Lyrik & Prosa von Uta-Christine Breitenstein: Ein Wunsch frei.

Erfurt: Uta-Christine Breitenstein | Humorvolle Kurzgeschichte

Ein Wunsch frei



Gestern war Kostümball im Fürstensaal der Altstadt. Ein eisiger Tag im Februar. Ich überlegte, ob ich nach meinem harten Arbeitstag noch dort hingehen sollte. Kollegen hatten zwar Karten besorgt, doch irgendwie war ich nicht in Stimmung. Ich stellte den Fernseher an, um mir das lustige Treiben wenigstens gemütlich von meiner Couch aus anzuschauen. Meine Lieblinge, Kater Moritz und Graupapagei Peppino, gesellten sich zu mir. Ein Gläschen Wein für Frauchen, Nüsse für den Papagei, Leckerli für den Kater und uns ging’s bestens. Wir drei kuschelten miteinander und amüsierten uns über die lustigen Büttenreden. Hier und da wurden verkleidete, bunt bemalte Menschen eingeblendet, die zufrieden mit sich und dem Abend in die Kamera strahlten.
Unversehens grinste mir ein Gesicht, das ich lieber nie mehr hätte sehen wollen, Wange an Wange mit einer Schießbundenschönheit entgegen. Eigentlich hätte ich über den Dingen stehen sollen, doch irgendwie war der Abend gelaufen. Ich wurde ungerecht.
„Typisch, die einen arbeiten zu viel, die anderen feiern ständig“, zerfloss ich in Selbstgerechtigkeit.
Meine Tiere sahen mich gerade voller Mitleid aus ihren treuen Augen an, als plötzlich und unerwartet diese hinreißende kleine Gestalt mit perlmuttartig schimmernden Flügeln über dem Fernsehapparat flatterte. Zuerst dachte ich, es sei die Zahnfee, die mir als Zahnärztin durchaus vertraut ist. Als sie aber auf uns zukam, ließ ihr ungewöhnliches Kleid vermuten, dass sie eine andere Absicht hegte. Sie schwebte näher und sah mich liebevoll an.
„Bist du traurig?“, fragte sie mich mit zarter, wohlklingender Stimme. „Heute soll ein Tag der Freude sein“, sprach sie weiter, „so will ich dir einen Herzenswunsch erfüllen. Wünsche nur!“
Ich nahm meine geliebten Tiere in den Arm und antwortete, ohne lange überlegen zu müssen: „Wenn ich mir wirklich etwas wünschen darf, wünsche ich, dass aus meinen Tieren für diese Nacht Männer werden!“
Kaum hatte ich den Wunsch ausgesprochen, tat es einen großen, von Sternenglitzer begleiteten Knall. Gewünscht, erfüllt standen sie vor mir, zwei vollendete Männer, zwei, die mich schon immer bedingungslos geliebt hatten. Ich war sprachlos. Sie lächelten verschmitzt und verneigten sich.
„Geliebtes Frauchen, da sind wir!“
Es waren ein Mohr und ein Pirat. Ich staunte: Aus meinem hochsensiblen schwarzen Kater Moritz war tatsächlich dieser Mohr von vollkommener Schönheit geworden, so elegant, mit geschmeidigem Gang und tadellosem Benehmen. Anders mein Papagei Peppino, der schon seit zwanzig Jahren „hinter den Weiberröcken hergepfiffen hatte“: Verwegen, draufgängerisch, mit Spitzhut und Augenklappe stand er da, hielt ein Glas Rum in der einen und eine Zigarre in der anderen Hand. Ein richtiger Pirat! Beide wirkten ausgesprochen männlich. Ich war so stolz auf sie! Wir drei Freunde fassten uns bei den Händen und lachten erst einmal herzlich übereinander.
„Komm, mach dich schön, vor uns liegt eine tolle Nacht!“, forderten sie mich zum Mitgehen auf.
Es folgte eine Nacht voller Glückseligkeit, die nur uns zu gehören schien. Wir sahen den herrlichen Glanz der Lichter, fanden ein gemütliches Restaurant, schwatzten vertraut und genossen Musik, Tanz und – besonders zwei von uns – das gute Essen. Es war genau so, wie ich es mir von ganzem Herzen gewünscht hatte.
Als ich erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Ich streichelte meine geliebten Tiere Moritz und Peppino, die sich an mich schmiegten und noch vor sich hin schlummerten.
Wer weiß, vielleicht wird die Fee noch einmal kommen?

(Buch: Uta-Christine Breitenstein "Auf einer Bank" TURRICULA VERLAG ERFURT
2016 Paperback by Amazon u. Hugendubel, E-Book 2015 by Amazon)

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