Schloss Wilhelmsthal

  Zu Besuch in Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach

„Ich träum´ als Kind mich zurücke,
Und schüttle mein greises Haupt;
Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,
Die lang ich vergessen geglaubt?

So stehst du, o Schloss meiner Väter,
Mir treu und fest in dem Sinn,
Und bist von der Erde verschwunden,
Der Pflug geht über dich hin.“

Ein wenig ging es mir wie Adelbert von Chamisso, als er sich an das Familienschloss Boncourt erinnerte.
Nach 45 Jahren erstmals wieder in Wilhelmsthal, da bewegen sich meine Gefühle zwischen Nostalgie und Distanz.
Das Schloss gehört zum Ortsteil Eckhartshausen und dieser wiederum zur Gemeinde Marksuhl. Das Jagdschloss ist ca. 7 Kilometer von Eisenach entfernt. Wir fahren durch Eisenach. Vorbei am schwarzen Brunnen, der Kugeln aus den napoleonischen Kriegen enthalten soll, gelangen wir zum Markt. Im Stadtschloss haben wir geheiratet.
Der St. Georgsbrunnen erlebte heftige Zeiten. Im Bauernkrieg wurden hier Aufständische öffentlich erhängt. Ein weißes Kreuz im Pflaster weist darauf hin.
Hinter Eisenach gelangt man bald zur Drachenschlucht. Ein Klamm, in dem sich unentwegt Wasser durch den Felsen nagt, nach dem Prinzip „Steter Tropfen höhlt den Stein“.
Oben angelangt, verläuft vor dem ehemaligen Schloss „Hohe Sonne“ (heute fast eine Ruine)
der Rennsteig. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Schloss Wilhelmsthal in einer waldreichen Gegend im Eltetal liegend.
Ab 1710 begann der Bau der barocken Anlage; das jüngste Gebäude ist erst 100 Jahre alt. Es war eingebettet in eine Gartenanlage, die offen zu einem künstlich angelegten See führte. Das Wasser der Elte wurde dazu angestaut. Der Landschaftsgarten wurde von 1852-1855 nach Plänen des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, von Hermann Jäger und Eduard Petzold als Naturgarten gestaltet.
Sehr langsam ging die Renovierung voran. Bis 1993 wurde die Anlage noch in der einen oder anderen Form genutzt, in den letzten 20 Jahren verfiel sie leider immer mehr zur Ruine.

Es war die Sommer-Residenz von Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Berühmte Gäste waren hierher eingeladen: Franz Liszt, Zar Alexander I., Maria Pawlowna. Johann Wolfgang von Goethe schrieb in Wilhelmsthal sein Werk „Wahlverwandschaften“.
Diese Anlage trägt auf der linken Seite der leichten Anhöhung den historischen Marstall, die Hofküche, die alte Vogtei und die Wirtschaftsgebäude. Rechts, etwas abschüssig, ist die eigentliche Schlossanlage, die aus vier Gebäuden besteht, die vor dem künstlichen See durch eine Säulenkolonnade verbunden sind. Die Gebäude sind das Prinzen- und Prinzessinnenhaus, das neue Schloss und das alte Schloss.
Im alten Schloss, ab 1710 erbaut, befindet sich im Parterre ein ovaler Fest- und Konzertsaal, der Telemann-Saal. Es ist einer der ältesten freistehenden Konzertsäle Europas. Während der Zeit des Kinderheimes befand sich hier der Speisesaal.

Das neue Schloss wurde ab 1910 erbaut. Optisch dem alten Schloss angeglichen, erlebte es verschiedene Nutzungen. Bis 1941 Besitz des Herzogs, ab 1942 war es Lazarett der Wehrmacht, bis 1946 ein Flüchtlingslager, von 1947-1993 Kinderheim und erstes Thüringer Kinderdorf, zu dem auch die Gebäude Prinzen- und Prinzessinnenhaus gehörten.

Die Führung durch das Schloss war interessant. Ich konnte zunächst im Parterre rumgucken und auch das gediegene Holzgeländer der Treppe im neuen Schloss bewundern. Allerdings war der Andrang so groß, dass ich von den Menschenmassen hin- und hergeschoben wurde.
Auch der Marstall soll gerettet werden. Prägend ist in diesem Ensemble der Uhrturm.
Dem Marstall vorgelagert waren die alte Vogtei, Wirtschaftsgebäude, rechts die Hofküche und links das Kavaliershaus (Corpus de Logis).
Da die Gesamtrenovierung sehr teuer ist, sucht Direktor Prof. Paulus von der Stiftung Schlösser und Gärten nach einer tragfähigen Lösung. Die TLZ vom 27.12.2013 berichtete über diese Planungen. In den Marstall sollen die Zimmermannswerkstatt des Technik- und Berufsbildungszentrums und auch Künstlerwerkstätten einziehen. Das Kavaliershaus (Corpus de Logis) soll Museum und Info-Shop werden. Ins Remisenhaus ziehen der Bauhof sowie die Gärtner ein, die die Anlage in Schuss halten sollen.
Im neuen Schloss werden Veranstaltungen und Tagungen stattfinden. Reserviert für Restaurant und Café ist das Prinzenhaus. In die übrigen Schlossgebäude werden Ferienwohnungen installiert.
Die künftige wirtschaftliche Nutzung des Schlosses könnte dazu beitragen, dass sich für die aktuelle Renovierung Geldgeber finden.

Auf dem großen Gelände befand sich ein Ferien- und Pionierlager des EMW (Eisenacher Motorenwerke), später Wartburgwerke. Ab 1964 wurde ein Bungalow-Dorf angelegt. Einige der Holzhäuschen stehen noch. Sie sind aber in sehr schlechtem Zustand. Das dazu gehörige Schwimmbad wurde gründlich ruiniert.
Nicht unerwähnt bleiben sollte der Gau-Jägerhof Wilhelmsthal. Das Gebäude wurde 1938-1941 errichtet.
Viele Gerüchte gab es, dass der Reichsmarschall und Reichsjägermeister Hermann Göring hier gelebt hätte. Eine Bestätigung lässt sich in keiner Quelle finden.
Nach dem Krieg fand hier u.a. die Neulehrerausbildung statt. Heute ist das Gebäude in Privatbesitz.
Meine ganz privaten Erinnerungen habe ich in dem Beitrag „Ich hab´ mein Herz in Wilhelmsthal verloren“ aufgeschrieben.
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