Kunstkai bringt starke Typen aufs Papier

  Plötzlich ist er mittendrin. Er kommt sich vor, als habe er in einer anderen Zeit gelebt. Damals, im 18. Jahrhundert. „Für diese Zeit habe ich wirklich ein Faible“, gibt der Gothaer Kai Kretzschmar zu. Deshalb fließen dem Kunstmaler, Zeichner und Illustrator die Bilder mit Handlungen in jener Epoche wohl besonders leicht aus der Hand.

Grünes Herz illustriert



Mit seinen farbigen Illustrationen zu Ulf Annels neuem Buch „Das Grüne Herz schlägt zurück“, die nun auch in großem Format in einer Ausstellung zu sehen sind, konnte er seine Leidenschaft für Geschichte wunderbar ausleben. So wie schon zuvor, als er beim Gothaer Barockfest mehrfach Regie führte. „Wenn Ulf in seinem neuen Buch Historie und dazu kleine Histörchen erzählt, habe ich oft schon ein Bild im Kopf“, erzählt der Künstler von insprierenden Worten. Auch er versucht, mit seinen Zeichnungen kleine Geschichten zu erzählen. Und er freut sich, wenn sich der Betrachter auf eines seiner intensiv Bilder einlässt. Manchmal, gesteht er, bekommt der dafür sogar eine Belohnung, eine Entdeckung: Kai Kretzschmar liebt es, kleine Späße in dem Dargestellten zu verstecken. Ein Tier, das da nicht hingehört, einen starken Mann, der Häschenohren macht. „Das ist einfach in mir drin“, sagt er augenzwinkernd.

Schon immer Comicfan



Das, was in ihm steckt, drückt KunstKai am liebsten aber mit Cartoons aus. „Da komme ich her“, erinnert er sich an seine ersten selbst gezeichneten lustigen Hingucker. Damals war er sechs Jahre alt. Es gab dem Jungen einfach zu wenig Comics. Also machte er selber welche. Die Freunde belohnten ihn mit vielen Lachern.

Liebe zur Kunst ganz groß



Den Stift habe er all die Jahre nie aus der Hand gelegt, beteuert Kai Kretzschmar. Selbst damals nicht, als er einen 'ordentlichen' Beruf erlernte und Drogist wurde. Doch die Liebe zur Kunst war stärker. Heute ist der 40-Jährige längst hauptberuflich Künstler, malt und zeichnet und kreiert, karikiert, führt beim „Dinner auf Goth'sch“ Regie, will seine Bilderserie „Der Schatten“ vielleicht bald zu einem Trickfilm machen. Cartoons zeichnet er ständig, das geht bei ihm nicht anders. Oft fällt ihm spontan ein neues Motiv ein, wenn etwa ein Freund einen Witz macht oder einen launigen Spruch von den Lippen lässt.

Ganz viel Kai drin



Immer steckt auch ein bisschen Kai Kretzschmar in den Linien auf dem Papier. „Ja, da ist schon viel Persönliches mit drin“, gibt er zu. Und manche Menschen, Typen eben, denen er begegnet, findet er so außergewöhnlich, dass er sie als Vorlagen für seine Figuren nutzt. Reduziert auf das, was sie ausmacht, das Ganze dann schön überspitzt. Natürlich so, dass sich keine der lebenden Vorlagen wiedererkennt, das ist Ehrensache. Überhaupt, stellt Kai Kretzschmar augenzwinkernd fest, sei er manchmal viel zu nett. Dabei müsse er, um erfolgreich zu sein und bei den großen Satirezeitschriften einen Fuß in die Tür zu bekommen, in seinen Zeichnungen härter werden. „Aber dieses permanente Draufrumreiten liegt mir nicht“, sagt er. Da bleibt er lieber nett. Und hat trotzdem schon ganz gute Kontakte geknüpft, um sich weit über Gothas Grenzen hinaus mit seiner Kunst einen Namen zu machen.

Termin:



Die Ausstellung mit Kai Kretzschmars Bildern ist bis Ende November zu sehen: Galerie „club parterre“, Justhus-Perthes-Str. 11 in Gotha. Weitere Infos zum Künstler: www.kunstkai.de




Buch: Das Grüne Herz schlägt zurück



222 Mal hat sich der Erfurter „Arche“-Kabarettist und Autor Ulf Annel Gedanken über die Geschichte seines Heimatlandes gemacht - mal spöttisch, mal nachdenklich und oft mit direkten Bezügen zu aktuellen Ereignissen. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Entdeckungsreise von den steinzeitlichen Ur-Thüringern über die Reformation bis hin zum Ende der Thüringer Kleinstaaterei 1918, farbig bebildert von Kai Kretzschmar.
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