Luthers Enkel am Sonntag unterwegs: Emporenmalerei begeistert noch heute

Restaurator Albert Hornemann
 
Emorenmalerei in der Kirche von Kornhochheim
Neudietendorf: Johanniskirche |

Die Emporenmalerei aus der Barockzeit begeistert in den Kirchen von Neudietendorf, Kornhochheim und Sülzenbrücken noch heute die Betrachter. Bei einer thematischen Wanderung am 7. Juni gibt es mehr darüber zu erfahren.



Immer, wenn Pfarrer Bernd Kramer die St. Nikolaus-Kirche in Kornhochheim betritt, wirft er auch einen Blick nach oben, zur Empore. 21 darauf gemalte Bilder sind dort erhalten, sie zeigen biblische Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament, verbinden mit dem Dargestellten beides.

Emporenmalerei ist typisch nur für evangelische Kirchen, sie entstanden meist zur Barockzeit, die Jahrzehnte um 1700 waren die hohe Zeit dieser Kirchenkunst. „Die Bilder dienten wohl vor allem der Glaubensvermittlung, viele Menschen konnten damals schließlich weder lesen noch schreiben“, vermutet Bernd Kramer. Gerade in der nachreformatorischen Zeit, in der sich der länger dauernde Predigt-Gottesdienst durchsetzte und nachträglich Emporen in die Kirche gebaut wurden, erwiesen sich die gemalten Darstellungen als wertvolle Ergänzung zu den Worten des Pfarrers. „Auch heute beziehe ich manchmal eines der Bilder in den Gottesdienst mit ein“, hält es auch der Pfarrer der Gegenwart so.

Bewahrens- und betrachtenswert



Vielleicht, so sinniert er, seien die Emporenmalereien in den verschiedenen Kirchen nicht immer die höchste Kunst der Malerei. Wertvoll im Sinne von bewahrens- und betrachtenswert sind sie allemal. Der Künstler, der mit seinem Pinselstrich die Empore der Kornhochheimer Kirche verzierte, ist unbekannt. Er nutzte als Vorlagen wohl zeitgemäße Holzschnitte, brachte sie dann als Ölbilder auf das Emporenholz.

Manches, wie der „Sündenfall“, zeigt sehr freizügige Gestalten. „Aber so war nun mal die biblische Geschichte“, findet Restaurator Albert Hornemann diese Ansichten ganz normal. Er war es, der 1998 die Bilder restaurierte und ist noch immer froh, dass damals die nötigen Mittel zusammenkamen. Emporenmalerei, so weiß der Experte, ist zwar keine Seltenheit, aber man muss auch nach ihr suchen. In etlichen Kirchen wurden sie entfernt oder übermalt. „Zum Glück rücken diese Malereien wieder mehr in den Mittelpunkt, werden sich immer mehr Menschen bewusst, welchen kleinen Schatz sie mit diesen Bildern in ihrer Kirche haben“, freut sich der Neudietendorfer über wachsende Aufmerksamkeit. Wenn er ins Plaudern gerät, kann er zu jedem einzelnen Bild etwas erzählen.


Gelegenheit zur Weitergabe seines Wissens hat der Restaurator bei der nächsten Veranstaltung „Luthers Enkel unterwegs“, die durch drei Kirchen im Gothaer Landkreis führt und sich dort den Emporenmalereien widmet. Ein wenig, überlegt Pfarrer Bernd Kramer laut, seien wir alle so etwas wie Luthers Enkel. „Das ist sozusagen ein transparenter Begriff für jeden, der sich im Glauben bewegt“, sagt er und hat das Motto ganz bewusst für seine Veranstaltungsreihe gewählt. Die erstreckt sich über die gesamte Reformationsdekade und bewegt sich mit verschiedenen Angeboten auf den Spuren Martin Luthers und der Reformation und ihrer Auswirkungen bis heute.


Termin:



“Luthers Enkel unterwegs“ - Wanderung zu den Kirchen in Neudietendorf, Kornhochheim und Sülzenbrücken: Sonntag, 7. Juni.

Start: 13.30 Uhr in der St. Johannis-Kirche in Neudietendorf. Restaurator Albert Hornemann spricht zur historischen und künstlerischen Bedeutung der Emporenmalerei, die Pfarrer laden zu Bildbetrachtung und kurzer Meditation ein. Am Zielpunkt sind die Teilnehmer zu einer Kaffeetafel und zu Bratwürsten eingeladen. Um 17 Uhr beginnt in der Sülzenbrücker Kirche zum Abschluss ein Konzert mit dem Philharmonischen Chor Erfurt.

Infos: Kirchengemeindeverbände Apfelstädt (Telefon 036202 / 90595) und Wachsenburggemeinde (Telefon 03628/660366).
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