Siedlung Gartenstadt wird 100

Sie sind mit der Gartenstadtsiedlung ganz eng verbunden: Lars Chrestensen, Hans Hartung, Inka Kaufmann und Thomas Willenberg.
  Es soll vorkommen, dass ein Besucher in der Gartenstadtsiedlung nach dem Weg fragt und er nicht nur die Beschreibung dafür erhält. „Zu wem wollen Sie denn da?“, könnte das Gegenüber durchaus entgegnen. Dabei ist es ist nicht die pure Neugier, die den Befragten zum Gegenfragesteller werden lässt. Hier rund um den Röhrenweg kennt man sich, denkt an den anderen und sorgt sich umeinander. „Man ist einfach nie allein“, strahlt Inka Kaufmann. Sie wurde hier, in der Siedlung im Westen der Stadt geboren und kann es sich nicht vorstellen, wo anders zu leben.

Einmal Gartenstadt, immer Gartenstadt


Fast allen Nachbarn geht es genauso. Einmal Gartenstadt, immer Gartenstadt. Es ist das besondere Flair dieser grünen Siedlung am Rande der Stadt, die sie so liebenswert macht. Jedes Haus, das bis 1952 gebaut wurde, besitzt einen eigenen Garten. Die Alteingesessenen leben Tür an Tür mit den Jungen. Auch auf sie ist das gute Miteinander selbstverständlich übergesprungen. Mancher Zaun ist längst verschwunden, man will sich nicht vom Nachbarn abgrenzen.
Heute sind hier rund 1150 Erfurter zu Hause. Etwa siebzig Prozent von ihnen, so wird geschätzt, sind Nachfahren der ersten Siedlungsbewohner. Seit diese in die neu gegründete „Siedlung Gartenstadt“ zogen, ist ein Jahrhundert vergangen.

Blicke in die Vergangenheit


Nun ist es an der Zeit, Rückschau zu halten und den 100. Geburtstag zu feiern. Seit Monaten schon ist der Verein „Siedlung Gartenstadt e.V.“ mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigt. Das Festkomitee unter der Leitung von Werner Krückel hat für den 29. Juni eine Menge organisiert. Ein „Renner“ in all dem fröhlichen Festtagstrubel wird bestimmt ein fast 120 Seiten umfassendes Büchlein sein, mit dem der Leser auf Zeitreise gehen kann: In einer aufwändigen Gemeinschaftsarbeit haben die Vereinsmitglieder eine Chronik geschrieben, die Einblicke in ein so noch nicht dargestelltes Stück Erfurter Geschichte gewährt. Neben unzähligen Zahlen und Fakten beschreiben die Gartenstädter hier ihr ganz privates Stück Heimat. Genau das kann man an diesem Tag sogar hören. Hans Hartung, eifriger Chronik-Mitschreiber und Vorstandsmitglied des Vereins, hat für seine geliebte Siedlung ein Lied geschrieben. Wenn er es irgendwo in der Gartenstadt anstimmt, singen die anderen begeistert mit. Am 29. Juni hat er sicher einen stimmgewaltigen Chor hinter sich.

Das Fest


Wohngebiets- und Siedlungsfest am Samstag, 29. Juni, ab 15 Uhr auf der Festbühne vor dem ehemaligen Konsum mit Musik, Tanz, Aktionen für Kinder, Oldtimer-Motorradausstellung und vielem mehr. Um 17.35 Uhr singt der Gartenstadtchor, „Musik & Tanz mit Udo Kirbach“ ab 19.30 Uhr.

Auszüge aus der Chronik


• Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörte das Gartenstadtland nicht zur Erfurter Stadtsiedlung.
• Die Petersberg-Wasser-
leitung war vor 900 Jahren die erste Baumaßnahme im Siedlungsgebiet Gartenstadt.
• Sir E. Howard, Parla-
mentsmitglied in Groß-
britannien, entwarf 1898 das Modell einer Gartenstadt. 1903 ent-
stand in Letchworth die erste Gartenstadt der Welt. Die erste deutsche Gartenstadtsiedlung folgte 1907 in Brieske.
• Der Zweck der Erfurter Baugenossenschaft Gartenstadt war:„ ...minderbemittelten Familien oder Personen gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu billigen Baupreisen zu verschaffen.“
• 1914 betrugen die Aufnahmegebühr in die Gartenstadt-Genossenschaft 10 Reichsmark, der Genossenschaftsanteil 300 Reichsmark.
• Der Röhrenweg ist der älteste Weg der Gartenstadtsiedlung und wurde vor fast 900 Jahren von Mönchen gebaut.
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