Rilke und Maria

Bethlehem (Israel): Stall | Es ist eine geheimnisvolle Geschichte. Maria und das Kind. Die Geschichte der Geburt eines Kindes. Und vor allem. Es ist eine geheimnisvolle Nacht, die bald anbricht. Diese Nacht des 24. Dezember! Die Kerzen, die Lieder, die Musik. Ist es das, was Menschen berührt? Oder sind es Erinnerungen an frühere Weihnachtsabende – damals zu Hause? Oder gar die Sehnsucht nach der Stille. In einer lauten und mitunter lauen und rauen Welt.

„Stille Nacht – Heilige Nacht“
Himmel und Erde berühren einander. Küssen sich. Und die Engel singen das Halleluja. Doch wenn – Ja wenn es dann nur einmal ganz still wäre. In den Herzen und Sinnen............

Wahrlich Stille Nacht.
Um es mit Rilkes Stundenbuch zu sagen:
„Wenn das Zufällige und Ungefähre
Verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen ....“

Zu Wachen in einer Nacht, in der der EINE uns Menschen nahe kommt. In der Er selbst Mensch wird. Im Kind in der Krippe. Ob wir daran glauben oder ob wir es vergessen haben: Dies ist eine Heilige Nacht für alle, die wachen und etwas erwarten. In der Stille. Die sich dann aufmachen.

Zur Freude der Menschen und zum Jubel des Himmels. Dass Er doch auch zu uns kommt. Auf unseren Lebensweg. Dass wir uns Ihm öffnen.
Wenn: „wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -....“
Er wacht. Er unterliegt nicht unseren Geräuschen, Zwängen und Gebundenheiten. Nicht Zufälligem und Ungefährem. Nicht alltäglicher Alarmbereitschaft in den Unternehmen, auf den medialen Märkten und den „Wiesen des Fortschritts.“
Permanent unter Hochdruck stehend werden die alltäglichen Kampfzonen Familie, Arbeit, Straßenverkehr und vieles mehr bewältigt. Medial vernetzt – immer und überall ohne Distanz.
Woran mag es wohl liegen, dass Andre uns einreden, dass wir nichts auslassen dürfen. Damit werden aufgeklärte Menschen zu modernen Sklaven.
Wir dürfen doch Dinge auslassen, weglassen – indem wir uns auf Ihn einlassen. Ihn sich nähern lassen – meinem Herzen. Und IHM entgegengehen.
„Wie soll ich dich empfangen.“ So heißt es in einem alten Lied. Weil Er unser Leben – all das Jagen und Rennen, die Angst freiwillig auf sich nimmt. Um uns nahe zu sein, Menschen zu einem befreiten Leben führen. Damit schlägt die rettende Stund. „Christ in deiner Geburt.“

Und diese Stunde kennt gewiss die Stille.
Stille Nacht – Heilige Nacht.
Er kann mir zur Seite stehen. „still und unerkannt“ Und. Er braucht unser Innehalten, still werden. Ich darf stehen bleiben. An – Halten. Und menschlich werden. Bischof Kamphaus hat einmal gesagt: „Machs wie GOTT, werde Mensch. Ich darf herabsteigen in meine Menschlichkeit. In meine Erdhaftigkeit. Auch in das Dunkle und Kalte. In meine Zerrissenheit und Bedürftigkeit, die zu mir gehören.

Der Weg der Menschwerdung führt nach unten und nach innen

Er ist der Weg der Selbsterkenntnis. Das meint, die Gedanken und Gefühle zu beobachten. Erkennen, was in mir lebt. Oft ein Eigenleben führt. Dabei scheint mir wichtig, dass neben das „erkenne dich selbst“ das „liebe dich selbst“ tritt. Wir können uns selbst erkennen – und auch Andere – wenn wir uns selbst mögen.
Daher tragt Seine Liebe in Euch. "Macht`s wie GOTT – werdet Mensch." Denn: Ich bin es wert, dass Gott sich mir schenkt, ich bin liebenswert. Das darf ich mir zusagen lassen.
Das Kind in der Krippe lädt ein, mich selbst immer mehr lieben zu lernen. Mich mit dem versöhnen zu lassen, was ich an mir weniger mag. Auch das meint die Heilige Nacht, die zur Stillen Nacht ins uns werden darf. Und wir entdecken, was uns wohl tut. Das ist Weihnachten.

„Da uns schlägt die rettende Stund
Christ in deiner Geburt.“

Johannes Haak
Regklerkirche zu Erfurt am Vorabend des 4. Advent 2012
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 22.12.2012 | 14:07  
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Johannes Haak aus Ilmenau | 22.12.2012 | 15:17  
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Renate Jung aus Erfurt | 26.12.2012 | 19:40  
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