Namen sind nicht Schall und Rauch

Die Sprache war und ist ein wichtiges Instrument, um zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten. Seit dem Beginn unseres Daseins gibt es Namen.
Die heutigen Familiennamen stammen meist aus dem 12. Jahrhundert. Aber bereits in germanischer Zeit gab es zu den Rufnamen Beinamen. Oft wurde der Vatersname hinzugefügt oder der Beruf: Küchenmeister, Müller, Töpfer etc.
Es hat mich interessiert, wie das in meiner Familie aussah. Mein Vorname ist Ute Maria-Sibylla. Die Bedeutung von Ute (angelsächsisch: Oda): Sie ist die Stammmuter der Ludolfinger und wurde heilig gesprochen.
Die Ludolfinger waren Kaiser im Frankenreich etwa von 486 - 730 u.Z. Ihnen folgten die Merowinger und Karolinger. In dieser Zeit eroberten die Franken im Jahr 531das Thüringerreich und Radegunde, die letzte Prinzessin der Thüringer, wurde 540 mit König Chlothar zwangsverheiratet. Sie gründete 544 das Kloster zum Heiligen Kreuz und wurde später im Frankenreich heilig gesprochen.

Ute gilt auch als Mutter der Burgunderkönige Gunther, Gernot und Giselher sowie ihrer Schwester Krimhild, der späteren Ehefrau von Siegfried von Xanten. Die Nibelungen haben einen historischen Hintergrund: Das Burgunderreich wurde 430 u.Z. von den Hunnen unter Attila zerschlagen.

"Runen raunen rechten Rat." Das heißt, diese Zeichen sind nicht nur Silben, sondern waren göttlich. Sie wurden als Lose auf die Zukunft geworfen.
Das „U“ (Odal) ist heute noch in der Kasula katholischer Priester zu finden.
Es bedeutet Neubeginn nach Trennung. Die Bögen, die in sich zurücklaufen, stehen für Treue und Ewigkeit.
Die "Ute" gilt auch als heilige Schutzschale (Gefäß) für den Reichtum des Stammes, sowohl geistig als auch materiell.
Die weiteren Vornamen:
Maria ist aramäischen Ursprungs. In der Bibel hieß so die Mutter Jesu.
Maria ist die Himmelskönigin, aber auch auf Erden trugen viele Königinnen ihren Namen. Die historische Maria lebte in Nazareth. Sie lebte später mit dem wesentlich älteren Zimmermann Joseph zusammen und das Paar bekam noch weitere Kinder. Aus politischen Gründen legte die Kirche den Geburtsort Jesu nach Bethlehem, denn ein Nachfolger Davids als "König der Juden" musste nach dem Alten Testament aus diesem Ort stammen. Der Geburtstag Jesu wurde auf den 24. Dezember gelegt auf das Fest Sol invictus im Römischen Reich und den Beginn der Wintersonnenwende in Germanien. So wurde der Schritt ins Christentum erleichtert.. Wahrscheinlich wurde der historische Jesus im September geboren, zur Zeit des jüdischen Neujahrsfestes.
Sibylla hat griechisch-lateinische Wurzeln. Sie war eine berühmte Prophetin im antiken Kleinasien. Eine Namensträgerin ist die Botanikerin, Blumenmalerin und Kupferstecherin Maria-Sibylla Merian.
Die Bedeutung meiner Vornamen, die so unterschiedlichen Ursprungs sind, könnte zusammengefasst lauten: Frauen sollten ihre wichtigen Geheimnisse bewahren und königlich handeln.

Betrachten wir nun meinen Familiennamen:
Die Vorfahren meines Vaters stammten aus Schlesien. Sie siedelten im slawisch-sorbischen Raum. Meine Großmutter hieß Hedwig, wie die große Heilige des Landes. Diese Vorfahren lebten in der Niederschlesischen Oberlausitz, in der Nähe von Görlitz. Mein Mädchenname Jentsch (es gibt mehrere Schreibweisen) geht auf den Namen Johannes zurück. Er ist biblischen Ursprungs und bedeutet "Gott ist gnädig".
Der Name hat auch einen Stammvater: Er war der in grauer Vorzeit lebende Edelmann Jenscho de Gorszelec (Görlitz).
Mein jetziger Familienname "Hinkeldein" stammt aus dem Norden des Landes. Hinkel ist dort ein Name für Heinrich. Er setzt sich aus den Silben "heim“ (Heimat) und "riche" (Herrschaft, Reich) zusammen. Es war also ein Name von Königen und Herzögen. Der Herzog Heinrich brauchte natürlich auch Gefolgschaft, womit sich das "dein" erklärt. Ein "Hinkeldein" ist also jemand, der in der Gefolgschaft eines Herzogs lebte. Der berühmte Herzog Heinrich der Löwe herrschte 1135 über Sachsen und Bayern.

Frauen konnten in dieser Zeit sich beruflich frei nur in Klostern entfalten.
Hier Beispiele:
1150 gründete Hildegard von Bingen das Benediktinerkloster Rupertsberg. Sie war pflanzenkundig und kannte das medizinische Wissen ihrer Zeit und wandte es an.
Die Nonne Hrotsvith (Roswitha) von Gandersheim lebte in der Gandersheimer Benedektinerabtei . Sie gilt als erste deutsche Dichterin.

Mein Schwiegervater hatte eine viel lustigere Erklärung für den Namen. Im Mansfeld hätten die Bergleute Hühner gezüchtet und es gab oft Streit, wenn Hühner (Hinkel) zu Nachbarn liefen. Dann hieß es "Hinkel dein" und "Hinkel mein".
Und wer kennt nicht die Hinkelsteine, jene Glückssteine mit Loch, die im Ostseesand liegen?
Dieser Ausflug in die Namenswelt war für mich sehr interessant. Versuchen Sie es doch auch einmal.
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