So tief wie er kann kaum einer singen: Bernd, der Bass

 

"Bernd, der Bass" trägt Musik im Herzen und begeistert immer wieder mit seiner tiefen Stimme.


Beeindruckende Töne



“Im tiefen Keller sitz' ich hier bei einem Fass voll Reben...“ Die Zuhörer vergessen prompt das Mitsingen. Das gibt es nicht, so tief kann doch keiner singen, scheinen ihre verdutzten Mienen zu sagen. Er kann. Sogar noch tiefer. Scheinbar mühelos entlockt Bernd Eberhardt seinem Brustkorb die beeindruckenden Töne. Kein Wunder, dass ihn die meisten einfach nur als Bernd, den Bass kennen. Die besondere Tonlage prägt auch seine Sprechstimme. „Obwohl ich genauso gut flüstern kann“, sagt er leise lachend und gibt eine sanft-gefühlvolle Kostprobe seiner Stimmvielfalt.

Volkslieder, Musicalmelodien, Country & Co.



Im Seniorenclubs hat er seine Fans, sein Publikum. „Die deutschen Volkslieder liegen mir besonders am Herzen“, erklärt der 69-Jährige. Dabei singen sie fast alle mit. Genau so liebt er es. Aber auch, wenn er aus Musicals Kostproben gibt oder Stimmungslieder schmettert, Heimat- und Wanderlieder anstimmt, der Seefahrt huldigt oder Countrymusik mit seiner tiefen Stimme adelt und zwischendurch mit Anekdoten und Gedichten aus dem Nähkästchen des Lebens plaudert - Bernd Eberhardt reißt sie alle mit. Obwohl es keiner schafft, ihn zu übertönen, so laut und enthusiastisch sie auch mitträllern. Obwohl er ohne Mikrofon singt.

Motivation? Freude bringen



“Ich möchte anderen einfach Freude bringen“, sagt er, nach seiner Motivation für die Auftritte befragt. Wenn es den Leuten gefällt, sie sich mitreißen lassen, ist er glücklich. Das ist sein Lebenselixier. Um Geldverdienen geht es hier überhaupt nicht. Manchmal lächelt er, wenn jemand sagt, seine Stimme sei viel zu groß für die kleinen Räume in den Clubs. Bescheiden wehrt er ab: „Ich bin nur ein Laie, habe keine abgeschlossene musikalische Ausbildung, übe einfach nach bestem Wissen und Gewissen.“ Es stimmt, zumindest das mit der Ausbildung. Aber ihn lediglich als Laien zu bezeichnen, würde Bernd Eberhardt und seiner Stimme nicht gerecht werden. Schon immer waren er und die Musik eins. Er, schon als Kind im Chor, mit Opas Knopfharmonika und bei kleineren Auftritten erfolgreich, wollte sogar Gesang studieren. Doch der Rausschmiss von der Oberschule, weil er mehrfach politisch negativ aufgefallen war, beendete alle Blütenträume. Auch Jahrzehnte später ist das kein Grund für den Stimmgewaltigen, mit dem Schicksal zu hadern. „Ich war schon immer ein Mensch, der nach vorn schaut, keiner, der Trübsal bläst, warum auch?!“

Auf der Theaterbühne



Auch ohne Studium gelingt ihm, was manch ausgebildetem Sänger verwehrt bleibt. 1982 entschloss er sich, bei der Erfurter Singakademie mitzuwirken, die gerade um neue Sänger für eine Aufführung der „Carmina Burana“ warb. Es dauerte nicht lange, und ihm wurde angeboten, im Extrachor bei einer Aufführung vom „Tannhäuser“ mitzuwirken. Und das alles in seiner Freizeit neben seiner Tätigkeit in einem Ingenieurbüro. Weitere interessante Rollen folgten. In besonderer Erinnerung ist Bernd Eberhardt die Mitwirkung im „Fliegenden Holländer“ bei den Domstufenfestspiele 2003 geblieben, unter Regie des weltberühmten Regisseurs Werner Herzog.


Ganz stolz ist er heute noch darauf, wie der Weimarer Hochschul-Gesangslehrer Volker Schunke auf seine Stimme aufmerksam wurde und sich spontan bereit erklärte, ihm Gesangsunterricht zu erteilen. Er war der erste Dilettant überhaupt, dem er ein solches Angebot unterbreitet hat.

Voller Kraft



Später dann, in den 80er Jahren, darf Bernd Eberhard sogar selbstständig auftreten, dank der abgelegten Einstufungsprüfung. „Dabei hatten mir ein paar Experten schon als ich Anfang 40 war gesagt, dass der Zenit meiner Stimme erreicht sei“, erinnert er sich an mehrfach gehörte Prognosen. Die sind allerdings nie eingetroffen. „Ich habe eher das Gefühl, meine Stimme ist in den letzten 15 Jahren noch voller, intensiver geworden“, zeigt sich das Gesangstalent, das am 18. November seinen 70. Geburtstag beging, glücklich. Vielleicht, so sinniert er schmunzelnd, habe das ja auch damit zu tun, dass er sich ab und zu ein Gläschen Rotwein genehmigt. Und dass er sehr auf seine Stimme achtet. Er muss sorgsam mit ihr umgehen, sie vor dem Auftritt erst langsam hochtouren, wie einen Rennmotor. Dann hat sie ihre volle Kraft. Sie bleibt im Ohr. Gerade erst sechs Jahre ist es her, als er für „Die Fledermaus“ einen Gastspielvertrag am Landestheater Eisenach bekam, er durfte für diese Aufführung sogar die Stimmführung im Chor übernehmen.

Immer wieder präsent



Heute genießt er es, bei Auftritten befreundeter Musiker aus der Rock- und Bluesszene auch ein paar Liedchen zu schmettern und sich im Seniorenclub in die Herzen seines Publikums zu singen. Dann ist es nur ganz schwer auszumachen, wer am meisten strahlt.
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