Lebendige Orgel: Das weltweit einzige Orgelpfeifenorchester aus Schlossvippach

 

In Schlossvippach gibt es eine ganz besondere musikalische Vereinigung, das Orgelpfeifenorchester. Das einzige weltweit...

Noten kennen müssen sie nicht. Noch nicht einmal musikalisch sein. Aber wenn sie jedes Mal höllisch aufpassen, klingt das, was sie tun, einfach wunderbar. Zusammen sind sie die "Schloßvippacher Orgelpfeifer" - nicht '...pfeifen', darauf bestehen sie - das weltweit einzige Orgelpfeifenorchester der Welt. Niemand anderes macht auf diese Art Musik. "Zumindest haben das unsere Recherchen ergeben", weiß Ingrid Schiller, eines der Orchestermitglieder in vorderster Reihe.

Ohne Dirigent kein Lied


Ihr Mann Manfred ist das Herzstück des Orchesters. "Naja, sagen wir lieber Musikgruppe", schmunzelt er. Aber es stimmt: Ohne ihn kommt kein Lied zustande. Die Erklärung ist einfach: Jede Orgelpfeife ergibt nur einen Ton. "Stellen Sie sich mal einen Gesangsverein vor, wo jeder nur einen Ton kann", macht er die Sache anschaulich. Die derzeit verwendeten Orgelpfeifen, von denen manche 175 Jahre alt ist, sind unterschiedlich groß, zwischen 30 und 75 Zentimter lang. Sie besitzen natürlich kein Mundstück. Trotzdem ist es einfach, ihnen den richtigen Ton zu entlocken, es braucht nicht mal viel Puste dafür.

Ton auf Fingerzeig


Dirigent Manfred Schiller fügt alles zusammen: Er steht vor der Gruppe und zeigt auf jeden, der dran ist. Das muss mitunter schnell gehen, so manches flotte Musikstück gehört zum Repertoire. Jede Note - jeder Orgelpfeifer - muss dafür auf dem richtigen Platz sitzen, zusammen ergeben die Hobbymusiker in der ersten Reihe eine Oktave. Auf die zeigt der Dirigent. Die jeweils dahinter Sitzenden bringen dieselben Töne hervor. Natürlich nur, wenn sie alle genau aufpassen. Das ist das Geheimnis für das Spiel der lebendigen Orgel. Wer seinen Einsatz verpasst, ist für den fehlenden Ton verantwortlich.

Gesichter sind Noten


"Ich sehe nur die Noten vor mir, keine Gesichter", erklärt Manfred Schiller, der jedes Lied im Kopf hat. Volkslieder, Klassisches, Oper und Operette, Schlager, Trinklieder. Das kann er aus dem Effeff, schließlich hat er auf dem Konservatorium Musik studiert, spielt verschiedene Instrumente. Und nur er beherrscht die Orgelpfeifer. Andere, selbst die Chorleiterin des Ortes, die sich einmal aus Spaß am Dirigieren des ungewöhnlichen Orchesters versuchten, sind kläglich gescheitert. So viele Noten kennt nur Manfred Schiller auswendig.

Eigentlich eine Faschingslaune


Was 1986 aus einer Laune heraus geschah, macht inzwischen überall die Runde. Damals hatte Manfred Schiller aus einer abrissreifen Kirche die für den Schrott bestimmten Orgelpfeifen abgeholt. Irgendwann kam er auf die Idee, damit Musik zu machen. Mit 16 Mann - "zwei Oktaven müssen immer besetzt sein" - hatte die ungewöhnliche Vereinigung den ersten Auftritt, beim Karneval. Aus dem Spaß wurde mehr. 28 Jahre später zählt das Orgelpfeifenorchester 28 Mitglieder, selbst der Schlossvippacher Bürgermeister spielt mit. Eine große fröhliche Runde, die immer wieder ihre Zuhörer erstaunt. Sie sind gern gesehene Gäste zu verschiedenen Festen und Anlässen, waren auch schon mehrfach im Fernsehen zu erleben. "Aber für dieses Jahr hätten wir noch ein paar Termine frei für Auftritte", sagt Manfred Schiller.
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