Neue Pracht im Schlosspark Molsdorf: Hermes und Herkules sind aus dem Winterschlaf erwacht – Blütenpracht entfaltet sich wieder

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Seit 15. Mai stehen die Kübelpflanzen wieder an ihrem Platz vor dem Schloss Molsdorf.
Erfurt: Schloss | "Unsere Vorfahren in der Mitte des 17. Jahrhunderts waren wahre Meister der Lustgärtnerei. Wer jetzt Anstößiges denkt, liegt falsch - es war damals die gängige Bezeichnung für das Anlegen und Gestalten großer Garten- und Parkanlagen, die nur dem Zerstreuen und Vergnügen dienten", erklärt Kristina Baum, Kuratorin im Schloss Molsdorf. Zu jener Zeit erstrahlte auch der Schlossgarten in Molsdorf in barocker Schönheit, der Schlossherr Gustav Adolph von Gotter (Besitzer von 1734 bis 1748) ließ es in seinem Garten an nichts fehlen. Alles war symmetrisch angeordnet, mit kompliziert geformten Schmuckbeeten, geometrisch geformten Bäumen und Sträuchern, Alleen, vertieft angelegten Rasenplätzen für Spiele, Wasserspiele, 104 Sandsteinskulpturen und vieles mehr. Der Garten war gemeinsam mit dem Schloss ein großes Gesamtkunstwerk und damals eine der bedeutendsten Gartenanlagen in Thüringen. Die einstige Pracht zeigt heute noch ein Modell im Schlossmuseum.

Die Mode ist aber vergänglich - nach nur 50 Jahren (1790) und neuem Schlossherren erfolgten erste Umgestaltungen, der englische Landschaftsgarten war nun der neue Trend. Das hieß vor allem mehr Natürlichkeit und viel weniger Skulpturen. Unter Leitung von Johann Rudolph Eyserbeck, dem späteren Gothaer Obergärtner, erfolgte der Rückbau - immer vor dem Hintergrund, dass Schloss und Garten stets eine Einheit bilden. Der damals geschaffene Garten, mit großen Rasenflächen und den aus der Barockzeit erhaltenen Lindenalleen, ist auch heute noch in seiner Grundstruktur erkennbar.

Jetzt im Frühjahr kehrt langsam wieder das Leben in den Schlossgarten zurück. Gestern wurden die Blumenkübel, bepflanzt mit Liebeslilien und Granatäpfeln, wieder aufgestellt und die Skulpturen aus ihrer Winter- Schutzbehausung befreit. Seit einigen Wochen gibt es im Schlossgarten auch eine Neuerung: Zwei Schmuckbeete aus der Zeit um 1800 sind auf der Rasenfläche wieder hergerichtet worden. Mittels historischer Pläne, Fotos und geomagnetischer Messungen konnte die genaue ovale Form ermittelt werden. Bepflanzt sind sie jetzt mit Stauden, die sich an dem Pflanzensortiment um 1900 orientierten. Die beiden Beete bilden gemeinsam mit den Kübelpflanzen einen farbenfrohen Blickpunkt. Zwei Gärtner sind nun wieder damit beschäftigt, die Schönheit des Gartens für die Besucher zu erhalten. "Besonders aufwändig ist die Rasenpflege und das mechanische Freihalten der Wege vom Unkraut", sagt die Kuratorin. Vom Museum aus genießt man einen großartigen Blick über den Schlossgarten, auch wenn die Blickachse Richtung Thüringer Wald durch Autobahn- und ICE-Brücken unterbrochen werden.

Eine gute Möglichkeit, dem Schloss und dem Schlossgarten wieder einmal einen Besuch abzustatten, bietet sich am 1. Juni zur "Langen Nacht der Museen". Ab 18 Uhr wird hier für die Gäste ein interessantes Programm mit Führungen, Rokokotanz und Feuershow geboten.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.05.2012 | 03:11  
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Petra Seidel aus Weimar | 18.05.2012 | 20:30  
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