Literaturcafe

Lesung am 11.05.2016 im Ev. Augustinerkloster, Raum PRAG

Literarisch-musikalischer Abend mit Olaf Bessert und Ute Hinkeldein
Thema: Im Zeitenwind


Liebe Literaturfreunde,

ich freue mich über Ihr Kommen. Wir wollen heute gemeinsam eine Reise mit dem „Zeitenwind“ antreten.
Wind, das ist Bewegung. Angenehme, aber auch heftige, manchmal sogar übermächtiger, Sturm.
So sieht es auch im menschlichen Leben aus. Es ist eingeteilt in Kindheit, Schulzeit, Jugend und Berufsausbildung, Erwachsensein, Familie und Beruf, Alter und Greisenzeit.
Wer die Mitte des Lebens überschritten hat, der hat viele Erfahrungen gesammelt, ist reifer und gelassener geworden.
In dieser Zeit wirft man dann auch gern einen Blick zurück. Denn die Erinnerungen sind das Land, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
Im Mai 1945 begann mit viel Hoffnung die Nachkriegszeit. Zwischen Löwenzahn und Johanniskraut lag die Kindheit. Die Geldscheine trugen Kupons und auf den Briefmarken war „Sowjetische Besatzungszone“ aufgedruckt. Die Bekleidung der Kinder wuchs durch aufgenähte Streifen mit. Einen großen Teil der Zeit verbrachte man mit dem Anstehen beim Fleischer, beim Milchmann, im Konsum oder HO-Laden, beim Bäcker. Das waren nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigungen. Aber es musste sein.
Auch damals verflog die Zeit wie im Wind. Mit Brautkleid aus Plauener Spitze und bodenlangem Schleier stand ich mit meinem Mann im Eisenacher Barockschloss vor der Standesbeamtin. Voller Bewunderung riefen die Schneiderkolleginnen meiner Mutter aus: „Lotte, das hast Du so schön gemacht!“
Im Kreißsaal war ich ganz allein. Rainer studierte in Ilmenau. Das Baby, das wir bekamen, war so süß.
Die Zeit als junge Mutter blieb als schönste Zeit in meinem Leben in Erinnerung.
Lieblingsorte waren die Ostsee, Südtirol, der Kaukasus, Bethlehem, Jericho, Jerusalem, des Elsasses mit seinen Kirchen, die Provence, voll mit Lavendel, die Camargue mit den wilden Pferden.
Wir umschritten das Reich Karl des Großen, von der Maas bis an die Memel, von dem Etsch bis an den Belt, gondelten in Venedig und schaukelten im eigenen Garten.
Unfall und Krankheit verschonten uns nicht. Aber, im Krieg geboren, sage ich ganz klar:
„Krieg soll nie wieder sein!“

Jetzt singt und spielt Olaf Bessert für uns. Er und ich werden Sie abwechselnd durch das Programm begleiten.
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