Kerspleben: Ein Dorf macht Theater

Sie gehören zu den Laien-Darstellern, die in diesem Jahr auf der Kersplebener Theaterbühne stehen: Luise Bräutigam, Marcus Kühn und Valentin Lorenz. Für das Stück "Schiff ahoi" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, in den Kostümen wird aber erst kurz vor den Aufführungen geprobt.
Erfurt: Kirche |

Seit zehn Jahren ist das Sommertheater mit Dorfbewohnern als Darstellern der Hit in Kerspleben.



Verrückte haben's auch nicht leicht. Das können die Kersplebener beschwören, schließlich haben sie es selbst erlebt. Nicht wirklich die Verrückten, sondern eine Aufführung mit genau jenem Titel. Auch über die Maikönigin haben sie sich köstlich amüsiert, die Pension Sulzenbergblick kennengelernt oder das Chaos auf dem Bauernhof erlebt. Die Schauspieler auf der Bühne kennen sie so gut wie ihre Nachbarn. Es sind ihre Nachbarn. Die Kersplebener machen ihr Theater selbst, die Darsteller sind allesamt Dorfbewohner und Schauspiel-Laien.


“Unser Sommertheater ist der absolute Höhepunkt im Ort, die Leute fragen immer schon Monate vorher danach“, berichtet Karin Kahlich, die Vorsitzende des veranstaltenden Heimat- und Geschichtsvereins von der gemeinschaftlichen Vorfreude auf die zwei Theatertage. Als im Jahr 2006 mit dem „Schwarzen Hans“ das erste Stück über die Bühne ging, hatte keiner gedacht, dass sich das Ganze derart gut entwickeln würde. Längst reicht der Hof als Ort der ersten Veranstaltung nicht mehr aus für die Zuschauer, das Sommertheater hat im Pfarrgarten seine Heimat gefunden und ist nun schon zum zehnten Mal zu erleben. „Schiff ahoi“ heißt es diesmal.


In diesen Tagen haben die Theater-Macher in dem 2000-Seelen-Ort vor den Toren Erfurts alle Hände voll zu tun. Die nötigen Requisiten sind zusammengetragen, mit den Kostümen dürfte auch alles klar gehen. „Wir suchen im Laufe der Zeit alles zusammen, was wir brauchen, jeder hat irgendwo Bekannte, die das eine oder andere haben könnten oder kennt jemanden, der helfen kann“, berichtet Karin Kahlich von den Vorbereitungen auf das neue Stück. Die Vereinsvorsitzende ist überglücklich, dass im Grunde der gesamte Ort mitzieht, von überallher gibt es Unterstützung, auch von den Handwerkern im Dorf. An den nötigen Darstellern mangelt es auch nicht, zum festen Stamm von etwa 15 Hobby-Schauspielern kommen immer wieder neue hinzu. Und für das extra Kindertheater, zu sehen vor dem eigentlichen Stück, stehen ebenfalls genügend Nachwuchs-Darsteller bereit.


Drei Wochen vor den Aufführungen geht die Probenarbeit in die heiße Phase, dabei haben die Regie-Führenden Kathi Rode, Willi Rogge und Anja Heilmann mächtig zu tun. „Die älteren Darsteller haben ihre Rollen immer schon am Anfang drauf, die Jüngeren lassen sich da lieber ein wenig Zeit und improvisieren manchmal. Da kommt dann sogar unsere Souffleuse ins Staunen“, erlebt Karin Kahlich jedes Jahr die unterschiedlichen Herangehensweisen. Sie lächelt dazu und weiß: Wenn es drauf ankommt, sind sie alle fit. Müssen sie auch, schließlich gibt es für keine Rolle eine Zweitbesetzung. Bisher ist aber noch nie einer ausgefallen, Schlimmeres als ein Platzregen ist auch noch nicht vorgekommen. Das Kersplebener Sommertheater steht unter einem guten Stern. Das liegt ganz bestimmt auch an der Auswahl der Stücke. Die sind nämlich immer sehr lustig. Besonders dann, wenn der eine oder andere liebevoll-ironische Seitenhieb auf das Dorf und seine Bewohner eingebaut wird, amüsieren sich die Theaterbesucher köstlich.

Termin:



10. Sommertheater in Kerspleben (im Pfarrgarten): „Schiff ahoi“, 29. August 19 Uhr, 30. August 16 Uhr. Im Vorprogramm zeigen die kleinen Künstler „Endlich Pause!“. Karten gibt es am Veranstaltungstag vor Ort.
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