light on the path - Lichttag

Erfurt: REGLERKIRCHE ERFURT - IM HERZEN DER STADT | Ich schaue aus meinem Fenster. Träumend. Mit guten Gedanken und dankbarem Erinnern. Die Sonne kitzelt meine Seele warm. Der tiefe Frost taut auf. Innerlich und äußerlich. Das alte Gemäuer der Kirche. Ich sehe es von meinem Schreibtisch aus. Dieser Blick hat etwas Besonderes. Gerade heute am 2. Februar. Durch das Kirchenfenster leuchtet der weiße Stern. Ein letztes mal. Es ist Lichtmess. Genau 40 Tage nach dem Christfest. Der Weihnachtsfestkreis endet heute. Erst heute. Ich nenne diesen Tag: Lichttag. Einen Tag des schönen, wärmenden Lichtes. Wie ich diesen Tag mag. Auf der Suche nach Licht und Hellem. Dem schönen Geheimnis der vergangenen Weihnacht.

Der 2. Februar ist für mich mit einer besonderen Person verbunden. Ich blicke auf die alte Kirche und denke zurück an besondere Begegnungen. Ich erinnere mich an eine alte Bäuerin. Ich habe sie tief in meinem Herzen verehrt. In der Anfangszeit meines Dienstes als junger Pfarrer besuchte ich diese Frau immer am 2. Februar. In einem kleinen Dorf in der Mitte Thüringens. Dort war es ziemlich trostlos. Die Kirche eine Ruine. Und von aktivem Leben keine Spur – scheinbar.

Doch die Menschen, die mir in diesem Dorf begegneten, waren und sind etwas Besonderes. Dazu gehörte die alte Bäuerin. Sie hatte Geburtstag. An Maria Lichtmess Geburtstag – am 2. Februar. Und immer erzählte sie aus Ihrem Leben. Ihren vielen inneren Verwundungen. Von ihrer harten Arbeit auf dem Acker. Die „gegerbten“ Hände waren stumme Zeugen. Doch ihre Augen leuchteten. Von ihr habe ich gelernt: Lichtmess war der Beginn des so genannten "Bauernjahres". An diesem Tag wurde nach der Winterpause die Arbeit wieder aufgenommen. Mit dem 2. Februar endete das Dienstbotenjahr. Die Mägde und Knechte bekamen den Rest ihres Jahreslohnes ausgezahlt. Und konnten sich eine neue Arbeitsstelle suchen. Arbeitsstelle. Von wegen Bitternis. Keine Spur, trotz zweier Weltkriege und Vertreibung mit viel Erlebtem und Durchlebtem. Die alte Bäuerin hatte etwas Grunddankbares in Ihrem Wesen. Das leuchtete nach außen. Ich konnte ihr Herz sehen. Für mich waren die Begegnungen mit ihr ein besonderes Erlebnis. Denn. Wen sie redete mit leiser Stimme und unaufgeregt. Und vor allem, immer staunend. Dann fiel mir das Zuhören ganz leicht.

Wenn sie sprach, spürte ich Ihr Herz voller Staunen. Immer wieder sagte sie, dass die Welt und alles, was in ihr zu finden ist, letztlich Geschenk ist. Und auf dieses Geschenk antwortete sie mit Danken und dem Gotteslob. Mit ganz einfachen Worten. „Danke, G´TT, für meine Leben.“ So hörte ich es von ihr immer wieder. Das nenne ich authentisch. Zeugnis zu geben von dem, der die Welt trägt. Das ewige Licht – es leuchte ihr. Für mich ist diese alte Bäuerin unvergessen. Und sie wurde zum stillen Vorbild für mich. Und von ihr kann ich schreiben, so, wie es der biblische Greis Simeon sagt – am Ende seines Lebens voller Dankbarkeit und Hoffnung: „Denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen, welchen Du bereitet hast vor allen Völkern, Ein Licht zu erleuchten die Welt. Und zum Preis Deines Volkes Israel.“ Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Lichttag, dem 2. Februar. Und dann in den kommenden Tagen.

Reglerkirche Erfurt

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2 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 05.02.2013 | 21:41  
472
Johannes Haak aus Ilmenau | 07.02.2013 | 07:10  
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