Neues Schauspiel Erfurt: Romeo & Julia in der Barfüßerruine

Sie schweizerische Regisseurin Sasha Mazzotti. Foto: Axel Heyder
 
Erneut eine Generalprobe im Regen. Sasha Mazzotti nimmt es mit Humor und einer gewissen Routine. Foto: Axel Heyder
Erfurt: Barfüßerruine | Von Axel Heyder

Im 10. Jahr inszeniert das Neue Schauspiel Erfurt das Sommertheater in der Barfüßerruine. Für einen Großteil der Inszenierungen zeichnet Sasha ­Mazzotti verantwortlich. Der AA sprach mit der Regisseurin...

Was genau zieht Sie immer wieder nach Erfurt, um das Sommertheater zu inszenieren?
Shakespeare! Und die Möglichkeiten, die das „neue schauspiel erfurt“ mir immer wieder gibt, um ein Ensemble zusammenzustellen, mit denen die sechs Probenwochen intensiv und spannend sind und mit denen ein Sommertheater entsteht, das ergreift, berührt und Freude macht.

Was ist dabei die größte Herausforderung?

Ein Team zu finden, das einfallsreich und fähig ist, trotz beschränkter finanzieller Mittel Großes zu zaubern.

Immer wieder Shakespeare, warum wird der Klassiker nicht langweilig?

Weil seine Stücke voll spannender und nach wie vor aktueller Themen sind – wie Liebe, Leidenschaft, Verrat, Macht, Neid und Tod. Er erzählt mit Scharfsinn, Tiefgründigkeit und Humor, sodass es in seinen Stücken immer wieder Neues zu entdecken gibt, selbst wenn einem die Geschichte bekannt ist. Und er erzählt in einer faszinierenden Sprache, die insbesondere in einer guten Übersetzung wunderbar zur Wirkung kommt.

Wie entscheidet sich, ob die Inszenierung einen klassischen oder einen modernen Charakter erhält?

Es gibt Leute, die mir sagen, sie würden gerne mal „einen Shakespeare“ so originalgetreu wie möglich sehen, nicht immer so modern. Ich vermute, sie meinen damit Inszenierungen, in denen die Schauspieler in schönen Renaissance-Kostümen auftreten und mit viel Pathos und Theatralik spielen, also auf eine Weise sprechen und sich bewegen, wie wir es im Alltag nicht machen würden. Aber genau das ist der Punkt. Ich suche vielmehr den natürlichen Ton. Wenn der verliebte Romeo zum Beispiel das erste Mal mit Julia spricht, dann suche ich einen Ausdruck, der einem verliebten Menschen heute entsprechen könnte. Die Sprache von Shakespeares Figuren ist zwar nicht zeitgemäß – Romeo und Julia sprechen beispielsweise die ersten Worte in Form eines Sonettes – aber ihre Geschichten und ihre Gefühle sind nach wie vor aktuell. Und ich suche nach einem Ton und nach einem Spiel, das diese Gefühle und die Absichten der Figuren so direkt wie möglich vermittelt. Die Arbeit der Schauspieler ist es dabei, diese so in sich wachzurufen und auf die Bühne zu bringen, dass ein Zuschauer beim Anblick von Romeo und Julia denkt: „Das kenne ich. So ging es mir auch, als ich verliebt war.“

Wie findet man am besten heraus, welcher Schauspieler zu der Rolle passt, die ein Regisseur sicher schon im Kopf hat?

Was ich bei allen Schauspielern suche, ist die Fähigkeit, sich spielerisch einer Figur anzunähern, improvisieren zu können und sich auf die anderen Mitglieder im Ensemble einzulassen, damit ein „Ping-Pong-Spiel“ zwischen den Figuren entsteht. Letzteres birgt ein großes kreatives Potenzial in sich.
Ich habe zwar meine Vorstellungen von den Figuren und der Inszenierung und entwickle mit der ­Ausstatterin und der Dramaturgin ein Grundkonzept, aber ich möchte mich auch darauf verlassen können, dass die Schauspieler mich mit Impulsen und Ideen inspirieren. Diese sammeln wir während der Proben und entscheiden dann, welche wir für die Figuren und die Inszenierung behalten. Ich sehe mich als „Ermöglicherin“ und nicht als Puppenspielerin. Und dafür braucht es Schauspieler, die sich auf so eine Arbeit einlassen und das technische Können dafür mitbringen. Eine gute Ausbildung hilft sehr, ich kenne aber auch talentierte Quereinstiger.

Mit „Romeo und Julia“ verbinden Sie …

… viel Knistern, viel Seufzen, viel Lachen, viele Tränen und eine wunderbare Erinnerungsreise an meine jungen Jahre. Und die Erinnerung daran, wie gut es tut, zu wissen, dass es nach der stürmischen Fahrt in einem Ruderboot auf der hohen See der Gefühle ein Genuss ist, mit einem Segelboot gemeinsam auf entspannten und stilleren Gewässern zu segeln.

Weitere Fotos finden sich hier:
http://www.meinanzeiger.de/erfurt/kultur/ab-heute-...
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Tobias Schindegger aus Gotha | 06.07.2012 | 09:45  
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