Refugees Welcome! - Willkommensfest für Geflüchtete im Brühler Garten in Erfurt

Erfurt: Brühler Garten | Dass Deutschland sein Herz und seine Türen all jenen öffnet, die in den letzten Wochen und Monaten ihre Heimat verlassen und eine zum Teil lebensgefährliche Flucht auf sich nehmen mussten um fernab von Krieg und Tod ein neues Leben anzufangen, hat sich mittlerweile bis über den großen Teich herum gesprochen. Die Willkommenskultur in Deutschland ist ein moralisches Vorbild für alle anderen Länder. Überall werden die Geflüchteten mit offenen Herzen und Armen in Empfang genommen und während sich der ein oder andere Besorgtbürger noch um die deutsche Leitkultur sorgt, gibt es tausende, die einfach anpacken, spenden und helfen wo sie können.

So auch in Erfurt, wo etwa 1.000 Flüchtlinge in der Messehalle untergebracht sind. Die Hilfe wird nicht nur von offizieller Seite - dem DRK - koordiniert, sondern organisiert sich insbesondere über die sozialen Netzwerke. Hier haben sich binnen einer Woche über 1.000 Menschen zusammen gefunden, die die Flüchtlinge unterstützen und willkommen heißen wollen.

Und für all diese - Geflüchtete, Helfer und Freunde - gab es am vergangenen Samstag ein wundervolles Fest im Brühler Garten in Erfurt. Die Stimmung dort war geprägt von Offenheit und Lebensfreude. Alle kamen einfach zusammen, redeten miteinander, tanzten gemeinsam, spielten, lachten, lernten einander kennen. Immer wieder gingen Menschen umher und verteilten Kuchen, Obst, Eis und andere Leckereien an bis dahin völlig fremde Menschen. Selten kam man so leicht mit anderen ins Gespräch wie bei diesem Fest. Ich hörte eine Frau sagen, dass die ganzen Menschen, die jetzt hier sind und noch kommen, viel Lebensfreude und Lebensgefühl mitbringen. Ich glaube, damit hat sie Recht. Deutschland wird bunter, offener und fröhlicher - nicht nur durch die Vermischung der Kulturen, sondern schon allein durch das gemeinsame Helfen und das daraus entstehende Gefühl von "Wir tun etwas Gutes und wir schaffen das!"

Als ich mit meiner zweijährigen Tochter auf der Hüfte einige Weintrauben und Pfirsiche aus dem eigenen Garten verteilte, kam mir eine Welle der Dankbarkeit und Freude entgegen. Ein Mann rief mich ganz unvermittelt zu sich und bat mich, bei ihm zu sitzen. Wir unterhielten uns eine Weile, er erzählte mir, dass er schon seit 1 Jahr und 8 Monaten in Deutschland ist. Er sprach gut Deutsch, besser als so mancher Deutscher, der an einem sonnigen Nachmittag auf dem Anger seine Existenz beklagt. In seiner Heimat Syrien war mein Gesprächspartner Landwirt. Und am Montag beginnt er eine Arbeit in einer Gärtnerei hier in Erfurt. Den Stolz darauf habe ich ihm deutlich angesehen. Mit ihm hier leben eine seiner Schwestern, seine Frau und seine vier Kinder. Er sagte, er wolle noch mehr Kinder - so viele wie sein Vater. Seine Frau, deren Gesicht locker von ihrem Kopftuch eingerahmt wurde, sagte "Acht!" und schaute mich kopfschüttelnd an. Dann lachten wir alle. Während dessen saß meine Tochter auf meinem Schoß, freundete sich gerade mit dem jüngsten Sohn der Syrer an und trank aus der Wasserflasche der Tochter, weil ich ihr Wasser zu Hause vergessen hatte. Später teilte eine der Frauen die mitgebrachten Waffeln genauso selbstverständlich wie wir zuvor unser Obst.

Auf die Frage, ob es ihm in Erfurt gefalle, antwortete mein neuer syrischer Freund, es ist Frieden, er hat eine Wohnung, er hat zu Essen und ab Montag hat er eine Arbeit. Ja, er mag es in Erfurt. Der Stolz und die Ehrlichkeit, die aus dieser bescheidenen Aufzählung heraus klangen, rühren mich zutiefst.

An diesem Nachmittag, hat - entgegen der großen Angst unserer besorgten Mitbürger - niemand versucht mich zu köpfen. Mein Kind wurde mir nicht geraubt, ich wurde nicht bestohlen und es hat mich auch niemand gezwungen zum Islam zu konvertieren. Auch hat meine Tochter weder von dem Wasser, noch von den Waffeln, die sie von den Syrern bekommen hat, eine ansteckende Krankheit bekommen. (Aber als sie heute Morgen ihre Tasse ausgetrunken hatte sagte sie "Allah!" - vielleicht ein Zeichen für die voran schreitende Islamisierung. Das sollte ich mal im Auge behalten und notfalls einen Priester für einen Exorzismus kontaktieren.)

Stattdessen begegnete mir unglaublich viel Wärme, Aufgeschlossenheit, Lebensfreude und Dankbarkeit. Diese Stimmung bleibt uns in Deutschland hoffentlich erhalten und wird von hier auch in den Rest der Welt getragen.
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