationen zusammengeschlossen sind. Die machen sich in Afrika stark, auch wenn gerade keine telegenen Großkatastrophen stattfinden. Die und Anne Will haben mich gefragt, ob ich das machen würde und ich habe zugesagt. Ich habe dann eine 10-tägige Rundreise mitgemacht. Das war schon hart. Aber deswegen musste ich auch selbst dorthin, um die Hitze, den Dreck und das Elend selbst zu sehen. Außerdem musst Du die eigene Angst überwinden.

Wie lange haben sie an diesem autobiografischen „Für ne Moment“ gearbeitet?
Insgesamt, mit Unterbrechungen haben Oliver Kobold und ich zweieinhalb Jahre daran gesessen. Der 60. Geburtstag nahte und das war eine gute Gelegenheit. Für jedes Kapital haben wir bis zu einer Woche zusammengesessen und das Band laufen lassen. Daraus hat er dann dieses Buch verfasst, das keine Biografie ist, wie sie normalerweise stattfindet. Es ist ein autobiografischer Text, aber nicht, wie es bei Musikern immer gerne gemacht wird. Hier werden nicht alle Erfolge hintereinander abkommentiert. Und dann hast Du irgendwann so ein langweiliges Angebernachschlagewerk.

Was findet sich denn darin?
Es sind jede Menge Katastrophen drin, es wird auch viel gelacht. Wenn man es von vorne bis hinten durch hat, dann weiß man, wie ich ticke. Das war mit die Hauptsache dabei.

Haben Sie dann selbst das Buch gelesen, um zu wissen wie Wolfgang Niedecken tickt?
(Lacht). Ja ich lese immer mal gerne darin. Ich habe auch schon an die 40 Lesungen damit gemacht, wunderbare Abende von epischer Länge. Ich lese und spiele Songs.

Was bedeutet epische Länge?
Für den Abend muss sich niemand mehr etwas vornehmen und ich komme nicht vor Mitternacht raus.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige