Lyrik & Prosa von Uta-Christine Breitenstein: Alles hat seine Zeit.

Erfurt: Uta-Christine Breitenstein |

Alles hat seine Zeit



Omnia tempus habent (lat.): „Alles hat seine Zeit“. So dachten und formulierten es die alten Römer schon vor mehr als 2000 Jahren. Was gestern war, lassen wir hinter uns. Wir leben den Augenblick und können planen, aber nur ahnen, was morgen sein wird. Alles ist im Fluss. Da sind Zeiten der Dynamik, aber auch Zeiten der Ruhe, in der die Dinge reifen müssen. Die Reife bringt eine neue Qualität. Das richtige Maß von beiden, Ruhe und Dynamik, ermöglicht erst eine gesunde Entwicklung. Immer wiederkehrende Kreisläufe sind die Grundlage für unsere Existenz auf Erden. Das betrifft sowohl den Menschen als auch Gottes Natur mit ihren Tieren und Pflanzen. Uralte Gesteine schauen gelassen auf den Tanz der Eintagsfliegen. Und da durchlebt die Natur vier Jahreszeiten mit ihrer Vielfalt und dem Charme jeder Einzelnen. Wir sehen Eltern, die neues Leben einer neuen Generation in den Armen halten. Zeitgleich rücken sie in die nachfolgende Generation und haben ihre Eltern Großeltern werden lassen, während wiederum deren Eltern nun Urgroßeltern mit der Gewissheit ihres begrenzten Daseins auf Erden sind.
Vertraute Strukturen, Abläufe, unsere Rituale gestalten den Tag, das Jahr, das Leben in seinem Verlauf. Sie sind wichtig und geben uns mit ihrem Rhythmus das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit neben der Ungewissheit im Leben. Das betrifft jeden einzelnen von uns. Schauen wir auf das Ursprüngliche, so muss uns bewusst werden, dass wir einander als soziale Wesen brauchen, eingebettet in die Zeit und das große Ganze des Seins.
Piraterie ist so alt wie die Menschheit. Ich vermute, das wird über die Zeiten so bleiben. Doch in unserer Wohlstandgesellschaft zerstören wir uns selbst, in dem wir die lebensnotwendigen Phasen der Ruhe in sinnloser Dynamik und vielfacher Gedankenlosigkeit verbringen. Das Gleichgewicht im natürlichen Lebensraum hat der Mensch in seiner Selbstüberschätzung und Respektlosigkeit bereits empfindlich verletzt. Infolge fordert die Natur ihren Respekt ein, und der Mensch stößt an gewaltige Grenzen, die ihn deutlich begreifen lassen, wie machtlos und klein er sein kann.
Wir sind auf Erden, um zu lernen. In dieser, unserer Lebenszeit sollen wir Verantwortung füreinander tragen. Doch ich sehe zu viel Wohlstandsentartung mit ihren Süchten und einem gestörten Verhältnis zum Geben und Nehmen. Vertraute Werte werden zunehmend der sinnlosen Gier nach Konsum und dem Egoismus des Einzelnen in einer globalisierten Welt mit vermeintlich grenzenlosen Wahl-möglichkeiten geopfert. Ausgetragen wird das Ganze auf dem Rücken der Ärmsten und Schwächsten. Dazu gehören auch unsere Kinder, die dem Werteverfall ausgesetzt sind. Alter, Krankheit und Tod passen nicht in diese bunte, virtuell eingefärbte Welt mit ihrer gestellten Perfektionen, die ewige Jugend verspricht. Sicher ist der Wunsch nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit so alt wie die Menschheit. Die Zeit der Jugend mit ihrer Schönheit ist kraftvoll und verführerisch, jedoch nur eine Phase des Lebens. Wenn wir glauben, dem Alter und letztlich dem unausweichlichen Tod „ein Schnippchen schlagen zu können“, unterliegen wir einem schmerzlichen Irrtum, der den Blick auf das Leben nur begrenzen kann. Niemand wird das Morgen aufhalten und auch letztlich nicht das Altern. Aber zu verstehen, dass alles seine Zeit hat und darin eine Chance liegt, den richtigen Zeitpunkt dafür zu erspüren, kann ein qualitativer Gewinn im Leben sein. Jede Lebensphase hat ihren Sinn und auch eine wertvolle, schöne Seite. Entscheidend ist, dass wir immer neugierig bleiben, dazulernen, auch Dankbarkeit kennen und möglichst auf unser inneres und äußeres Gleichgewicht achten.
Wir müssen die Folgen der Verletzung der natürlichen Abläufe, in die sich der Mensch „als Gast auf dieser Erde“ integriert sehen sollte, und auch den Preis, den jeder einzelne von uns für eine solche Verletzung bezahlt, bedenken. Die Verantwortungslosigkeit im Denken und Handeln gegenüber Generationen, die nach uns leben werden, die Ignoranz gegenüber Verkümmerung und Vereinsamung als Folge mangelnder Sozialisierung im Sinne der Grundbedürfnisse eines jeden, sind genau so unwürdig wie der leichtsinnige Umgang mit unserer wunderbaren Natur.
Ein Anfang wäre schon gemacht,
wenn wir mit unseren Herzen sehn,
was lebend uns umgibt,
Bedürftigkeit die Hände reichen,
statt fordern, zu verstehn.
Statt künstlich Technik zu hofieren,
zu schätzen unser Sein.
Mit Weitblick unsere Welt beschützen.
Verantwortung für die mittragen,
die nach uns leben werden.
Zu handeln, statt zu reden nur.
Nur dann kann er vielleicht noch werden,
der Garten Eden hier auf Erden.

(Nachwort aus dem Buch "Alles hat seine Zeit", Karin Fischer Verlag 2013,
E-Book by Amazon 2015)

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