Schüler machen Theater und führen sogar Regie

Die Theatergruppe der neunten Klasse probt für ihr neues Stück "Leonce und Lena" und bringt dabei Farbe ins Spiel.
 
Denise Zilsdorf und Jacob Schmidt stehen selbst von Zeit zu Zeit auf der Schultheaterbühne. Außerdem kümmern sich die beiden Elftklässler um die Theatergruppe der 9. Klasse, als Spielleiter erarbeiten sie mit ihnen seit Monaten die Aufführung des Büchner-Stücks "Leonce und Lena".
Erfurt: Evangelisches Ratsgymnasium | Hier ist alles aus einem Guss und noch dazu einmalig: Theatergruppen am Evangelischen Ratsgymnasium Erfurt erarbeiten ihre Stücke in Eigenregie.


Es dauert nicht lange, dann sind sich Denise und Jacob einig. Georg Büchner soll es diesmal sein, „Leonce und Lena“, sein einziges Lustspiel. So vieles lässt sich damit sagen, verbindet es doch Elemente der romantischen Komödie mit jenen der politischen Satire. „Ich mag den Autor sehr, bin durch Woyzeck auf ihn gekommen“, erinnert sich Jacob Schmidt an die erste Begegnung. Denise Zilsdorf stimmt ihm zu. Sie findet vor allem den Leonce-und Lena-Text schon beim Kennenlernen faszinierend. So sehr, dass ihn die Theatergruppe auf die Bühne bringt. Die aus der 9. Klasse, das müssen sie betonen. Schließlich gibt es am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt sechs solcher Gruppen, die Theater machen.


Bei „Leonce und Lena“ allerdings stehen Jacob und Denise nicht wie sonst mit auf der Bühne. Die beiden Elftklässler haben die Rolle des Regisseurs übernommen, sie sagen Spielleiter dazu. „Es läuft ganz gut“, zeigt sich Denise zuversichtlich, dass die vier Monate Probenarbeit eine gute Inszenierung als Resultat haben. In der heißen Phase vor der Premiere treffen sich die Theaterspieler täglich, alles soll klappen, dafür arbeiten sie hart. „Wir entwickeln die einzelnen Szenen, bringen auch ein paar unerwartete Schlenker mit rein“, spricht Denise über das Entstehen des Stückes. Beiden Spielleitern kommt es dabei zugute, dass sie selbst seit Jahren an ihrer Schule Theater spielen. Das möchten sie nicht missen. doch Regie zu führen, sich einzubringen, andere anzuleiten, Kreativität zu wecken, zu fordern, macht auch riesigen Spaß. Vielleicht schaffen sie es ja sogar, mit dem Büchner-Stücke bei den Thüringer Schultheatertagen dabei zu sein, wie vergangenes Jahr mit ihrem „Faust“. Sie haben es in der Hand. Die Schüler allein.

Nur behutsame Hilfe von außen


Vincent Kresse kennt dieses Gefühl. Er stand einst als Schüler ebenfalls auf der Ratsgymnasium-Theaterbühne. Das hat ihn so gepägt, dass er heute freier Theaterpädagoge ist, zuvor szenische Künste studierte. Außerdem ist er der künstlerische Leiter vom „Theater am Evangelischen Ratsgymnasium“. Er gehört zu jenen Erwachsenen und Theaterschaffenden, die die Spieler bei Bedarf unterstützen. Doch meistens kümmern sich die Theaterschüler um alles selbst. Stückauswahl, die aufwendigen Probenarbeiten, die Organisation rundherum, Kartenvorverkauf, Filmen von Aufführungen, ebenso das Aufräumen sind Aufgaben, die sie allein meistern. Und die Spielleitung übernehmen die Schüler auch selbst.

„Soweit ich weiß, ist das nicht nur thüringenweit, sondern in ganz Deutschland ein einmaliges Projekt“, kennt der Theaterpädagoge, der viel herumkommt, nichts Vergleichbares. Er sieht zwar manchmal bei einer Probe zu, doch Vincent Kresse leitet vor allem die Schüler an, die dann Regie übernehmen. „Man braucht gewisse Fähigkeiten, um eine Gruppe zu leiten“, weiß er. Doch vom Vorschriften machen hält er nichts. Zwar sage er seine Meinung, die nicht unbedingt die der Spielleiter sein muss - „mit Denise kann man sich herrlich kreativ fetzen“ - , gebe auch mal Hinweise in Richtung Stückauswahl oder hilft, lange Texte zu kürzen. Aber er nimmt sich auch zurück. Für die Nachwuchskünstler gehört es dazu, sich auszuprobieren. Und klappt etwas nicht wie gewünscht, ist das eine neue, lehrreiche Erfahrung. „Sie wachsen daran“, ist sich der Berater sicher. Genau, wie es den Theatergruppen sichtlich gut tut, seit Jahren schon gemeinsam zu spielen. Derartige Nähe schafft Vertrauen, lässt die Schüler den Stoff besser erarbeiten. Wie bei „Leonce und Lena“, die Gruppe spielt schon seit der 5. Klasse gemeinsam. Nun wird es im Stück die erste Kuss-Szene überhaupt für sie geben, eine neue spannende Erfahrung,


Die Mitspieler schaffen es immer wieder, ihn zu überraschen, freut sich Vincent Kresse auf die Aufführung. Genau wie andere. „Unser Publikum wird immer größer, das spricht für Qualität“, stellt er anerkennend fest. Und gibt zu: „Wenn ich nicht sowieso dabei wäre, würde ich mir das Stück auch privat ansehen“.


Infos: www.evrg-erfurt.de
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