Martinsmarkt Erfurt

Licht der Wahrheit –
Martin von Tours
(316 bis 397)

Taube aus Pannonien
bringst uns das Wort vom Licht.
Brichst aus kindheitsdunklem Stiefel
und römischen Soldatensein auf
um auf Schattenwegen
ins Land des Heils zu ziehen.
In Amiens kalter Nacht
teilst du den Mantel der Liebe
mit den Armen.
Und Christus spricht im Traum:
„Martin, die Mantelhälfte gabst du mir,
geh nach Portier und trag des Glaubens Flamme
in die Herzen der Franken.
Wandle und werde Bischof von Tours.“
Hell leuchtet dein Werk im Nebel der Zeit.
Dein Segen beschirmt immer noch
wie ein grünender Baum
Stadt und Land.
Am Martinstag streift dein Schutzengel
den Erfurter Dom
und das Lichtgefunkel der Laternen steigt
aus der Nacht zu dir auf.

Ute Hinkeldein



„Ich geh´ mit meiner Laterne...“
zum Martinsmarkt nach Erfurt.

Als wir kamen, sang ein junges Mädchen auf der Bühne „Moonlight Shadow“ von Juliane Werding.
Der Erfurter Martinsmarkt war überschaubar. Es gab noch zusätzlich, auf halber Höhe zum Dom, Buden und direkt vor dem Dom stand die Kinderbäckerei. Aber alle diese kleinen Hütten waren geschlossen. Ob sie wohl schon für den Weihnachtsmarkt bestimmt sind?
Beim Rundgang suchten wir nach Objekten, die der Tradition des Martinstages entsprachen.
Da wären die Gänse vom Thüringer Zoopark. Eine ganz furchtlose Schnatterliese steckte den Kopf durchs Gatter und biss in meine Steppjacke. Die lieben Tiere sind es gewohnt, dass sie gefüttert werden.
Das Restaurant des Zooparks bot Martinshörnchen an, gefüllt mit Pflaumenmus oder Persipan. Der Verkäufer wünschte sich mehr Kundschaft. Zur Zeit lohnt sich der Einsatz nicht. Die Presse meldete 40 Stände, aber so viele waren es nicht. Nur an acht Buden gab es typische Martini-Artikel; Kerzen gab es an drei Ständen. Ein Stand bot Kerzenziehen an. Besonders das Kerzentauchen wurde von Kindergarten- und Grundschulkindern gern genutzt.
Das Christophoruswerk stellte hübsche Handarbeiten von Behinderten aus. Gefallen haben mir die kleinen Keramikmäuse. Interessant war das Angebot von Bohrloch-Amethysten.
Die Diakonie hatte sich viel Mühe gemacht und bot kostenlos Ausmalbilder „Lutherrose“ und Ausmalbilder für Windlichter an.
Über allem lag der Duft gebrannter Mandeln. Es roch nach Kindheit.

Tja, warum feiern wir Martini?

1. Der heilige Martin, Bischof von Tours, wurde 316 in Pannonien, dem heutigen Ungarn, geboren. Er war seit seinem 15. Lebensjahr Soldat im Dienste des Römischen Reiches. Sein Standort war in Gallien (heute Frankreich). An einem kalten Wintertag war er zu Pferd zu seinem Truppenteil bei Paris unterwegs. Da sah er einen Bettler. Kurz entschlossen teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab die eine Hälfte dem armen Mann. Später wurde Martin Mönch in einem Kloster. 371/372 sollte er zum Bischof von Tours gewählt werden. Bescheiden versteckte er sich im Gänsestall. Doch das laute Gänsegeschnatter verriet Martin. Er wurde ein guter Bischof. Anfang November im Jahr 397 verstarb er und wurde
am 11. November bestattet.

2. Martin Luther. Er wurde am 10. November 1483 geboren und verstarb am 18.02.1546.
Er besuchte 1498 die Lateinschule in Eisenach. Hier verdiente er sich als Kurrendesänger sein Brot. 1501 ging er als Student nach Erfurt. Luther irritierte der Ablasshandel, mit dem der Papst in Rom die Kosten für den Bau des Petersdoms finanzierte. Das war einer der Ausgangspunkte für Luthers scharfe Kritik an der katholischen Kirche. Er schlug seine Forderungen zur Veränderung in 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg.
Auf dem Reichstag zu Worms sollte Luther gegenüber dem Kaiser und Kirchenvertretern seine Reformideen abschwören und sagte den berühmten Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ 1521 kam er vom Reichstag zurück und der sächsische Kurfürst schützte den nun vogelfreien Luther, indem er ihn als „Junker Jörg“ auf die Wartburg bringen ließ.
Mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche schuf Luther eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Das war eine einmalige, große, kulturelle Leistung.

Friedrich Schiller. Er wurde am 10.11.1759 geboren. Zu runden Jubiläen wurde seiner ebenfalls im Dom gedacht. Zwischen seinem Geburtstag und seinem Tod im Jahr 1805 liegen viele Werke, z. B. „Die Räuber“, „Kabale und Liebe“, „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, „Balladenjahr“, „Die Jungfrau von Orleans“, „Don Carlos“, „Wilhelm Tell“ und „Wallenstein“. Außerdem gab er die Zeitung „Thalia“ heraus. Der 255. Geburtstag des Dichters war am 10.11.2014.
Es gibt also viel zu feiern und zu würdigen an diesem Martinstag, der auch im Rahmen der 35. Ökumenischen Friedensdekade stattfand.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.11.2014 | 17:39  
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