Land oder Stadt? Tag oder Nacht? Autorin Uta-Christine Breitenstein hat in diesem Interview die Wahl

Dr. Uta-Christine Breitenstein ist Zahnärztin in Erfurt. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte und kurze Geschichten. Sieben Bücher hat sie in den vergangenen drei Jahren schon veröffentlicht. (Foto: Foto-Atelier Merrbach)
Erfurt: Uta-Christine Breitenstein |

Sie ist Zahnärztin und gleichzeitig Autorin von mittlerweile sieben Büchern. Mit ihren Geschichten, Gedichten und persönlichen Lebensweisheiten lädt Uta-Christine Breitenstein ihre Leser zum Weinen, aber auch zum Lachen ein. Die Erfurterin lässt sich offenbar gerne alle Möglichkeiten offen. Daher gab ich ihr auch mit meinen Fragen immer die Wahl.

Sind Sie ein Stadtkind oder eher ein Landei?
Ich bin mit Leib und Seele Erfurterin. Thüringen ist meine Heimat und in Erfurt habe ich mein Zuhause. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich hier verbracht und fühle mich in der Stadt sehr wohl.

Meine familiären Wurzeln hingegen sind ländlich. Hier wurde meine Lebenseinstellung und ganzheitliche Denkweise geprägt. Als naturverbundener Mensch brauche und genieße ich neben dem Stadtleben auch die ländliche Idylle.

Einerseits schreiben Sie Märchen, andererseits teilen Sie Ihre ganz praktischen Lebenserfahrungen mit den Lesern. Also lieber fantasievoll oder realistisch?

Wir müssen in einer realen Welt leben, die wir bis zu einem bestimmten Punkt gezwungen sind anzunehmen. Durch unsere bewusste Wahrnehmung können wir erkennen, was gegeben, verbesserungsbedürftig ist und haben durchaus die Möglichkeit aktiv einzugreifen. Ich versuche das mit meinen Büchern. Dabei verpacke ich die Realität, das ungeschminkte Leben fantasievoll. Nicht selten ist die raue Wirklichkeit wie eine fade Speise, die mit Fantasie gewürzt, letztlich doch Genuss bringt.

Sie sind Zahnärztin und Hobby-Autorin. Bevorzugen Sie die Arbeit oder das Vergnügen?
Ich arbeite gern und damit oft zu viel. Dabei ist nicht jede verrichtete Arbeit Vergnügen. Dankbar bin ich dafür, in einem Beruf arbeiten zu können, der mich erfüllt. Das Schreiben empfinde ich nie als Mühe. Es lässt mich meine innere Ruhe finden und ganz ich selbst sein. Beides - ob als Schriftstellerin oder Zahnärztin - ist mir Freude und Bedürfnis zugleich.

Sie sind Jahrgang 1955. Wenn Sie auf Ihr Leben blicken, was ist Ihnen lieber: Jung und unschuldig oder älter und weise?

Nicht jeder junge Mensch ist unschuldig und so mancher Alte hat es faustdick hinter den Ohren. Doch ein Jugendlicher wird noch seine Erfahrungen machen, kann dazulernen, sich weiterentwickeln, und wird vielleicht später einmal ein weiser alter Mensch sein, der anderen gut tut.
Manchmal habe ich Angst, dass wahre Lebensweisheit, wie sie meine Großeltern hatten, in unseren schnellen, anonymen Zeiten verloren gehen könnte. Wünschen wir uns nicht alle Wurzeln, Familiengeschichten, einfach geliebt und durch Lebensweisheiten beschützt zu sein?

Jeder neu erwachende Tag ist auch ein Stück Neubeginn.



Sie schreiben lieber nachts, wenn Sie ganz für sich sind und Sie keiner stört. Die nächste Wahl müsste also einfach sein: Tag oder Nacht?
Tag und Nacht gehören zum Rhythmus der Natur, dem wir unser Leben angepasst haben. Jeder neu erwachende Tag ist auch ein Stück Neubeginn. Das Leben beginnt wieder zu pulsieren, es wird laut, kraftvoll und geschäftig, bis es am Abend wieder zur Ruhe kommt. Die Nacht mit ihren Lichtern und Konturen hat für mich etwas Geheimnisvolles. Ich liebe die friedvolle Stille, sitze dann gern in meinem Refugium und schreibe.

Es hat mal jemand zu Ihnen gesagt, mit Ihrer Art würden Sie Probleme ja quasi anziehen. Sind Sie zurückhaltend oder selbstbewusst?
Ich war nicht immer selbstbewusst und habe auch oft an mir gezweifelt. Trotzdem bin ich mir treu geblieben und wollte nie eine andere sein. Heute habe ich genügend Erfahrung. Ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben heißt aber auch, sich täglich kritisch mit sich selbst und seiner Umwelt auseinander zu setzen ohne sich dabei zu verlieren.


Freude und Glück sind wie Schmetterlinge.



„Weinen Sie mit mir, lachen Sie mit mir“ fordern Sie die Leser auch mit Ihren neuen Büchern „Auf einer Bank“ und „Schloss aus Eis und Schnee“ auf. Lieber lachen oder weinen?
Ob universell oder in unserem menschlichen Dasein, alles strebt ins Gleichgewicht. So ist es auch mit dem Lachen und Weinen. Das Leben kennt in der Regel Freude und Leid. Beides hat seinen Sinn. Wir sollten unser Leben dankbar annehmen, den Sinn unseres Daseins finden und es aktiv in die eigenen Hände nehmen. Tiefschläge, menschliche Enttäuschungen, Trauer, Zeiten des Weinens und Leidens erleben wir alle mehr oder weniger im Laufe unseres Weges bis zum unausweichlichen Tod. Doch gerade in schmerzlichen Zeiten lernen wir. Das, was wir hautnah erfahren haben, können wir nachempfinden und damit unseren Nächsten und das, was er fühlt besser verstehen. Damit schließt sich der Kreis. Auch wenn Menschen einander verletzen, so lernen wir doch füreinander und entwickeln uns im positiven Fall weiter. Freude und Glück sind wie Schmetterlinge, leicht und bunt. Leid ist absolute Tiefe.

Und ist Ihr Glas halb leer oder halb voll?
Pessimismus vergiftet das ohnehin schon schwierige Leben. Wer dieses Leben überstehen und meistern will, braucht ein halb volles Glas und eine positive Lebenseinstellung.

Zur Person

Dr. Uta-Christine Breitenstein ist Zahnärztin in Erfurt. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte und kurze Geschichten. Sieben Bücher hat sie in den vergangenen drei Jahren schon veröffentlicht. Seit 2014 ist sie Mitglied im Bundesverband Deutscher Schriftsteller-Ärzte e.V. Im vergangenen Jahr gründete sie den Turricula-Verlag Erfurt - Infos: www.turricula-verlag-erfurt.de. Auch auf unserem Mitmachportal www.meinAnzeiger.de veröffentlicht sie ab sofort Lyrik und Prosa.
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